Hausboote : Wohnen auf dem Wasser

Maritime Herberge: Das fahrende Hausboot „floating 44“ ist bis Sonntag im Flensburger Hafen zu besichtigen.
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Maritime Herberge: Das fahrende Hausboot „floating 44“ ist bis Sonntag im Flensburger Hafen zu besichtigen.

In Flensburg könnten Besitzer eines fahrenden Hausbootes festmachen – doch es fehlt an den technischen Voraussetzungen.

shz.de von
08. Mai 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Das schwimmende Haus zieht die Blicke der Menschen auf sich. Die Passanten bleiben an der Schiffbrücke stehen, fragen nach, betreten neugierig die Planken des 44 Quadratmeter großen Domizils. Und lassen sich bereitwillig durch die drei Zimmer plus 25 Quadratmeter Dachterrasse führen.

Ulf Baither ist begeistert. Der Geschäftsführer einer Berliner Firma für schwimmende Häuser stellt noch bis Sonntag sein „floating 44“ am Flensburger Kai vor. Zwischen historischen Seglern und Dampfschiffen fällt das kantige Gefährt ein wenig aus dem Rahmen. Bis zum Fußboden reichen die Fenster, geben den Blick auf die stylische Inneneinrichtung frei. Das Panorama des östlichen Hafens füllt den Hintergrund der für Flensburg außergewöhnlichen Wohnwelt-Ansicht.

Extra aus Hamburg ist Hans-Peter Liebnitz mit seiner Partnerin angereist. „Wir sind gerne unterwegs“, zeigt er Interesse an der schwimmenden Behausung. Doch stumpf an einem Platz liegen will das Paar nicht. „Mit einem Hausboot nehme ich die Wohnung einfach mit.“

So einfach, wie es klingt, ist es in der Praxis nicht. Die schwimmenden Domizile können nicht einfach an persönlichen Wunschstellen vertäut werden. Für die schwimmenden Häuser brauche es die Genehmigung durch einen Flächennutzungsplan, der die Möglichkeit „Wohnen“ auf dem Wasser erlaube, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Gebe es den, sei auch ein Bebauungsplan nötig. Der „Bauherr“ müsste wie an Land das übliche politische Verfahren durchlaufen. Die Wasserfläche des Flensburger Hafens ist laut Teschendorf bisher nicht überplant.

Im Vorteil sind diejenigen, die sich für ein Haus mit einer offiziellen Zulassung als Sportboot entscheiden. Mit einem solchen Wohngefährt ist das Festmachen in jedem Sportboothafen rein rechtlich möglich. Die Entscheidung liegt nach Aussage Teschendorfs beim jeweiligen Hafenbetreiber. Bestimmend sind die Ausrichtung des Hafens (Dauer- oder Gastlieger) und seine technischen Gegebenheiten: Gibt es Liegeplätze passender Größe, besteht ein Stromanschluss, ist eine Entsorgungsanlage für Schmutzwasser und Fäkalien installiert?

Lässt ein Hafenbetreiber einen Dauerlieger mit Hausboot zu, muss sich der Wasserbewohner bei der Stadt melden und wird unter der Adresse des Hafens als Einwohner registriert.

Vereinzelte Dauerlieger gibt es immer mal wieder, wie Hafenkapitän Frank Petry sagt. Er steht allem Maritimen offen gegenüber, hat zum Thema Hausboot aber keine Meinung. Dauerlieger mit richtigem Boot sind auch Hans Jaich, Geschäftsführer von Im Jaich an der Hafenspitze, nicht ganz fremd. Ein Hausboot habe in seinem Gastseglerhafen aber bisher nicht gelegen. Grundsätzlich ist er für das Thema offen, doch zwischen den 168 Liegeplätzen wäre für 44 schwimmende Quadratmeter nicht wirklich Platz. Es fehlte auch die fest installierte Abwasseranlage. Wegen der präsenten Lage an der Hafenspitze würde Jaich vor einer Entscheidung freiwillig ein Stimmungsbild bei der Stadtverwaltung einholen.

Das an der Schiffbrücke liegende Haus ist ein nach Kategorie C zertifiziertes Sportboot, das für 200  000 Euro samt Besteck in der Küchenschublade zu haben ist. Es darf an der Küste und auf Flüssen mit den passenden Lizenzen gefahren werden. Hans-Peter Liebnitz könnte sofort ablegen. Der Hamburger hat den Sportbootführerschein.

www.floatinghouse.de

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