Wohnen zwischen Wald und Wasser

Fachwerk an der Schönen Aussicht - auch das ist Solitüde.
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Fachwerk an der Schönen Aussicht - auch das ist Solitüde.

Solitüde , das Viertel, das die Einsamkeit im Wort trägt: Früher stand hier ein Hof allein auf weiter Flur, aber mit ausgedehnten Ländereien

shz.de von
03. September 2011, 07:01 Uhr

Flensburg | Es ist sein kleines Paradies. Wenn Hans-Ruprecht "Rups" Leiß (57) aus seinem Atelier tritt, steht er mitten in Mutter Natur. Vor ihm erstreckt sich ein weitläufiges Biotop, auf dem sich nicht nur Hase und Igel gute Nacht sagen, sondern auch schon mal ein Reh oder liebestolles Damwild aus dem Fördewald blicken lassen.

Der bekannte Flensburger Künstler hat den östlichen Zipfel Solitüdes zu seinem Domizil erkoren - er wohnt in einem geräumigen Einfamilienhaus in der gleichnamigen Straße. Sieben Kinder sind in dieser grünen Oase groß geworden. Nur ein paar Schritte durch Wald und Wiesen, schon befindet man sich auf Glücksburger Territorium.

Vor 15 Jahren siedelte er mit seiner Frau Sonja von der Westlichen Höhe über - und hat es nicht bereut. "Eigentlich wollten wir dort nie wegziehen", erinnert er sich, "doch jetzt mögen wir die Vorzüge unserer neuen Heimat nicht mehr missen." Wohnen zwischen Wald und Wasser, dabei stadtnah - das wissen neben Leiß viele andere Flensburger zu schätzen. Auch wenn die exponierte Lage ihren Preis hat.

Da finden sich die Prachtbauten am Fördeblick oder an der Schönen Aussicht, an deren Klingelschild der eine oder andere bekannte Name aus der Flensburger Geschäftswelt auftaucht. Doch die Bebauung ist heterogen; immer mal wieder versteckt sich ein betagteres Haus, ja sogar ein Fachwerkbau zwischen den modernen oder top-restaurierten Villen. Ungewöhnlich: Die Straße ist nicht gepflastert oder geteert, es gibt keinen Bürgersteig. Und das ist von den meisten Anwohnern auch nicht erwünscht.

Der Spaziergang führt über die Solitüder Straße, die einen herrlichen Blick auf die Förde gewährt, über kleine Waldwege zum Solitüder Bogen. Dicht an dicht liegen die Häuser in diesem vor etwa 20 Jahren entstandenen Wohngebiet. Über den stark abschüssigen Twedter Strandweg gelangt man direkt bis ans Wasser. Der Flensborg Yacht Club und die Flensburger Seglervereinigung haben sich hier niedergelassen.

Der kleine Fischereihafen Fahrensodde gehört streng genommen nicht mehr zu Solitüde, ist aber einer der erklärten Lieblingsplätze von Rups Leiß. Mit "Bruno", seinem treuen Begleiter auf vier Pfoten, schlendert er über den Steg. Wellen schlagen sanft gegen die Boote. Tief atmet Leiß die Luft ein. "Diesen Geruch liebe ich", sinniert er.

Und wenn Ruhe so vollkommen ist, die Zeit stehen zu bleiben scheint, denkt man unweigerlich an den Begriff Solitüde - Einsamkeit. Früher stand hier ein Hof allein auf weiter Flur, allerdings mit ausgedehnten Ländereien bestückt. 1844 ließ Oberstleutnant Schack von Brockdorf den Namen Solitüde seinem Landsitz angedeihen - mit königlicher Erlaubnis. Später ging das Anwesen in den Besitz der Stadt Flensburg über.

Mit Ruhe und Einsamkeit ist es allerdings schnell vorbei, wenn man in den Sommermonaten ein gepflegtes Bad nehmen möchte. Denn der beliebte Stadtstrand wird neben Touristen besonders rege von Einheimischen frequentiert.

Familien liegen hier einträchtig neben ausgelassen feiernden Studentengruppen, die zu später Stunde auch gern Grill und Lagerfeuer entzünden. Und für kleine Kinder ist der flach abfallende Sandstrand ideal. Das Areal bietet zudem ausgedehnte Spielplätze, Volleyballfelder und ein Restaurant mit Sonnenterrasse. Gleich nebenan nutzen viele Ausflügler den Minigolfplatz.

Doch es gibt auch unschöne Entwicklungen. Nach ausuferndem Vandalismus in den öffentlichen Toilettenanlagen wurde im Jahr 2000 der Bau eines Pavillons beschlossen. Mit dem weißen Rundbau, der nun die Toiletten beherbergt, waren große Hoffnungen verbunden gewesen. Doch bis auf einen gelegentlich geöffneten Kiosk und die DLRG-Wachstation ist der Bau verwaist und gibt auch architektonisch berechtigten Anlass zur Kritik.

Ärgernisse dieser Art können die Liebe des Malers und Bildhauer Leiß zu seinem Wohnquartier nicht trüben. Er hat sein Zuhause gefunden. "Und ich will hier nicht wieder weg."

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