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Arbeitgeber in Flensburg : Wirtschaft fürchtet die flexible Teilzeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beispiel Niro Petersen: Wie ein neues Gesetz die Liefertreue eines mittelständischen Betriebs gefährden könnte

Seit Jahresbeginn hat Birthe Reimer schon viel über das Thema Teilzeit nachgedacht. Reimer ist Geschäftsführerin von Niro Petersen, einem mittelständischen Metallbetrieb in Flensburg. 30 der 32 Beschäftigten arbeiten derzeit Vollzeit: „Stellen Sie sich folgendes Szenario vor“, sagt Reimer: „Fünf 40-Stunden-Kräfte wollen zeitgleich von April bis Juni in Teilzeit arbeiten – und im Juli wieder auf volle 40 Stunden gehen.“ Dann hätte der Traditionsbetrieb, weltweit vor allem in Seglerkreisen bekannt für seine Pünktlichkeit und Liefertreue, gar nicht mehr die volle Fertigungskapazität. Denn 29 von 32 Niro-P.-Beschäftigten arbeiten in der Produktion – dort, wo Edelstahlbeschläge vom Sportboot bis zur Megayacht und Scharniere vom Großsegler bis zur Gartenpforte hergestellt werden. Im Unterschied zum Jahresurlaub seien solche Auszeiten für den Betrieb nämlich kaum planbar, befürchtet die Geschäftsführerin des Betriebs an der Galwikbucht im Flensburger Norden.

Deshalb fürchten Unternehmer wie Birthe Reimer und Arbeitgeberverbands-Geschäftsführer Fabian Geyer die Gesetzesnovelle eines flexibilisierten Teilzeitgesetzes von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. „Das gefährdet massiv Arbeitsplätze“, glauben Reimer und Geyer. Das Geschäft von Niro Petersen ist international – sowohl, was die Kunden anbelangt als auch die Wettbewerber: „Sonst geht der Kunde nach Dänemark oder Holland.“ Auch die Kundschaft von Niro P. ordert aus aller Welt – aus Frankreich und England, der Türkei, den USA oder der Karibik.

Arbeitsrechtler Fabian Geyer hält vor allem den einseitigen Kündigungsanspruch des Arbeitnehmers für problematisch: „Eigentlich brauche ich dann keine Verträge mehr zu schließen“, sagt Geyer. So könnten Unternehmen kaum mehr eine Personalplanung betreiben. Wenn Arbeitnehmer einseitig das Recht hätten, die Vertragsbedingungen zu ändern, könne das niemals funktionieren. Wie solle sich der Betrieb auf eine solche befristete Teilkündigung einstellen, fragt er: „Wir sind hier nicht in der Mathematik. Wir sind hier in einem flexiblen System der Auftragsbearbeitung und Erfüllung.“ Und Reimers glaubt nach Gesprächen in ihrer Belegschaft: Diejenigen, die Vollzeit arbeiten, werden nicht verstehen, was hier passiert.“

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erstellt am 13.Feb.2017 | 10:26 Uhr

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