Kommunalwahl 2018 in Flensburg : „Wir wollen keine Umerziehung“

Ganz oben: Vom Museumsberg aus hat man einen tollen Blick auf wichtige Dinge wie Innenstadt und Hafen, sagt Kay Richert.
Ganz oben: Vom Museumsberg aus hat man einen tollen Blick auf wichtige Dinge wie Innenstadt und Hafen, sagt Kay Richert.

FDP-Fraktionschef Kay Richert steht zum Doppel aus Rat und Landtag, fordert ein Sicherheitskonzept und getrennte Radwege

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13. April 2018, 08:36 Uhr

Sechs Parteien und zwei Wählergruppen treten an, wenn am 6. Mai der Flensburger Rat neu gewählt wird. In einer Serie stellt das Tageblatt alle achtvor. Heute: die FDP.

Kay Richert will hoch hinaus. Den Lieblingstreffpunkt vor dem Sauermann-Haus auf dem Museumsberg begründet der FDP-Vorsitzende und Flensburger Landtagsabgeordnete gleich dreifach: Zum einen, weil man hier „einen super Überblick über Dinge, die für Flensburg wichtig sind“ habe, sagt er und nennt Hafen und Innenstadt als diese Dinge. Außerdem befinde man sich hier „mitten im Zentrum des Kulturlebens“. Und drittens sei der Blick toll.

Der Liberale hat aber auch einen Blick für andere Details, zum Beispiel für das Denkmal von 1921/1922, das beim Hans-Christiansen-Haus gefallener Schüler und Lehrer gedenkt. Auf dem Weg zur Rampe ins Museumscafé erinnert er sich an seine erste politische Podiumsdiskussion in der Aula mit über 200 Zuhörern – als OB-Kandidat.

Richert ist seit 15 Jahren in der FDP. Sein Antrieb, in die Politik zu gehen, sagt der Vater von drei Kindern und will nicht theatralisch klingen: „Ich möchte meinen Kindern andere Bedingungen hinterlassen.“ Ins Programm zur Kommunalwahl sind die Ergebnisse einer allgemeinen Umfrage eingeflossen, die Themen ermittelte, die die Bürger bewegt. Denn: „Wir haben nicht den Anspruch zu wissen, was gut für sie ist“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. „Wir wollen keine Gängelung und keine Umerziehung.“ Das gilt auch in der Verkehrspolitik.

Hier unterscheidet Richert zwischen „Fahrradfahrern“ und „Fahrradschnackern“, die nicht wissen, wovon sie reden, weil sie gar nicht radeln. Er selbst ist mit dem Rennrad da und würde nicht nur sinnfreie Ampelschaltungen für Radfahrer verbessern. Außerdem hält er es mit einer Kopenhagener Expertin, die die bauliche Trennung von Radwegen und Straßen als sicherste Wegegestaltung betrachtet. Wichtig ist ihm, den Menschen frei zu stellen, wie sie sich fortbewegen. Und dazu gehört, „nicht eine Verkehrsart zugunsten einer anderen zu fördern.“

Wirtschaft in der Innenstadt zu wollen und dann zentrale Parkplätze (etwa an der Schiffbrücke) zur Disposition zu stellen, findet Richert nicht nachvollziehbar. Für die Ansiedlung von Unternehmen, die gebraucht werden, sieht er Schwächen – eine der größten: die Grundsteuererhöhung, noch eine: die Bürokratie. Dabei verfüge Flensburg über enormes innovatives Potenzial mit einer der größten Startup-Szenen im Land und engagierten Wirtschaftsförderern.

Sicherheit wurde auch bei der Bürger-Umfrage genannt. Die FDP fordere seit langem ein Sicherheitskonzept, es gebe weder eines für die Innenstadt noch für den ÖPNV, den Hafen, die Strände.

Richert, der Ende April 45 wird, wurde am 7. Mai in den Landtag gewählt. Die Doppelfunktion als Fraktionsvorsitzender der Flensburger Liberalen sei „anspruchsvoll“, ergänze sich aber sehr gut. Ein Teil seiner Arbeit als MdL finde auch im Wahlkreis statt und Kiel und Flensburg seien nicht weit voneinander entfernt. Vor allem ermögliche ihm die Rückendeckung seiner Familie die Doppelrolle. Ja, bestätigt Richert, mehrere Flensburger Kollegen seien daran gescheitert und gaben ihr Mandat ab. „Das werde ich nicht tun“, verspricht der FDP-Mann zuversichtlich.


> Das Flensburger Tageblatt lädt in Kooperation mit der Stadt Flensburg die acht Spitzenkandidaten am Mittwoch, 25. April, um 18.30 Uhr zum öffentlichen Kreuzverhör in die Bürgerhalle des Rathauses.

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