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Flüchtlinge in Flensburg : „Wir suchen einen Paten“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Engagement für Geflüchtete: Die Aktionsgemeinschaft „Willkommen in Weiche“ braucht mehr Resonanz auf ihr Patenschaftsprogramm

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 12:23 Uhr

Neun Personen unter einem Dach. Sona und Barialay Feizy leben mit Geschwistern und Eltern in der Flüchtlingsunterkunft an der Graf-Zeppelin-Straße – als Großfamilie mit all ihren Vor- und Nachteilen. Nun hat sich auch noch Nachwuchs eingestellt.

Die Zwillinge Dunya und Anya machen das Leben auf engstem Raum unter insgesamt 150 Menschen nicht unbedingt angenehmer. „Aber wir sind zufrieden“, sagt der 23-jährige Vater in aller Bescheidenheit. „Alles harmonisch.“ Konflikte mit den Nachbarn habe es trotz der vielen verschiedenen Nationalitäten und individuellen Befindlichkeiten nie gegeben. „Es sind Freunde“, bestätigt Sona Feizy (20), die ihre Kinder vor fünf Wochen zur Welt gebracht hat.

Doppelten Grund zur Freude hat das Ehepaar aus Afghanistan, das im letzten Jahr seine Hochzeit in der Einrichtung gefeiert hat, allemal. Denn über die Aktionsgemeinschaft „Willkommen in Weiche" (Win) hat es jetzt eine Wohnung im Stadtteil gefunden, auch ihre Angehörigen wurden angemessen untergebracht. Das war auch dringend nötig. Familie Feizy ist ein Bleiberecht von zunächst drei Jahren zugestanden worden. Somit müssen sie die Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft freimachen. „Doch das ist gar nicht so leicht“, weiß Susanna Frisch, „weil es kaum Wohnungen gibt.“ Oder aber Vermieter nicht bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen. „Leider gibt es gegenüber diesen Menschen noch Ressentiments – auch unter Immobilienmaklern“, bedauert die Organisatorin des Patenschaftsprogramms von Win-Weiche. Insofern leben eine Reihe von Geflüchteten mangels Alternative in den Einrichtungen an der Graf-Zeppelin-Straße oder am Friedensweg. Dort werden über 200 Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, beherbergt.

Die meisten von ihnen haben das Ankommen in Flensburg mit Erstorientierung, Behördengängen und existenziellen Unsicherheiten hinter sich gebracht, besuchen einen Deutschkurs und sind ein wenig zur Ruhe kommen. Doch das Leben geht weiter. Auch für die junge Familie Feizy. Wie viele andere suchen sie Paten, die ihnen weiter dabei helfen, in der Stadt Fuß zu fassen. „Wir müssen lernen, in einer eigenen Wohnung zu leben“, sagt Barialay, der sich wünscht, mehr Kontakt zu Einheimischen zu finden. Er und seine Frau wollen nicht abgeschottet und für sich allein leben. Dabei geht es nicht nur darum, die Sprachkenntnisse durch tägliche Kommunikation zu vertiefen, sondern auch darum, deutsche Eigenarten kennen zu lernen, die der afghanischen Kultur fremd sind. Mülltrennung ist da nur eines von vielen Beispielen.

Die Liste ist lang. „Wir können derzeit 50 Patenschaften vergeben“, erklärt Susanna Frisch, die eng mit Inken Carstensen-Egwuom von der städtischen Anlauf- und Beratungsstelle für ehrenamtliches Engagement mit Geflüchteten kooperiert. Ebenso gut ist die Aktionsgemeinschaft vernetzt mit der Flüchtlingshilfe Flensburg, mit der sie Aktivitäten bündelt. Schwierig ist es insbesondere, Paten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu gewinnen. „Es muss passen“, so die Erfahrung von Inken Carstensen-Egwuom. Im Falle der Feizys wäre eine Familie mit etwa gleichaltrigen Kindern eine ideale Option.

Potenzielle Paten haben Angst vor Verpflichtungen oder davor, dass von ihnen fundierte Kenntnisse des Asylrechts erwartet werden. Diese Angst will Susanna Frisch ihnen nehmen. „Manchmal geht es doch nur um kleine Vermittlungstätigkeiten, Behördengänge, Freizeitaktivitäten oder eine Begleitung zum Spielplatz.“ Sie verweist auch darauf, dass es ohne Paten ungleich schwieriger sei, eine Wohnung, einen Praktikumsplatz oder eine Arbeitsstelle zu finden.

Den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Man kann sich einmalig oder langfristig einbinden, individuell oder in einer Gruppe. Und es geht um gegenseitigen Austausch. „Wir wollen doch auch was wissen von der Kultur des jeweiligen Landes“, sagt Susanna Frisch. „Wir können dabei selbst viel lernen und bekommen unheimlich viel zurück.“

 

 

>Kontakt: Susanna Frisch, Tel. 0170-8191488

 

 

> www.engagiert-in-flensburg.de

 

 

 



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