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Flüchtlingsunterkunft Flensburg : „Wir sind doch alle sozial eingestellt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umfrage: Studenten auf dem Sandberg halten den Campus ganz überwiegend für einen guten Standort für das geplante Flüchtlingsdorf.

Die Studenten auf dem Hochschulcampus stehen den Planungen für ein 600 Plätze großes Flüchtlingsdorf ganz überwiegend positiv und offen gegenüber. Das ergab eine Umfrage von Tageblatt-Mitarbeiterin Elisa Speth an den Hochschulen.

Jule Kundoch, 22, die im vierten Semester Wirtschaft, Politik und Englisch studiert, hält das Projekt, bis zum Herbst 2016 Flüchtlingsunterkünfte auf dem Campus nahe der Osttangente zu errichten und dort 600 Flüchtlinge aufzunehmen, für sehr unterstützenswert. „Es ergibt doch überhaupt keinen Sinn, sich dagegen zu wehren“, sagt sie, „Schließlich müssen die Flüchtlinge ja irgendwo hin.“ Natürlich bringe so etwas auch immer Schwierigkeiten mit sich: Menschen kämen in fremde Umgebungen, kennen die Sprache nicht und müssten womöglich vor Angriffen von außen geschützt werden. Das Problem bestehe aber eher in der mangelnden Akzeptanz der Menschen vor Ort als in den Flüchtlingen selbst, glaubt sie.

Lisa Sander, 23, ebenfalls Wipo-Studentin, unterstützt ihre Freundin in dieser Meinung: „Wir haben hier genügend Räume, um den Flüchtlingen entsprechende Angebote zu machen und dort zum Beispiel Sprachkurse anzubieten. Außerdem sind wir Studenten tendenziell offen.“ Aus ihrer Heimat Eckernförde sind ihr bereits einige Projekte bekannt, die sie auch auf dem Flensburger Campus gerne einführen würde, um die Flüchtlinge in ihrem neuen Leben hier zu unterstützen. Dort findet etwa alle vier Wochen ein Willkommenskreis mit Flüchtlingen statt, wo Probleme besprochen oder Ausflüge geplant werden können.

Auch Lasse Gutzeit, 24, Germanistik- und Sportstudent im 8.Semester, findet es schön, das Flensburg sich des Flüchtlingsthemas aktiv annimmt. Er sieht sich insbesondere als angehender Lehrer in der Verantwortung, Flüchtlingen einen positiven Eintritt hier zu ermöglichen und die Menschen für das wichtige Thema zu sensibilisieren. Es sei eine Pflicht der Gesellschaft, den Flüchtlingen die Integration so einfach wie möglich zu machen. „Gerade das Fach Sport eignet sich doch besonders gut, um die Flüchtlinge in den Alltag einzubringen. Da ist die Sprachbarriere weniger groß und die Atmosphäre allgemein lockerer“, findet er. Leider informiere die Universität aber zu wenig über bereits bestehende Projekte und über den Bau des Flüchtlingsheims, so dass frühe Kontakt mit Flüchtlingsprojekten kaum möglich seien.

„Würde mehr Werbung gemacht werden, gäbe es sicherlich auch mehr Teilnehmer“, sagt auch Georg Schmid, 29. Er hatte bisher von den Angeboten nichts mitbekommen, würde aber tendenziell gerne teilnehmen. Ansonsten stehe er dem Flüchtlingsdorf auf dem Campus mit gemischten Gefühlen gegenüber. Grundsätzlich halte er die Idee für gut, empfinde aber den Standort als nicht geeignet. „Möglicherweise könnten die Flüchtlinge neidisch werden, wenn sie so knallhart auf das Leben deutscher Studenten gestoßen werden, denen es so viel besser geht.“ In seiner Praktikumsschule in Lübeck ist er bereits mit Flüchtlingen in Kontakt gekommen, die einen sehr großen Willen gezeigt haben, an den Sportspielen und – übungen teilzunehmen. Er halte die Sprachbarriere allerdings auch für ein Problem, dem begegnet werden müsse.

Expertin dafür ist Lina Dammann, 22, die aktiv an dem Projekt „Sprache für alle“ teilnimmt, bei dem Flüchtlingen die deutsche Sprache näher gebracht werden soll. „Sie wollen doch nichts mehr, als einfach nur ein normales Leben führen“, sagt sie.

„Wäre man selbst in so einem Land geboren, dann würde man doch auch irgendwo willkommen sein wollen“, findet auch die 22-jährige Sonderpädagogikstudentin Anna Kraienhorst. Ihr mache es Angst, wie negativ die allgemeinen Reaktionen etwa in sozialen Medien wie Facebook ausfallen: „Den Kommentaren nach zu urteilen bleibt das Flüchtlingsheim wahrscheinlich nicht einmal einen Monat bestehen“, fürchtet sie. Sie hofft jedoch, dass der Standort auf dem Campus solche Reaktionen gar nicht erst aufkommen lässt. Sie ist der Meinung, dass den Flüchtlingen hier viel besser begegnet werden könne als in irgendeinem sozialen Brennpunkt. „Unter den Studenten gibt es viele, die sich beteiligen wollen. Wir haben Zeit und sind doch alle sozial eingestellt“, erklärt Romy Kabus, 21-jährige Germanistik und Englisch-Studentin. Um Problemen zu entgehen, hält sie es für wichtig, die Freizeit der Flüchtlinge aktiv mitzugestalten. „Man könnte doch zum Beispiel Stadtführungen und Rallyes veranstalten, um die Flüchtlinge mit der Stadt bekannt zu machen“, sagt Kabus. Insbesondere die Fächer Sport, Kunst und Musik böten da doch viele Möglichkeiten: „So lernen sie die Unterschiede unserer Kulturen kennen und können sich besser anpassen.“

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erstellt am 29.Apr.2015 | 11:53 Uhr

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