Grundschule in Flensburg : Wird Ramsharde eine Luxusschule?

Komplexe Bauweise in Süderbrarup: Trotzdem ist diese Schule erheblich billiger als die für den Flensburger Norden geplante in Ramsharde.
Komplexe Bauweise in Süderbrarup: Trotzdem ist diese Schule erheblich billiger als die für den Flensburger Norden geplante in Ramsharde.

Stadt begründet die hohen Kosten unter anderem mit Sporthalle, energetischer Bauweise, offenem Ganztag und Tiefengründung

shz.de von
10. Januar 2018, 05:55 Uhr

Auch Bürgermeister Henning Brüggemann musste im Februar 2017 heftig schlucken, als er die Baukosten von 21,3 Millionen für die neue Grundschule Ramsharde zum ersten Mal hörte. Nun ist im September 2017 in Süderbrarup eine neue Grundschule nach einjähriger Bauzeit in Betrieb gegangen. Kostenpunkt: 7,8 Millionen Euro.

In dem Flensburger Neubau sollen mit 390 mehr Kinder beschult werden als derzeit in Süderbrarup, wo rund 340 Schüler sind. Auch musste dort keine Sporthalle gebaut werden, weil eine bestehende Halle in der Nähe genutzt werden kann. Aber rechtfertigt das die Mehrkosten von 13,5 Millionen Euro?

Die Angeliter Schule, die als Ersatz für fünf kleine Dorfschulen errichtet wurde, verfügt über gut 3000 Quadratmeter Bruttogrundfläche. Der Bildungscampus, wie er offiziell heißt, ist für den offenen Ganztag eingerichtet. Das heißt, es gibt eine Mensa mit Ausgabeküche. Dieser Bereich kann auch nachmittags und abends von externen Gruppen genutzt werden. In den Kosten seien zum Teil auch neue Möbel enthalten, berichtet Normen Strauß, der im Amt Süderbrarup Planung und Bau der Schule betreut hat. Auch gehörten Smartboards und digitale schwarze Bretter sowie Beamer-Anschlüsse zur Investition. Auch neue Außenanlagen wurden finanziert. Die neue „Nordlicht-Schule“ hat Räume für eine DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) und für Inklusion.

Dem Bau war ein Architektenwettbewerb vorgeschaltet. Ein Blick auf den erfolgreichen und umgesetzten Entwurf der Hamburger Architekten zeigt, dass es sich keineswegs um einen ins Dorf gesetzten Quader, sondern um einen komplexen Baukörper handelt.

Entscheidender Unterschied der Flensburger Planung ist die schlichte Größe. „Wir planen 8500 Quadratmeter Bruttogrundfläche und orientieren uns damit an gängigen Standards“, sagt Bürgermeister Henning Brüggemann. „Wir fragen uns, wie die Süderbraruper mit so wenig auskommen.“

Offenbar kommen sie gut aus. „Wir sind sehr glücklich und zufrieden“, sagt Schulleiter Wolfgang Schäfing nach dem ersten Schulhalbjahr. Schüler, Eltern und Kollegium seien von Beginn an intensiv in die Planung einbezogen worden. „Wir konnten ganz viele Wünsche äußern“, die meisten seien befolgt worden. Fachräume gebe es in der neuen Schule zwar nicht, aber man könne die Werkräume in der benachbarten Gemeinschaftsschule nutzen.

Brüggemann erinnert an die Zweifeldsporthalle, an aufwendige Gründungsarbeiten, die man erwarte, an Entschädigung für Kleingärtner (gab es in Süderbrarup auch). Man investiere viel in energetische Standards und habe bei der Investition den gesamten Lebenszyklus im Auge. Im Bereich des Offenen Ganztags „haben wir uns gewisse Standards erlaubt“, zum Beispiel breitere Flure; auch gebe es Themen- und Kunsträume. „Bildung ist Schwerpunkt in Flensburg und gerade in diesem Stadtteil wichtig“, betont der Bürgermeister. Man plane keineswegs „goldene Wasserhähne“, sondern das, „was pädagogisch geboten ist“. Nicht zuletzt erinnerte er daran, dass bei der Planung Eltern, Schüler und Lehrer intensiv beteiligt wurden – wie in Süderbrarup auch – und dass man eine externe Beraterfirma mit im Boot hatte.

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