Serie über Flensburger Stadtteile : Wo die Stadt am schnellsten wächst

Stadtteil ohne Mittelpunkt? Tarup, hier die Straße Norderlück.
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Stadtteil ohne Mittelpunkt? Tarup, hier die Straße Norderlück.

Tarup sieht sich mit einer rasanten Wohnbauentwicklung konfrontiert und verlangt Lösungen für Nahversorgung und Verkehr

shz.de von
12. Januar 2018, 08:38 Uhr

Seit drei Jahren sind die Stadtteilforen in Flensburg politische Vertretungen der Quartiere. Grund genug für das Tageblatt, zum Jahresbeginn zu fragen, wo im Stadtteil der Schuh drückt. Heute: Das Forum Tarup.

Wie würden Sie das Besondere an Ihrem Stadtteil/Viertel beschreiben?
Aus dem einstigen Stadtteil mit nahezu dörflichem Charakter haben Politik und Verwaltung den am schnellsten wachsenden Stadtteil gemacht. Abweichend von der ursprünglichen Planung wurden mehrgeschossige Bauten errichtet, um, so die Politik, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Richtigkeit dieser Lippenbekenntnisse darf angezweifelt werden. Tarup ist in Konkurrenz zu Engelsby getreten, was die Höhe der Wohnbebauung anbelangt. Dabei ist das Ende der Bauplanungen noch lange nicht in Sicht.


Auf welchem Gebiet hat sich im Stadtteil im Jahr 2017 etwas bewegt?
Für Tarup gab es in 2017 nur Negativmeldungen. Kein Nahversorger, Enteignung eines Bürgers, massive Änderungen im B-Plan zum Nachteil der Bestandsimmobilien-Eigentümer (Schattenschlag etc.)

Was ist dagegen das größte Thema, das 2017 im Stadtteil liegengeblieben ist?
Nach wie vor fehlt ein Nahversorger. Gerade die älteren Bürger haben, bis auf den „Grünschnabel“ keine Möglichkeit, sich mit Artikeln des täglichen Bedarfs zu versorgen. Das in Bau befindliche Einkaufszentrum an der Hochfelder Landstraße ist fußläufig für Taruper kaum zu erreichen.

Wie soll es mit diesem Thema weitergehen und wie könnte es vorankommen?
Politik und Verwaltung haben sich gegen eine Standortlösung in Tarup entschieden. Der Bau des Einkaufszentrums ist angelaufen. Ältere Taruper werden abgehängt. Hier werden wir alles daran setzen, dass die Politik als Minimum den ÖPNV stärkt.


Welches weitere Thema wollen Sie 2018 anpacken?
Das Forum wird sich weiter der Belange des Stadtteils Tarup auf der einen, der Belange Hochfelds, Groß-Tarup und Sünderups auf der anderen Seite annehmen. Ziel ist es, eine Basis zur Zusammenarbeit zwischen den Quartieren zu schaffen, um dann gemeinsam in Richtung der Politik und der Verwaltung zu agieren. Wir werden uns für eine Verbesserung der Anbindung an den ÖPNV für Tarup, Hochfeld, Groß-Tarup einsetzen. Daneben steht die Verbesserung der Straßenbeleuchtung in den Nebenstraßen sowie die eindeutige Kennzeichnung der Fuß- und Radwege auf unserer Agenda.

Wir zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zwischen Forum und Rathaus?
Aus Sicht des Forums hat sich der Kontakt zum Rathaus stark verbessert. Informationen fließen früh und werden breit gestreut. Anfragen werden zügig beantwortet.

Wie beurteilen Sie das erste Amtsjahr der Oberbürgermeisterin mit Blick auf Ihren Stadtteil?
Frau Lange wohnt in Tarup und sollte die Sorgen der Taruper kennen. Bisher kann von einem Einsatz für den Stadtteil keine Rede sein. Sie hatte sich in der Vergangenheit um die Lösung des Nahversorgungsproblems bemüht. Aber nach der Wahl beugt sie sich ergeben dem Chef der Planungsabteilung. Wir Taruper wollen keine Sonderbehandlung, aber ein faire Unterstützung der Stadtverwaltung in der Lösung unserer Probleme.


Was wünscht sich Ihr Stadtteilforum von der neuen Ratsversammlung?
Politiker, die sie sich unserer Probleme annehmen und sie auch in unserem Sinne lösen. Wir wünschen uns: 1. Bürgernähe und Ehrlichkeit im Umgang mit den Bürgern. 2. Mehr Transparenz und Wahrhaftigkeit. 3. Mehr Verbindlichkeit bei den Aussagen bzgl. Vorhaben in und um Tarup und bessere Einbindung der Bürger. 4. Frühere Einbindung der Foren bei Planungsprozessen!


Welches Thema in Ihrem Stadtteil hätte mehr Aufmerksamkeit verdient?
Situation der Radfahrer und ÖPNV-Anbindung, die Straßenqualität, die Straßen-Beleuchtung, Zustand und Instandsetzung der wichtigsten Straßen. Eine allgemeine Belebung der Taruper Hauptstraße durch Einzelhandel und Gastronomie. Fazit: Es fehlt der Mittelpunkt des Stadtteiles mit zentraler Möglichkeit, fußläufig andere Taruper zu treffen. Die ältere Generation wird so zunehmend „abgehängt“. Die Stadt möchte mehr Bürgerbeteiligung. Gibt es diese Bürgerbeteiligung, und wird sie der Stadt vorgelegt, wird sie nicht beachtet. Genauso ist es mit der Arbeit, die die Foren leisten. Morgen:
Friesischer Berg /Südermarkt

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