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Flensburger Tageblatt

22. November 2017 | 16:01 Uhr

Wirtschaftsförderer erfinden sich neu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Technologiezentrum bietet neue Arbeits- und Organisationslösungen für die rege Flensburger Digital- und Gründerszene

shz.de von
erstellt am 09.Mär.2017 | 23:31 Uhr

Das hat Barbara Asmussen in all den Jahren bei der Wirtschaftsförderung Wireg noch nicht erlebt. Bei einer durchschnittlichen Belegung von 96 Prozent sei das Technologiezentrum an der Lise-Meitner-Straße vier Monate lang zu 100 Prozent ausgelastet gewesen: „Das gab es seit 1987 nicht“, sagt Asmussen, die den Unternehmensservice des Technologiezentrums (TZ) verantwortet. Der Umsatz im TZ wuchs im abgelaufenen Jahr um drei auf 24 Millionen Euro, die Zahl der Beschäftigten stieg um 32 auf 236. Die acht Wirtschaftsförderer um Wireg-Chef Michael Otten sind da noch nicht mitgerechnet. Mit diesen Zahlen und Quoten sieht sich das Flensburger TZ gemeinsam mit dem Kieler Wissenschaftspark unter den 16 Technologiezentren im Lande ganz vorne. Nach 30 Jahren Technologiezentrum an der Lise-Meitner-Straße seien bereits weit mehr als 2000 Arbeitsplätze ausgegründet worden.

Auch die Zahlen der Wireg außerhalb des TZ können sich sehen lassen. Genau 99 Unternehmen hätten im vergangenen Jahr Leistungen des Wirtschaftsförderers in Anspruch genommen, berichtet Wireg-Chef Michael Otten. Darunter seien 24 Unternehmensansiedlungen in der Region. Und: „Gemeinsam mit 65 regionalen Unternehmen hat die Wireg individuelle Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von mehr als 15 Millionen Euro umgesetzt“, sagt Otten. Zu mehr als 90 Prozent kümmert sich die Wireg um Anliegen der Unternehmen aus Stadt und Kreis, darüber hinaus sprechen die Wirtschaftsförderer ansiedlungswillige Unternehmen aus Deutschland, Dänemark und dem weiteren skandinavischen Raum an.

Im Technologiezentrum selbst ist die Zahl der festen Unternehmen mit 42 weitgehend konstant – und Barbara Asmussen betont ausdrücklich, dass es zum Sommer nach Auszügen flügge gewordener Start-Ups auch wieder freie Kapazitäten gebe.

Rasant gewachsen indes ist die Zahl der Unternehmen im sogenannten „Coworking Space“ – von sieben auf 21 Unternehmen. Das sind meist Gründer vom Campus, junge Unternehmen oder auch dänische Firmen, die mit der Wireg zu festen Zeiten gewisse Raumkontingente buchen – und damit an der Lise-Meitner-Straße eine Betriebsstätte mit Adresse, Sekretariat und Service haben. „Das ist interessant für innovative Ausgründer aus den Hochschulen, weil es günstige Start-Up-Konditionen mit Pauschalen gibt“, sagt Asmussen. Außerdem würden etablierte Unternehmen im TZ Start-Ups unterstützen: „Es hat sich ein ganz neues Klima hier entwickelt.“ Sechs Unternehmen aus dem Coworking-Space seien bereits zu festen Mietern geworden.

Künftig gibt es im Technologiezentrum noch ein niedrigschwelligeres Angebot – die Coworking Factory. Dies sei vor allem als Angebot an Freiberufler und Handlungsreisende gedacht – über Internet stundenweise ohne festen Vertrag Arbeitsplätze mit W-Lan und Drucker zu mieten.

Otten berichtet, dass die Wireg das vergangene Jahr auch genutzt habe, sich selbst zu erneuern. Nach dem von der Stadt Flensburg angestoßenen Strategieprozess habe man Zielgruppen neu definiert. Ottens Team will sich auf regionale Unternehmen aus Stadt und Kreis konzentrieren (ohne den Einzelhandel), innovative Start-Ups und Gründer aus den Hochschulen sowie Firmen, die sich in der Region ansiedeln wollen. Andere Existenzgründer, die Fachkräfteentwicklung und Schülermessen will man Kammern und sonstigen Institutionen überlassen.

Nach dem Ausstieg der Nospa aus der Wireg haben Stadt und Kreis ihren Anteil erhöht. Das Interkommunale Gewerbegebiet Schuby wurde zudem mit knapp vier Prozent gleichgewichtig mit der WEG Flensburg-Handewitt in den Gesellschafterkreis aufgenommen.

Wireg-Chef Otzen und seine Wirtschaftsförderin Asmussen können größere Ansiedlungsflächen derzeit nur noch in Schuby anbieten. Deshalb plädieren sie für ein neues Gebiet im Dreieck Flensburg, Harrislee, Handewitt. Otten ist sicher: „Mit einer guten Gewerbegebietsstruktur können wir einen Gegenpol zu Hamburg bieten.“

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