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Ehemalige Klinik-Ost Flensburg : Wohnen hoch über dem Osbektal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das niedersächsische Unternehmen Dolphin Trust will auf dem Gelände der Klinik-Ost bis zu 80 Wohnungen bauen.

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | In etwa einem Jahr soll Baubeginn sein: Für die ehemalige Klinik-Ost an der Kelmstraße zeichnet sich nach vielen Jahren des Leerstands und der Stagnation erstmals eine konkrete Zukunft ab. Das Unternehmen Dolphin Trust aus Langenhagen bei Hannover will aus dem Backsteinkomplex neben der Marineschule eine Wohnanlage mit bis zu 80 Wohnungen machen. Die sollen nicht nur in den drei historischen, über 100 Jahre alten Gemäuern, sondern auch in zwei Neubauten untergebracht werden.

Seit nunmehr 17 Jahren steht das ursprünglich als Marine-Lazarett gebaute Haus ungenutzt und ist dem langsamen, aber stetigen Verfall preisgegeben. Zuletzt war es in den 90er Jahren als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden. Der dänische Kaufmann Fritz Matzen hatte es später erworben und wollte hier den „Kelm-Hof“, ein Hotel der gehobenen Kategorie, eröffnen; 2009 hatte er die Planungen öffentlich vorgestellt – realisiert wurden sie indes nie. Auch Matzens spätere Idee eines Projekts für Betreutes Wohnen blieb Makulatur.

Mit Dolphin Trust hat das Ensemble, das unter Denkmalschutz steht, jetzt einen neuen Besitzer. Das Unternehmen hat sich auf die Umnutzung denkmalgeschützter Bauten spezialisiert. So werde in Ingolstadt derzeit eine alte Brauerei umgebaut, berichtet Isabelle Grünewald, Pressesprecherin des Unternehmens, während in Hanau eine Kaserne für Wohnzwecke umgebaut werde. Die Klinik-Ost gehört nach Angaben des Unternehmens zu seinen größten Umnutzungsprojekten. Das Grundstück an der Kelmstraße, das sich bis hinunter den neuen Fuß- und Radweg nach Sonwik zieht, ist 6000 Quadratmeter groß.

In Flensburg habe man bereits viele Gespräche mit der Bauverwaltung geführt und hoffe, bald eine Einigung über die Entwürfe erzielen zu können. Den Kieler Architekten Björn Bergfeldt aus dem Büro BBP habe man auf Empfehlung der Flensburger Stadtplanung engagiert, so Grünewald. Die Pläne müssen allerdings sowohl den Gestaltungsbeirat als auch den Umwelt- und Planungsausschuss noch passieren.

„Liegen die abschließenden Genehmigungen vor, stehen also die Lagen, Flächen und Schnitte der Wohnungen fest, wird Dolphin im Sommer dieses Jahres mit dem Verkauf beginnen“, kündigte André Klein von Dolphin an. Barrierefreies Wohnen und neue Wohnkonzepte sollen verwirklich werden. Das Flensburger Projekt wird mit dem Arbeitstitel „Dolphin an der See“ vermarktet; in einer Pressemitteilung ist von der „herrlichen Flensburger Förde“ die Rede und von einer „der schönsten Ostseestädte Deutschlands“.

Außerdem werden die „intakte Natur, der weite Blick über die Ebenen der Weide- und Heideflächen der Küstenlandschaft, aber auch die klare Seeluft, Ruhe und maritimes Leben“ angepriesen. Ganz klar: Die 80 Wohnungen werden bundesweit als Investitionsprojekt mit möglichen Denkmal-Abschreibungen angepriesen. Einen Quadratmeterpreis konnte Isabelle Grünewald allerdings noch nicht nennen. Im Sommer sollen die Pläne und Visualisierungen vor Ort vorgestellt werden. Für die frühere Leichenhalle unten am Osbektalweg gibt es noch keine Planungen.

Klinik Ost - Die Geschichte

1910: Eröffnung als Marine-Lazarett
1947: städt. Krankenhaus Klinik-Ost
1989: Schließung und  „Spritzenskandal“, Unbefugte dringen in das Gebäude ein und finden u.a. Krankenakten und  Injektionsspritzen
1993-1998: Unterkunft für Asylbewerber und Bürgerkriegsflüchtlinge
Seit 1998: Leerstand
2007: Kaufmann Fritz Matzen erwirbt den Gebäudekomplex und stellt öffentlich
2009 Pläne für ein Hotel vor
2013: Neue Planung. Matzen will jetzt eine Seniorenwohnanlage errichten
2014: Dolphin Trust tritt auf den Plan und will Wohnungen bauen
2015: Architekten fertigen Entwürfe

 
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