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Stadtführung in Flensburg : Wo vor 500 Jahren der Henker wohnte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf den Spuren des Mittelalters – das Leben in Flensburg im 16. und 17. Jahrhundert / Nächste Führung am 21. September

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erstellt am 16.Sep.2017 | 07:58 Uhr

Im Jahr 1500 herrschen Umstände, die sich nur noch sehr wenige vorstellen können. Analog zu dieser Zeit läuft die gutbürgerliche Martina Maaß durch eine enge Gasse in Richtung Nordermarkt. Wie damals üblich, trägt sie einen langen Rock und ein weites Oberteil. An den Füßen Pantoffeln aus Leder. Als verheiratete Frau muss sie eine Haube tragen. Es darf kein Haar zusehen sein.

Im mittelalterlichen Flensburg befindet sich auf dem heutigen Nordermarkt ein gewöhnlicher Marktplatz, auf dem Fleischer, Bäcker und Fischer lauthals ihre Waren anpreisen. Der Hafenstadt, die gerade unter dänischer Herrschaft steht, geht es wirtschaftlich gut. Auf 6000 Einwohner kommen 200 Schiffe, damit ist Flensburg als Handelsstadt zu der Zeit wichtiger als Kopenhagen. Auch Martina Maaß und ihre Familie profitieren von der wirtschaftlichen Lage.

Die gut betuchte Ehefrau geht – wie früher üblich – nie ohne Schlüsselbund und Geldbeutel aus dem Haus. Nachdem sie in den „Schrangen“ Brot für das Abendessen gekauft hat, kreuzt sie den in den Mauern eingelassenen „Schandhaken“. Dort steht noch immer ein Gemüsedieb, der ein paar Tage zuvor zu seiner demütigenden Strafe verurteilt worden ist.

Auch die sogenannte Schandmaske ist eine beliebte Foltermethode. Mit einer schwarzen Maske aus Metall müssen die Kleinverbrecher sich dem Hohn und Spott der Bürger stellen. Noch schlimmer ergeht es dem Bäcker, wenn er zu kleine Brötchen backt. Er wird in einer „Bäckertaufe“ gefoltert, indem er, gefangen in einem Käfig, immer wieder ins Wasser getaucht wird.

Auf dem Weg nach Hause muss Martina Maaß aufpassen. An den Straßenseiten liegt Unrat und es riecht übel, sodass sie nur in der Mitte laufen kann. Ihr Stadthaus liegt hinter der Marienstraße. Während sie die steile Gasse hinauf geht, beschleicht sie jedes Mal ein mulmiges Gefühl, denn sie passiert das Haus des Henkers. Da bekommt sie besonders Angst, wenn sie Schreie aus dem Mauern hört.

Martina Maaß, die eigentlich Stadtführerin in der Flensburger Innenstadt ist, entführt ihre Gäste in eine andere Zeit.

Während der Stadtführung „Die Spuren des Mittelalters“erklärt sie den Teilnehmern das Leben in Flensburg im 16. und 17. Jahrhundert. Die Tour beginnt am Nordermarkt, führt in die Marienstraße und von dort aus zum Hafen.

Die gebürtige Westfälin erzählt zu verschiedenen Gebäuden interessante Geschichten. Auch erklärt sie einige Redewendungen, die aus dem Mittelalter stammen wie „Das Schlitzohr“. Bei einigen Erzählungen sind sogar Ur-Flensburger überrascht. „Wir fanden die Tour unheimlich interessant“, lobt das Ehepaar Lensch aus Sörup. „ Man bekommt neue Eindrücke und versteht die Zusammenhänge zwischen Straßennamen und ihrer Geschichte.“

Zum ersten Mal hat Martina Maaß eine solche Führung gemacht. Als frühere Museumspädagogin im Schloss Glücksburg hatte sie schon vor Schulklasse und Gruppen gesprochen, trotzdem sagt sie: „Ich war schon ein bisschen nervös. Aber hat ja alles gut geklappt zum Glück.“

Die nächste Führung dieser Art findet am 21. September um 11.30 Uhr statt. Treffpunkt für die anderthalbstündige Tour ist auf dem Nordermarkt. Die Kosten belaufen sich auf 7 Euro pro Person.

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