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Bürgerforen in Flensburg : „Wir müssen uns für Integration öffnen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Forum Mürwik setzt sich seit 1993 für die Bewohner des Viertels ein – erst für die Jugend, später für die Stadtentwicklung und nun für Asylbewerber.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 08:15 Uhr

Flensburg | In allen Stadtteilen gibt es mittlerweile Bürgerforen, die sich um die speziellen Belange und Themen des jeweilen Viertels kümmern. Sie müssen von der Stadtverwaltung bei Planungen, die den Stadtteil betreffen, einbezogen und gehört werden. Doch wer ist in den Foren aktiv? Wir stellen die elf Foren in einer Serie vor. Heute: Mürwik.

Wo kann sich unsere Jugend treffen? Diese Frage beschäftigte das Forum Mürwik 1993. „Wir hatten damals einige Probleme mit Jugendlichen bei uns am Twedter Plack“, sagt Uwe Thiemann. Da waren bereits Pädagogen aktiv geworden, die sich seit 1991 für ein besseres Jugendumfeld einsetzten. Sie gründeten 1993 das Forum, in dem aus zeitlichen Gründen nach und nach Ehrenamtler wie Christina Maria Tröber und Uwe Thiemann die Arbeit übernahmen. Sie suchten das Gespräch mit den Jugendlichen, aber auch Polizei, Kirchengemeinde und anderen Einrichtungen. Ein Ergebnis ihres gemeinsamen Wirkens: Am 11. November 1997 eröffnete das Haus der offenen Tür für die Jugend, die Pampelmuse.

Seitdem ist das Stadtteilforum, das 2013 sein 20-jähriges Bestehen feierte, für die Einwohner des größten Quartiers Flensburgs aktiv. Das Gremium sorgte 1999 für den Kauf einer mobilen Skateranlage, sichtete Pläne zur Umgestaltung des Bolzplatzes Breedlandweg und beteiligte sich an dem Prozess der Stadt hin zu einer offenen Jugendarbeit.

Im Jahr 2000 erweiterten die Mürwiker das Themen-Tableau. Der Stadtumbau West, Verkehrsentwicklung und Schulentwicklungsplan fanden ihr Interesse. 2011 dann notierte Chronistin Tröber: „16.06. Vernetzungsplanung der Flensburger Foren“. Für die Mürwiker Vertreter war es der offizielle Auftakt, den engeren Kontakt zum Rathaus zu suchen. Von 2012 bis Ende 2014 haben Stadtverwaltung und Foren verhandelt, bis der Rat am 4. Dezember 2014 die Richtlinie für die Zusammenarbeit verabschiedete. Sie trat tags drauf in Kraft. „Endlich gibt es diese Vereinbarung“, freut sich Tröber. Entwickelt wird derweil noch eine Richtlinie für die Beteiligung aller Bürger.

Gut 20 Jahre später fällt die Jugend wochentags im Stadtteil nicht ins Gewicht, sagt Sigrid Dinger und Thiemann ergänzt: „Auch unserem Forum fehlt junger Nachwuchs, etwa für die Pflege der Internetseite.“ Mit dem Abzug der Bundeswehr wäre das Engagement eingebrochen.

Frisch in den Fokus der Mürwiker ist der Zuzug von Asylbewerbern gerückt, weniger, weil der Probleme bereite, viel mehr weil die Migration allgemein Thema sei. Und auch, weil sich die Älteren im Viertel noch gut an die Flüchtlinge aus dem Osten erinnern, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem in den Baracken des Heinz-Krey-Lagers an der heutigen Fördestraße untergebracht worden waren. Es gehe nicht nur darum, dass sich die Flüchtlinge integrieren wollten. „Wir selbst müssen bereit sein, uns für die Integration anderer Menschen zu öffnen“, sagt Jürgen Berghold. Nur so sei ein Zusammenleben möglich. Was in Flensburg gute Tradition hat, wie Tröber mit Blick auf die dänische Minderheit, der sie selbst angehört, äußert.

Ein Forum kann 300 Euro im Jahr für Verwaltungsarbeit beantragen. Insgesamt stellt die Stadt 3900 Euro zur Verfügung. Vorhaben wie Veranstaltungen fördert die Stadt mit insgesamt 13  000 Euro jährlich. Über die Vergabe entscheiden Vertreter der Foren.

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