Bilderausstellung : Wo Flensburg schön und schaurig ist

Die glanzvolle Seite:  Die Marineschule gehört zusammen mit dem Salondampfer „Alexandra“ zu den maritimen Sehenswürdigkeiten  der Fördestadt.
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Die glanzvolle Seite: Die Marineschule gehört zusammen mit dem Salondampfer „Alexandra“ zu den maritimen Sehenswürdigkeiten der Fördestadt.

Der Seniorenbeirat fordert die Flensburger auf, ihre Lieblingsplätze preiszugeben und zu fotografieren. Die Ergebnisse werden Ende des Jahres gezeigt.

shz.de von
20. Juni 2014, 07:47 Uhr

Historische Kaufmannshöfe neben geschichts- und gesichtslosen Mauern. Kopfsteingepflasterte Gassen neben heruntergekommenen Straßen. Der malerisch rauschende Lautrupsbach neben der trostlosen Fassade eines Hauses für Betreutes Wohnen. Blühende neben zubetonierten Gärten. Lieblingsplätze neben Schandflecken. Flensburg – eine Stadt voller Widersprüche.

Doch Ästhetik von Architektur, Landschaft oder urbaner Strukturen liegt immer auch im Auge des Betrachters. Während der eine sich für den morbiden Charme des Verfalls begeistern kann, liebt es der andere modern, aufgeräumt oder gar steril.

Hilfreich ist dabei stets der unbefangenen Blick von außen, wie er den Flensburgern von Stadtdenkern wie Henri Bava oder (Tatort-Kommissar) Udo Wachtveitl vermittelt wurde. Oder von Thurid Fröbe („Die Kunst der Bausünde“), die dem hiesigen Publikum über ihre Erfahrungen als Stadtdenkerin in Paderborn berichtet hatte. In einem Pilotprojekt mit Studenten wurde dort mit grüner Sprühfarbe auf besonders auffällige Bauten oder Flecken hingewiesen.

Deren Ideen hat Ekkehard Krüger, Vorsitzender des Seniorenbeirats, aufgegriffen. Hat sich auf die Suche begeben nach Plätzen, an denen die Idylle getrübt ist – beispielsweise durch Vandalismus und Verschmutzung. Hat „hygienische“ Einrichtungen entdeckt, die ihren Namen nicht verdient haben (Toiletten in der Neuen Straße, am Zob und im Bahnhof), zerstörte Buswartehäuschen oder Angsträume – also dunkle Ecken, die man tunlichst meiden sollte.

Mitglieder des Seniorenbeirats haben sich daraufhin auf Foto-Safari durch Flensburg begeben. Sie bildeten ihre Lieblingsplätze in der Stadt ab und stellten sie den „schaurigsten Orten“ gegenüber. Gegensatzpaare, die Sehgewohnheiten sprengen und gleichzeitig Fantasien hervorrufen. Da sind etwa die marode Johannismühle zu sehen, Häuserfronten am Hafermarkt oder die landschaftlichen Reize neben weniger ansprechenden Ansichten am Strand des Ostseebads.

„Der Mensch ist von Natur aus neugierig, er möchte hinter die Fassade gucken, sich animieren lassen“, sagt Krüger. Deshalb hat er nun Flensburger aller Altersgruppen aufgerufen, ihren Lieblingsplatz oder aber hässliche Flecken zu fotografieren und die Bilder an den Beirat zu senden. In einer Vorausbesichtigung am Tag des Seniorenbeirats am 29. Oktober soll dann erörtert werden, was man dazu beitragen kann, die Vorzüge und Besonderheiten der Stadt zu erhalten und die „schaurigsten Orte zu besseren Orten zu entwickeln“.

Nächste Woche bereits will Krüger die bereits entstandenen Fotos in Schulen und Jugendzentren zeigen, um möglichst viele Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Die so wachsende Sammlung soll in eine Ausstellung münden, die Ende des Jahres gezeigt wird.

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