Wohn-Projekt kommt kaum voran

PC-Kenntnisse im Tausch    gegen Wäsche waschen: Alexander Maul hilft Christina Muck beim Arbeiten an ihrem Laptop.
PC-Kenntnisse im Tausch gegen Wäsche waschen: Alexander Maul hilft Christina Muck beim Arbeiten an ihrem Laptop.

Wohnlotsen und Stadt wollen Sonnabend mehr Ältere in WGs mit Studenten vermitteln

shz.de von
07. November 2013, 00:31 Uhr

Berührungsängste hat Christina Muck nicht. Und auch keine Scheu vor dem Ungewohnten. So kommt es, dass die 63-Jährige seit rund drei Wochen mit dem 38 Jahre jüngeren Lehramts-Studenten Alexander Maul in einer Wohngemeinschaft (WG) im Kiefernweg zusammenlebt. Das klingt ungewöhnlich, funktioniert jedoch hervorragend: „Ich mache für Alexander die Wäsche und koche für ihn mit, dafür hilft er mir bei Fragen am Computer.“ Oder beim Beseitigen von Sturmschäden, wie in der vergangenen Woche.

Darüber freut sich auch Manfred Braun, Schriftführer des gemeinnützigen Wohnlotsen-Vereins. Denn der Verein hat den Kontakt zwischen Muck und Maul vermittelt. „Seit Start dieses Projektes im August 2012 haben wir fünf dieser Partnerschaften zwischen Studenten und Senioren unter dem Motto ,Wohnen für Hilfe – Hand gegen Koje‘ arrangiert.“ Wirklich stolz auf diese Zahl sind Braun und seine Vereinskollegen aber nicht. „Die Nachfrage seitens der Studenten ist deutlich größer als das Angebot.“ Soll heißen: 25 Studenten, die gern eine WG mit einer älteren Person gründen würden, stehen aktuell nur fünf Senioren gegenüber. „Viele Ältere haben Hemmungen und Vorurteile“, erklärt Braun.

Genau diese wollen die Wohnlotsen und die Stadt Flensburg bei der 2. Wohnbörse am Sonnabend, 9. November, abbauen. Dabei will der Verein seine Arbeit vorstellen und das Interesse für Wohnprojekte bei den Besuchern wecken. Denn anders als in anderen deutschen Studentenstädten sei diese Art der WG hier noch relativ unbekannt. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sind solche Wohnprojekte eine gute Gelegenheit für Ältere, um länger in der eigenen Wohnung bleiben zu können“, betont Wolfgang Börstinghaus von der Stadtverwaltung. Dieses Anliegen ist der Stadt und dem Wohnlotsen-Verein wichtig. Deshalb haben sie sich für die Organisation der Wohnbörse Unterstützung bei Camilla Grätsch von der Planungsgruppe Plewa geholt.

Und nicht nur bei ihr: Auch Christina Muck und Alexander Maul kommen und berichten von ihren WG-Erfahrungen – um den Senioren Berührungsängste zu nehmen.

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