Südfrüchte im Norden : Wo Kiwis in den Himmel wachsen

Fruchtkörbchen: 3000 Kiwis zählt Gerhard Janotts diesjähriger Ernteerfolg.
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Fruchtkörbchen: 3000 Kiwis zählt Gerhard Janotts diesjähriger Ernteerfolg.

Der Flensburger Handwerksmeister und Hobbygärtner Gerhard Janott erntet eimerweise Kiwis. Zur Bestäubung der ersten Pflanze kamen Bierbuddeln zum Einsatz.

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09. Dezember 2009, 12:34 Uhr

Flensburg | Wenn andere Gärtner oder Landwirte auf herbstlichen Frost für ihren Grünkohl hoffen, hat Gerhard Janott seine Früchte längst in Sicherheit gebracht - denn die "actinidia deliciosa" vertragen keine frostigen Temperaturen. Der Flensburger Handwerksmeister und passionierte Hobbygärtner erntet ein an der Förde eher rares Obst namens Strahlengriffel - besser bekannt als Kiwi(früchte)! Damit ist Janott derart erfolgreich, dass die Medien bereits über Schleswig-Holstein hinaus darüber berichteten.

Angefangen hat alles vor 30 Jahren, kurz nach der Schneekatastrophe. "Meine Frau hat damals die in Deutschland noch unbekannten Kiwis gekauft, das Stück für drei DM", erinnert sich Gerhard Janott. Der Geschmack gefiel, auch wenn die Säure gewöhnungsbedürftig war. Das neue Obst stachelte die Experimentierfreude des Hobbygärtners an. Auf einem Papiertaschentuch trocknete er vorsichtig die Samen der Früchte, um sie danach in einer erdgefüllten Apfelsinenkiste zum Wachsen zu bringen. Als Milben und Läuse an den grünen Keimlingen Gefallen fanden, spritzte Janott Mittelchen zum Schutz seiner Zuchthoffnungen. "Dabei ist leider fast alles verbrannt", erzählt er. Nur drei zarte Triebe überlebten. Einen davon, bereits mit zwei Meter langen Ranken, pflanzte er später an die Rückseite eines Mietshauses in der Dorotheenstraße. Nicht ahnend, was sich daraus entwickeln würde, wand er die Ranken Halt gebend um ein Fallrohr.

Fruchtende Kontaktanzeige für männliche Kiwipflanze

Die vermutlich erste Flensburger Outdoor-Kiwi gedieh, blühte auch - Früchte trug sie zunächst jedoch nicht. "Damals hatte ich ja keine Ahnung von der Kiwi-Zucht", sagt Janott rückblickend. Schließlich fand er heraus, dass er eine weibliche Pflanze hatte. Um seinen hortikulturellen Erfolg ringend, suchte er eine männliche Pflanze, schaltete dafür sogar eine Anzeige im Flensburger Tageblatt. Schließlich fand sich ein "befruchtendes" Gegenstück. "Die Bestäubung habe ich mit männlichen Blütenzweigen vorgenommen, die in Bierbuddeln in meinen Kiwi-Lianen hingen." Diesen Job übernehmen mittlerweile fleißige Hummeln.

Die erste Ernte Flensburger Provenienz erbrachte nach zehn Jahren etwa 300 Kiwis; vor wenigen Tagen haben Gerhard Janott und seine Ehefrau etwa die zehnfache Menge abgesammelt. Frostfrei werden die größeren sorgfältig in alten Eierkartons gelagert und reifen in Anwesenheit von Äpfeln, die Reifegase ausströmen. Die Kiwis werden schließlich mit Zucker, Zitronensaft und säureabsorbierender Banane zu Marmelade verarbeitet, über die sich die Kunden des TV-Betriebes freuen.

Die sommergrüne Schlingpflanze Kiwi, die vor einem Vierteljahrhundert in fruchtbarer Flensburger Erde eine neue Heimat fand, bedeckt inzwischen einen Großteil der südexponierten Hausfassade - und rankt bis aufs Dach über den vierten Stock hinaus! Einigen Mietern spendet sie im Sommer Schatten, die zudem Früchte vom Balkon aus pflücken können. Bei der Ernte kommt Janott zugute, dass er die Montage von Antennen in luftiger Höhe gewohnt ist: Mit alpiner Montur ausgestattet klettert er vom Dach in die Fassade, um seine Flensburger Kiwis einzusammeln. Der ehemals kleine, inzwischen armdicke Trieb am Boden hat das ursprünglich stützende Fallrohr längst zusammengequetscht, so dass Gerhard Janott unlängst einen Regenwasserrohr-Bypass legen musste.

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