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Europa-Universität Flensburg : Wo die Dozenten von den Studierenden lernen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Studiengang Energiemanagement feiert 25-jähriges Jubiläum mit 40 Ehemaligen aus aller Welt.

Flensburg | Großes Hallo im Flur des Erweiterungsgebäudes der Europa-Universität Flensburg: Frauen und Männern, die meisten aus Afrika, Asien und Lateinamerika, begrüßen einander herzlich. Entweder studieren sie gerade „Energy and Environmental Management for Developing Countries“ oder zählen zu den Ehemaligen, die zum einwöchigen Alumni-Workshop anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Studiengangs angereist sind.

1989 habe man noch nicht ernsthaft darüber nachgedacht, wie wichtig eine Kooperation mit Entwicklungsländern sein könnte, sagt Swetlana Krätzschmar, die gestern zum Auftakt des Jubiläumsworkshops zu Gast war. Die Ursache sieht die Stadtpräsidentin in der Arroganz der westlichen Welt. „Wachstum nur in eine Richtung bringt uns nicht weiter“, betont sie und: „Globale Verantwortung heißt regional handeln.“

Genau darum geht es im Studiengang, der anfangs Artes hieß, danach Sesam und heute mit EEM abgekürzt wird. Uni-Präsident Professor Werner Reinhart lobt den Studiengang als Modell für Internationalisierung der Europa-Universität und interkulturelles Lernen.

Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein, würdigt die Entwicklung, die der Studiengang genommen hat. Besonders sei die Vielzahl der Nationalitäten, die ihre Perspektive einbringen zur Frage des Wandels der Energiesysteme. Für gewöhnlich falle Schleswig-Holstein hinsichtlich der Internationalität der Studenten im Vergleich zu anderen Bundesländern ab – hier treffe das Gegenteil zu, stellt Losse-Müller fest. Von Dozenten höre man, dass sie selbst mehr lernen von ihren Studierenden – die allesamt schon ein Ingenieurstudium mitbringen und Berufserfahrungen – als sie selbst.

„Ich lerne noch“, antwortet Professor Bernd Möller schlagfertig. Der Leiter des EEM-Studiengangs stellt die Größe einer Stadt wie Flensburg für ein solches Unterfangen als Vorteil heraus. Man könne Dinge anders angehen, sagt er und auch, dass es auf diesem Feld ohnehin keine fertigen Lösungen aus der Schublade für Energieprobleme gibt, sondern solche, die in der Realität wurzeln. Da verlasse man sich ganz auf die Studierenden. erklärt Möller.

Einer, der sich erfolgreich um einen der 15 Studienplätze beworben hat und an diesem Freitag mit dem 300. EEM-Absolventen graduiert wird, ist Olson Abrams. Der 29-Jährige kommt aus Guyana, einem südamerikanischen Land zwischen Venezuela und Suriname. Er empfindet seine Teilnahme am EEM als „Privileg“, schwärmt für die Struktur des Studiengangs und die besondere Betonung des Zusammenarbeitens – in seinem Jahrgang mit Ingenieuren aus „elf oder zwölf Ländern“. Das ginge mitunter soweit, dass das Individuum verloren gehe, sagt er lächelnd, nicht zuletzt wegen der fünfwöchigen Feldforschung im kleinen schottischen Ort Achiltibuie. Das schweißt zusammen.

Die Mitglieder seiner Nichtregierungsorganisation seien immer wieder aufs Neue „entzückt“ von den Studenten, berichtet Nicholas Gubbins von der Community Energy Scotland. Nicht wegen der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Charaktere, sondern vor allem wegen der „Tiefgründigkeit des Wissens“, das ganz nach dem Prinzip funktioniere: „Teilen und lernen“, sagt Gubbins.

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erstellt am 22.Sep.2015 | 11:00 Uhr

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