Wo Harrislee noch Dorf ist

Auch das gibt es in Harrislee: Ein Haus mit Türmchen-besetztem Eck-Erker. Foto: oy
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Auch das gibt es in Harrislee: Ein Haus mit Türmchen-besetztem Eck-Erker. Foto: oy

Alt-Harrislee, in früheren Zeiten ein lebendiges autarkes Dorf, wurde zur Keimzelle der großen Gemeinde

shz.de von
10. September 2011, 07:00 Uhr

Harrislee | Noch ländliche Atmosphäre verströmen die liebevoll erhaltenen Reetdachkaten, die stattlichen ehemaligen Bauernhäuser, der alte Baumbestand der einstigen Höfe in Alt-Harrislee. In früheren Zeiten ein lebendiges autarkes Dorf, wurde es zur Keimzelle der großen Gemeinde. Harrislee-Dorf nennt sich heute der beschauliche Ortsteil zwischen Petersilienweg, Westerstraße und Achter de Möhl.

Ein leidenschaftlich profunder Kenner der Ortsgeschichte ist der einstige Lehrer an der Zentralschule und gebürtige Thüringer Herbert Georgi. Mit seiner Frau Elfriede (beide sind 85 Jahre alt und wunderbar aktiv) lebt er an der Berghofstraße, mitten im einstigen Dorf Harrislee im alten Lehrerwohnhaus von 1832.

Allein der Gang durch den idyllischen, Park-artigen Garten mit seiner Blumenpracht und den alten Bäumen lässt vergessen, wie nahe das moderne Harrislee ist. Das große Interesse, die Liebe zur Geschichte hat Georgi seit den Fünfziger Jahren angetrieben. Um Heimatkunde unterrichten zu können, kniete er sich in Harrislees Geschichte hinein, sammelte Material, fragte die Bauern der Umgebung, baute nach und nach das Harrisleer Archiv auf. Spannend ist der Blick auf eine alte Gefechtskarte der Schlacht bei Bau von 1848, in deren Besitz Georgi ist. Deutlich zeigt sie das kleine Dorf, die Anordung der Bauernhäuser rund um ein ehemals freies Feld, den Lehmpaltz oder "Leerpoll".

Rund um die Achtziger sei das Gelände zwischen Berghof-, Westerstraße und Im Winkel bebaut worden. Jeder Bauer habe hinter seinem Hof seine Haustoft gehabt, erzählt Georgi während des Spaziergangs. Erinnert auch an einen von der damaligen Schmiede ausgehenden Brand von 1892, dem in der Westerstraße viele Häuser zum Opfer fielen. An einem Haus liest sich just diese Jahreszahl: "Bis dahin reichte damals wohl das Feuer". Noch nach dem Krieg hat es in Harrislee-Dorf zwei Kaufleute, die Post, den Bäcker, den Schlachter und auch den Stellmacher noch gegeben.

Ein Haus mit Türmchen-besetztem Eck-Erker erinnert an diese Zeit. Heute sind neue schmucke Einfamilienhäuser hinzu gekommen. Der ansprechende Neubau der dänischen Kirche. Mit ihrem lockeren Charme der alten Zeit wurde die alte Mühle als Ole Möhl zur viel besuchten Kulturstätte, ist Heimat der meist bis auf den letzten Platz gefüllten Harrisleer Lütten Kummedie, des vielseitigen Kleinkunstprogramms des Kulturschuppens der hiesigen SPD.

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