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Bürgerärger in Flensburg : Wo Parkplatzmangel teuer wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Friedrichstal oder Heinrich-Schuldt-Straße: Die meisten Anwohner stellen hier ihre Autos falsch ab

shz.de von
erstellt am 02.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Der Gast ist auch reingefallen: Mit zwei Rädern steht der Youngtimer auf dem Gehweg, mit den anderen beiden auf der Straße Friedrichstal am Ostseebad. So wie die Fahrzeuge der Nachbarn. Aber das ist falsch. Anwohnerin Ida Christensen weiß das jetzt auch. Die Erkenntnis hat sie 40 Euro gekostet. Die Studentin hat kürzlich zwei Knöllchen fürs Falschparken an zwei aufeinander folgenden Tagen bekommen – ohne Hinweis auf das erstmalige Vergehen.

Auf dem Beweisfoto habe sie bemerkt, dass ihre Nachbarn ebenfalls mit der Hälfte des Wagens auf dem Gehweg parkten. Doch die seien unbehelligt davon gekommen, erfragte Christensen nebenan und wundert sich. Die Studentin wohnt seit beinahe zweieinhalb Jahren im Friedrichstal in Flensburg. Dort ist die Durchfahrt lediglich Anliegern erlaubt. „Ich habe ab dem ersten Tag genau wie meine Nachbarn halb auf dem Bürgersteig geparkt.“ Doch sei sie die einzige gewesen, die jetzt gleich doppelt bestraft wurde.

„Es geht mir darum, dass ich es nicht verstehe“, sagt Christensen und meint nicht die Verkehrsregeln. Sie fühle sich hilflos. Sie habe vom Ordnungsamt erfahren, „dass es verboten ist, so zu parken wie manche meiner Nachbarn es seit über 20 Jahren tun“. Keinesfalls will sie die Nachbarn angreifen, sondern das Problem lösen. Denn: „Wenn wir jetzt alle so parken würden, wie es erlaubt ist, kommt man hier kaum noch durch, besonders Müllabfuhren und Krankenwagen hätten dann ein Problem.“

Friedrichstal ist in dieser Hinsicht in Flensburg nicht einmalig. Anwohner der Heinrich-Schuldt-Straße beispielsweise sehen sich seit Monaten ebenfalls mit Strafzetteln für verkehrswidriges Parken vor der eigenen Haustür konfrontiert. Die Situation dort ist ähnlich gelagert: Wer halbundhalb parkt, bekommt ein Knöllchen, wer gesetzeskonform sein Auto abstellt, sorgt für einen Engpass in der Straße. Eine Anfrage bei der Bußgeldstelle habe ergeben, sagen Anwohner, dass in dem Wohngebiet keinesfalls systematisch, sondern nur auf Beschwerden hin kontrolliert werde. Die Verkehrsbehörde wolle sich zudem mit der Ausweisung zusätzlicher Parkflächen beschäftigen. Eine Anwohnerin, die hier seit über 30 Jahren wohnt, ärgert sich jetzt über drei Knöllchen innerhalb von zwei Monaten. Die Straße sei eng, daher habe sie „schräg“ geparkt. Das darf man, aber nur auf einem so ausgeschilderten Abschnitt der Straße. Sie schlägt vor, dass man das Parken mit der Wagenhälfte auf dem Gehweg dort frei gibt. „Da ist Platz für einen Kinderwagen“, sagt sie.

Kathrin Ove vom Büro für Grundsatzangelegenheiten der Stadt Flensburg schickt vorweg, dass der Straßenverkehrsordnung zufolge gelte: „Man darf nie auf Gehwegen parken, es sei denn, das ist explizit ausgeschildert.“ Außerdem beziffert Ove den Abstand, der bis zum nächsten Bürgersteig bleiben müsse für den Verkehr, mit 3,05 Metern. „Es gibt durchaus Altlasten“, sagt die Sprecherin mit Blick auf vergleichsweise eng bemessene Straßen früherer Stadtplanung. Verkehrsplaner von heute hätten sich die Situation im Friedrichstal auch schon angesehen, weiß Ove, weist aber ebenso darauf hin, dass Parkplätze wegfallen könnten, wenn in Straßen wie diesen neu geplant würde.

Ida Christensen hat ihre Konsequenzen gezogen: Sie stellt ihr Auto ein paar Meter entfernt von ihrem Haus am rechten Fahrbahnrand in Fahrtrichtung ihrer Straße ab. Und beobachtet: „Ich bin die einzige, die so parkt, wie ich darf.“

 

 

 

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