zur Navigation springen

Flensburger aus 149 Ländern : „Wir Syrer wollen ein Teil der Gesellschaft sein“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Arzt Obada Albakkour erzählt von der Ankunft und der Integration jener Nationalität, die heute nach den Dänen die zweitgrößte Gruppe in Flensburg stellt

Einwohner aus insgesamt 149 Ländern der Erde machen die Hafen- und Universitätsstadt Flensburg zu einer bunten kleinen Metropole. Mit Unterstützung von Peter Rohrhuber, der den Runden Tisch für Integration im Rathaus koordiniert, stellt das Tageblatt jeden Monat einen Vertreter einer Nationalität exemplarisch im Porträt vor. Heute: Der Syrer Obada Albakkour.

 

Wie heißen Sie, wie alt sind Sie, welchem Beruf gehen Sie nach?
Mein Name ist Obada Albakkour aus Syrien, ich bin 40 Jahre alt und Facharzt für Chirurgie.
Wann und warum sind Sie nach Flensburg gekommen?
Ich kam nach Deutschland im Februar 2015 und bin direkt nach Flensburg gekommen, weil eine Freundin meiner Lehrerin in Flensburg wohnt und sie akzeptierte, dass ich bei ihr wohne. Sie ist eine gute Freundin von uns bis jetzt und für immer.

Wie leben Sie mit Ihrer Familie in Flensburg?
Wir fühlen uns so wohl hier in Flensburg. Wir haben viele Freunde und Bekannten. Meine Kinder gehen gerne in die Schule und haben viele Freunde. Sie haben schnell Deutsch gelernt, mein Sohn spielt Musik, lernt tanzen, macht Fitness, und der andere spielt Fußball. Wir sind auch zufrieden mit unseren Nachbarn.


Gibt es einen Stadtteil, in dem besonders viele Vertreter Ihrer Gruppe leben, wenn ja, wo (und warum)?
Ich kann sagen, dass sie in allen Vierteln von Flensburg leben. Es gibt viele orientalische Geschäfte in der Neustadt, aber nicht viele Syrer wohnen da! Viele wohnen in Mürwik, wo ich wohne. Es gibt fast sieben Familien in unserer Straße und neben uns auch. Morgens auf dem Weg zum Kindergarten sehe ich immer Syrer oder Araber.


Zu welchen Veranstaltungen und Festivitäten Ihrer Gruppe laden Sie Flensburger regelmäßig im Verlauf des Jahres ein?
Ich habe bemerkt, dass die Syrer viele Aktivitäten hier in Flensburg interessieren. Besonders das Hafenfest, Jahrmarkt, Weihnachtsfest oder Silvester – und viele unserer Landsleute nehmen an Sportaktivitäten teil oder machen bei Musikgruppen mit.

Welcher ist hier Ihr Lieblingsort?
In Flensburg gibt es viele Plätze zum Spazierengehen – der Hafen, Solitüde, Förde-Park... Ich gehe am liebsten zum Hafen.

Was hat Ihnen das Ankommen, das Einleben besonders erschwert, was hat es erleichtert?
Natürlich gibt es in einem neuen Leben und in einem neuen Land immer viele Schwierigkeiten. Zuerst die Sprache zu beherrschen, eine Arbeit zu finden, auch eine Wohnung zu finden. Aber mit Hilfe der Freunde und viel Unterstützung von Behörden kann man das schaffen.


Welche Traditionen aus Ihrer Heimat pflegen Sie auf welche Weise in Flensburg, was vermissen Sie besonders?
Hier leben wir zufrieden. Wir vermissen auch unsere große Familie (die Eltern, Geschwister...). Aber so ist das Leben!


Was fehlt oder funktioniert nicht, was müsste verbessert werden?
Was ich von den Behörden wünsche, ist, den Familiennachzug zu erleichtern. Besonders für die Familien, die keinen syrischen Pass zur Zeit haben. Das kostet viel Geld für das Ausstellen in Syrien, und das Regime nutzt dies als Druckmittel auf die Syrer aus. Man muss viel Geld bezahlen. Früher kostete ein Pass 100 Dollar, aber zur Zeit 800 Euro! Ich hoffe, dass die Regierung in Deutschland eine Lösung suchen wird.


Was würden Sie sich von Bürgern und Behörden künftig wünschen?
Ich möchte sagen, dass die Syrer ein Teil der deutschen Gesellschaft sein wollen, und sie arbeiten fleißig daran, dieses Ziel zu erreichen. Nicht zuletzt möchten wir sagen: „Danke Deutschland, danke Flensburg!“ Viele haben sich gut integriert und fühlen sich in Deutschland als ihre neue Heimat wohl.

In der Stadt Flensburg mit ihren rund 94000 Einwohnern leben Einwohner aus 149 Staaten der Erde. Die zehn zahlenmäßig größten Gruppen sind:

1. Dänen 2283

2. Syrer 1506

3. Rumänen 1207

4. Polen 991

5. Türken 784

6. Iraker 518

7. Afghanen 420

8. Bulgaren 325

9. Russen 263

10. Griechen 232

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen