Wohnen fünf Meter über den Wellen

Genießen beim Frühstück den herrlichen Ausblick auf den Hafen in Sonwik: Ursula und Harald Petersen.  Foto: Michael Staudt
1 von 2
Genießen beim Frühstück den herrlichen Ausblick auf den Hafen in Sonwik: Ursula und Harald Petersen. Foto: Michael Staudt

Herrlich nahe am Wasser gebaut: Ursula und Harald Petersen leben in einem der Wasserhäuser auf der Sonwik-Mole

shz.de von
27. Juni 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Als Stadt an der Förde, Stadt der Brunnen und Bäche ist das Element Wasser in Flensburg seit jeher präsent. In der neuen Sommerserie nähert sich die Stadtredaktion dem Wasser aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Zeiten - einmal rund um die Uhr. Heute: Zu Besuch in einem Wasserhaus Auf der Mole in Sonwik

Unauffällig steht die Stele mit den 20 Klingelknöpfen an der Einfahrt zur Mole. Der metallen glänzende Knopf ist kaum gedrückt, als sich auch schon das Rolltor öffnet. Der freigegebene Weg führt zu einem der 20 Wasserhäuser auf der Mole in Flensburg-Sonwik. Dort, wo an Land die Haustür bereits nach wenigen Metern erreicht wäre, legt der Gast hier noch etliche Meter und damit einige Minuten Strecke zurück, bevor er eines der Wasserhäuser im hinteren Bereich der Anlage erreicht. Das letzte in der Kette gehört Ursula und Harald Petersen. Das Ehepaar gehörte vor zehn Jahren zu den ersten Bewohnern der Mole.

Um 8.30 Uhr liest Ursula Petersen (67) üblicherweise Zeitung. Ihr Mann hat sich zehn Minuten zuvor auf den Weg ins Büro gemacht. Für die Sommerserie unserer Zeitung unterbrechen sie den üblichen Ablauf und plaudern über ihr Leben im Wasserhaus. "Ich gucke schon öfter nach der Windrichtung", sagt Ursula Petersen. Ansonsten habe sich seit dem Umzug aus dem Adelbyer Kirchenweg nicht viel geändert. Vor dem Ortswechsel sei seine Frau skeptisch gewesen, erinnert sich ihr Mann. Aber das habe sich schnell gegeben, äußert sie.

Der selbstständige Ingenieur und die pensionierte Lehrerin überlegen eine Weile, bevor ihnen Unterschiede zum Leben an Land in den Sinn kommen. Da sei das Segelboot, seine Esmeralda, die direkt unterhalb des Balkons fest gemacht liege. Wer habe schon einen solch kurzen Weg zu seinem Hobby, kehrt der Vorsitzende des Sonwik Yachtclubs einen Vorteil heraus. Seit 1973 segelt Petersen. In diesem Jahr will das Paar während seiner Sommertour Bornholm ansteuern. Der Tour-Start ist wetterabhängig.

Das Haus ist innen völlig normal gestaltet, allerdings sind die Dämmungen dicker und in jedem Zimmer liegt Fußbodenheizung. Kalt ist es nicht. Neben modernen Einbauschränken in jedem Raum sorgen Holzböden und alte Möbel für Behaglichkeit. Kater Klaus liegt gelassen im Flur, wechselt ein wenig später auf den mit Blumen gefüllten Balkon, bevor er mit einem dezenten Satz auf dem Esstisch landet.

Das Leben im 175 Quadratmeter großen Wasserhaus findet öfter auf der Treppe statt. Das Wohnzimmer liegt im 1. Stockwerk. Einen Aufstieg höher erreichen Bewohner und Gäste die Dachterrasse. "Wir haben hier schon tolle Partys gefeiert", sagt Petersen, der auch Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft Auf der Mole ist. "Aber wir nutzen sie nicht so häufig, wie wir möchten." Es sei oft zu windig. Dennoch möchte das Paar sein Haus nicht missen: "Wir würden es wieder tun."

Etwas zu Gucken gibt es aus den vielen Fenstern immer. Bis zu 380 Boote können im Hafen Sonwik liegen. Direkt vor den Esszimmerfenstern haben Gastschiffe festgemacht. Deren Eigner erreichen ihre Schiffe nur über die Mole. "Parken können die hier natürlich nicht, aber zum Ein- und Ausladen fahren die Eigner schon mal ran und wir haben etwas Betrieb". Sonst bestimmen die Geräusche der Werft, des Wasserflugzeugs und des Winds in den Wanten der Boote den maritimen Klang.

Eine wirkliche Besonderheit fällt den Sonwikern dann doch noch ein. "Wenn Dinge ins Wasser fallen, müssen wir einen Taucher bestellen." Es sei unter den Häusern immerhin neun Meter tief, erklärt der "Molen-Präsident" , wie Petersen in Hobbykreisen genannt wird. Auch der Wasserbereich gehöre den Eigentümern, eine Besonderheit in Deutschland. Der Taucher, der sich oft zum "Bergen" bereit erklärt, hat nicht nur die Brille des Hausherrn wieder aus der Förde gefischt. Eines Tages war es ein ganzer Mastbaum, der von der Mole gerollt.

Das Ehepaar steht inzwischen auf seiner Dachterrasse und genießt mit der Kaffeetasse in der Hand den Blick über Sonwik. "Wir sind dem Wetter eben näher", sagen beide.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen