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Harniskaispitze Flensburg : Wirtschaftshafen ein Auslaufmodell?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Workshops für Ostufer-Überplanung sehen neue Schwerpunkte für Gewerbe, Tourismus und Wohnen / Zehn-Jahres-Garantie für den Hafen

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 06:34 Uhr

Das erste Teilstück ist geschafft. Im März 2015 beauftragte die Ratsversammlung den städtischen Sanierungsträger, die Grundlagen für eine geordnete Entwicklung des Ostufers zu legen. In drei öffentlichen Veranstaltungen mit Experten, Hafennutzern, Öffentlichkeit und Politik entstanden Ideen und Leitlinien, deren Umsetzung das Bild des Hafenostufers nachhaltig verändern dürften. Zwischen Harniskaispitze und Hafenspitze soll ein überwiegend kleinteiliges maritimes Quartier für Gewerbe, Wohnen und Freizeit entstehen – im Idealfall mit einem durchgängigen Weg entlang der Hafenkante. Europawiese und Antiterror-Zaun sind Auslaufmodelle – der Wirtschaftshafen womöglich auch.

Die von externen Experten moderierten Workshops billigten Flensburgs über 800 Jahre gewachsenen maritimen Handelsplatz nur noch eine Perspektive von zehn Jahren zu. Länger läuft angesichts sinkender Umsätze – statistisch wird Flensburg wöchentlich nur noch einmal angelaufen – die Garantie für Kaikante plus notwendigen Umschlagsanlagen nicht. Danach soll neu geprüft und der Hafenumschlag gegebenenfalls auf frei werdenden Flächen im Bereich der Stadtwerke verlagert werden. Schon vorher möchten die „Workshopper“ den Sicherheitszaun umlegen, der Flanierern den Wasserweg zur Harniskaispitze verbaut. Er soll beweglich und nur im Bedarfsfall aufgestellt werden.

Im besseren Fall kann der Wirtschaftshafen bleiben, dann aber in einem Nutzungsmix in einem Mischgebiet mit strengeren Emissionsbegrenzungen. Ausgehend vom neuen Yachting Heritage Center bei der Robbe & Berking-Yachtwerft könnte touristisches Gewerbe siedeln, der Standort Industriehafen als Anlaufpunkt für auswärtige Segler und Motorbootfahrer soll aufgewertet werden – etwa durch Gastronomie oder eine Markthalle.

Damit sind die – noch völlig frei schwebenden – Gedanken schon nahe an einem besonders wichtigen planerischen Punkt: der Harniskaispitze. Die Workshop-Gruppen sprachen sich ziemlich eindeutig dafür aus, dieses besonders prominente Gelände der Öffentlichkeit zu lassen. Bebauung soll nur für einen attraktiven Anziehungspunkt erlaubt werden, allerdings liegt die Messlatte nach der grandios gescheiterten Flugboote- und der geräumten autonomen Luftschlossfabrik ziemlich hoch: Unter einem „Knaller“ läuft auf der künstlichen Halbinsel gar nichts.

Besonders interessant wird die Harniskaispitze auch unter dem Gesichtspunkt des Radverkehrs. Als wünschenswertes Planungsziel wird eine durchgängige Verbindung von der Hafen- zur Harniskaispitze angegeben – für Fußgänger und Langsamfahrer. Wer schneller vorwärts kommen will, soll auf die Fahrradautobahn einbiegen, die auf dem Gleisbett der ehemaligen Hafenbahn zu errichten ist. Wer lieber bummelt, wird mit einem Schmankerl belohnt. Harniskaispitze und Festland sollen – man wird ja noch träumen dürfen – durch eine Klappbrücke miteinander verbunden werden. In die gleiche Rubrik dürften Überlegungen anzusiedeln sein, Harniskai und Westufer durch eine regelmäßige Pendelfähre zu verbinden.

Derlei Gedankenspiele könnten plötzlich plausibel werden, denn die Besiedlung des Ostufers ist nicht nur Gewerbe und Erholung vorbehalten. Im südlichen Bereich sollen sich Wohnquartiere in „kleinkörniger Mischung“ für alle Haushaltsformen und Einkommensgruppen anschließen. Zusätzliche Attraktivität könnte durch den Umzug der deutschen und der dänischen Bücherei unter einem gemeinsamen Dach entstehen.

Noch steht nichts geschrieben – aber die Workshops lieferten eine Vielzahl von spannenden Ideen. Die nächste Stufe zündet am Mittwoch, 21. Juni, in der großen Halle der Robbe&Berking Yachtwerft. Dort informieren Oberbürgermeisterin Simone Lange und die Stadtsanierung über die Ergebnisse der Beteiligungs-Workshops. Experten werden zudem über das Thema Machbarkeitsstudie für die Nachnutzung der denkmalgeschützten Silogebäude sowie über die aktuellen Gutachten zu Schall, Staub und Geruch berichten.

Alle Dokumentationen unter www.ihrsan.de/hafen-ost.html

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