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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 07:35 Uhr

Wo Kleingeld große Probleme löst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Kinderhaus: Hausaufgabenhilfe mauserte sich in 35 Jahren zu einem unverzichtbaren Familienzentrum an der Marientreppe

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2014 | 18:04 Uhr

Die Hilfe im Advent, die heute startet, ist eine reine Kinderhilfe. Der Verein Schutzengel, der Kinderschutzbund, der Kinderhospizdienst beim Katharinen-Hospiz am Park und der Bürgerfonds „Flensburg hilft“ von Diakonischem Werk, Stadt und Tageblatt haben sich zusammengetan, um die Adventshilfe erstmals ausschließlich Kindern in Notlagen in Flensburg und Umgebung zukommen zu lassen.

 

Der kleine Lasse* ist zur Geburtstagsfeier eines Schulfreundes eingeladen. Er fiebert dem großen Ereignis lange entgegen. Doch eines Tages kommt der Neunjährige traurig in den Hort des Kinderhauses und erzählt, dass er nicht zur Feier gehen kann: Seine Eltern haben kein Geld für ein Geschenk. Als die Erzieher von der Geschichte hören, zögern sie nicht lange: Sie sprechen mit Lasses Eltern – und dann bekommt die Familie das Geld für das Geschenk schnell und unbürokratisch aus der Familiendirekthilfe-Kasse.

Mit kleineren Beträgen aus dieser Kasse hilft das Kinderhaus und Familienzentrum des Deutschen Kinderschutzbundes immer dann, wenn eine der Familien, die regelmäßig ins Haus kommen, kurzfristig Hilfe braucht und schon ein wenig Geld die Situation für Kinder und Eltern erleichtert. Zum Beispiel wenn am Ende des Monats der Kühlschrank leer ist und in der Haushaltskasse kein Geld mehr für Essen da ist. Oder wenn ein Kind auf einen Schulausflug fährt und dringend Gummistiefel braucht. Die meisten Besucher im Haus an der Marientreppe leben von staatlicher Unterstützung und sind dankbar für respektvollen, einfühlsamen Umgang, der hier gepflegt wird. „Das ist der Grund, warum die Leute zu uns kommen – weil sie einen guten Draht zu uns haben und wir mit allen ein gutes Vertrauensverhältnis pflegen“, erklärt Kinderhaus-Leiterin Martina Krohn-Haut. „Menschen zu helfen hat auch immer viel mit Würde zu tun.“

Die Einrichtung gibt es bereits seit 1979 in Flensburg. Was als ehrenamtliches Engagement mit Hausaufgabenhilfe und Mittagessen für Kinder anfing, ist inzwischen zu einem Familienzentrum mit 16 hauptamtlichen Mitarbeitern und einem breiten Angebot angewachsen. Das Familienzentrum ist ein Ort der Begegnung, Betreuung und Bildung. Es gibt Elternkurse, Frühstückstreffs mit einer Hebamme, ein offenes Elterncafé und Beratung für die verschiedensten Sorgen und Probleme. „Wir sind im Stadtteil gut vernetzt und können die Familien oftmals an andere Einrichtungen weiterleiten“, sagt Krohn-Haut. „Die Schwelle ist viel niedriger, erst einmal zu uns zu kommen, denn uns kennen die Familien persönlich.“

Im Kinderhaus gibt es eine Kindertagesstätte, in der Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren in unterschiedlichen Gruppen betreut werden. Neben Hausaufgabenbetreuung, Hauswirtschaftsprojekten und Kursen zum kreativen Gestalten gibt es auch einen kostenlosen Mittagstisch. Normalerweise müssten auch diejenigen, die von staatlicher Unterstützung leben, dafür einen Eigenanteil von monatlich 21 Euro zahlen. „Aber für diejenigen, die an der Armutsgrenze leben, ist auch das oftmals zu viel. Deshalb bieten wir das Mittagessen für alle 70 Kinder kostenlos an“, sagt Krohn-Haut. Zusätzlich gibt es auch noch dreimal in der Woche ein Frühstück. Bei beiden Angeboten wird darauf geachtet, dass die Kinder gesund essen und viel frisches Obst und Gemüse bekommen. Außerdem gibt es kein Schweinefleisch, da viele der Kinder aus muslimischen Familien kommen. Monatlich entstehen durch das Essen Kosten von über 1000 Euro, die ausschließlich durch Spenden finanziert werden müssen – genauso wie auch die Familiendirekthilfe-Kasse, bei der nie abzusehen ist, wieviel Geld gebraucht wird. Denn: „In einigen Monaten passiert garnichts und dann kommen plötzlich mehrere Fälle auf einmal. Es ist immer gut, wenn etwas in der Kasse ist, damit wir unbürokratisch helfen können“, sagt Krohn-Haut. Sie ist stolz darauf, dass sie es noch nie erlebt hat, dass die Hilfe ausgenutzt worden ist. „Natürlich können wir nicht zaubern, aber die Eltern wissen, dass ihnen bei uns geholfen wird, wenn sie es dringend brauchen.“

 

*Name von der Redaktion geändert

 

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