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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 16:58 Uhr

Kanalisation : Wo es zum Himmel stinkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine geringe Fließgeschwindigkeit und ein frisch aufbereitetes Abwasserbecken bereiten Anwohnern in Harrislee und Flensburg Qualen.

Michel Cipriani hat die Nase gestrichen voll. Seit Wochen ist der Harrisleer mitsamt Familie und leidgeprüften Nachbarn einem erbärmlichen Gestank ausgesetzt, der sich rund um das Lachsbachtal ausbreitet. Betroffen ist nicht nur der Alt-Frösleer Weg, in dem er wohnt, sondern auch der Ostlandring und angrenzende Straßen.

Auf halber Strecke dazwischen liegt das Abwasserspeicherbecken am Puschenweg: Quelle des Geruchs, der offenbar so penetrant ist, dass er durch geschlossene Fenster und Türen dringt. „Es ist grauenvoll und kommt durch alle Ritzen“, sagt Cipriani entnervt. „Ich halte das nicht länger aus!“

Am Dienstag war das Maß voll. Unerträgliche Ausdünstungen ließen den 51-Jährigen morgens um fünf Uhr aus dem Schlaf schrecken – er erstattete Anzeige bei der Polizei.

Auch in Flensburg rümpft man die Nase. Rund um die Fördestraße stinkt es gewaltig – an der Swinemünder Straße, Osterallee, zwischen KBA und Kelmstraße. Jochen Schmidt, Leiter des Flensburger Klärwerks, hat kein Problem damit, die Geruchsbelästigung in diesem Bereich einzuräumen. „Das kennen wir, mehr oder minder ausgeprägt, schon seit dem Jahr 1995“, sagt er – und zwar mit Blick auf Glücksburg. Von dort nämlich fließen die unterirdischen Fäkalströme über eine Sammelstation zur Kläranlage. Man könnte sagen, mit Kriechgeschwindigkeit, weil zu wenig Wasser beigemischt ist. Schmidt: „Die Druckleitung ist für eine weit größere Wassermenge ausgelegt.“

Eine lange Leitung ist besonders in den Sommermonaten dem Geruchssinn nicht zuträglich. „Die Belastung“, so Schmidt, „ist bei Erwärmung der Rohre am schlimmsten.“ Denn je länger da Wasser ohne Sauerstoff in der Leitung steht, desto schneller beginnt es zu faulen. Sobald die Brühe mit Luft in Berührung kommt, bilden sich die gefürchteten Faulgase, also Schwefelwasserstoff – und dann hilft nur noch die Flucht.

Auch in Solitüde liegt ein Schwachpunkt im Abwassernetz. Viele kleine Stationen sind damit beschäftigt, das Wasser von den tief liegenden Häusern hoch zum Plack zu pumpen. Bisweilen eine Überforderung – mit den schon geschilderten Folgen.

Um dort gegenzusteuern, baut das Technische Betriebszentrum heute eine Versuchsanlage auf, über die eine Chemikalie zur Geruchsreduzierung eingesetzt werden soll. Auch am Twedter Plack werden Messungen durchgeführt – mit dem Ziel, einen Geruchshemmer zu dosieren. Doch Schmidt gibt sich keinen Illusionen hin. „Es ist schwer, den Geruch nachhaltig zu beseitigen.“ Er weist aber ausdrücklich darauf hin, dass das Phänomen keinesfalls erst seit dem Zeitpunkt aufgetreten sei, als die Leitungen für Regen- und Schmutzwasser voneinander getrennt wurden. Insgesamt betreut das TBZ 490 Kilometer Kanalnetz mit 45 Pumpstationen.

Die Einleitungen von Harrislee, etwa die am Schlagbaumweg, gehören dazu. Auch dort gab es olfaktorische Belastungen. Denn die Gemeinde hat dem Vernehmen nach immer noch Probleme mit der Fischfabrik, da von dort über das Kanalnetz noch immer Fette mit abtreiben sollen. Am Abwasserbecken selbst, erläuterte Gemeinde-Ingenieur Thomas Petersen, sei der Biofilter neu aufgebaut worden. „Und es dauert, bis die Bakterien wirksam werden, welche die Geruchspartikel umwandeln.“

Auch durch die zuvor erfolgte komplette Leerung und Reinigung des Speichers, begünstigt von der anhaltenden Windstille, habe sich der beklagte Mief entwickelt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. „In drei Wochen“, macht Ordnungsamtsleiterin Beeke Frenzen Mut, „wird die Anlage wieder reibungslos arbeiten. Dann dürfte sich alles wieder relativiert haben.“

 

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erstellt am 22.Aug.2013 | 00:41 Uhr

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