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Flensburg - Klimastadt mit schlechtem Fahrradklima : „Wir müssen in die Pedale kommen!“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

ADFC-Erhebung zum Fahrradklima: Oberbürgermeisterin Simone Lange will Radwege-Ausbau fortsetzen und von den Testsiegern lernen

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Wieder nichts! Beim Thema Radverkehr hechelt die Stadt des Klimapakts weiter mit großem Rückstand ihren guten Vorsätzen hinterher. In der bundesweiten Erhebung des ADFC „Fahrradklima 2016“ landet Flensburg in der Klasse der Städte zwischen 50  000 und 100  000 Einwohnern wieder mal bei den Verlierern. Platz 68 unter 98 Mitbewerbern – da ist noch Luft nach oben.

Über 120  000 Radfahrer bundesweit haben 2016 das Fahrradklima in 539 Städten beurteilt. Per Fragebogen haben sie bewertet, ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob beispielsweise Radwege im Winter geräumt werden und ob sie sich auf dem Fahrrad sicher fühlen. In Flensburg ist es überwiegend bei den bekannten Baustellen geblieben. Aktive, die den Stellenwert des Radfahrens in Bezug zur angebotenen Infrastruktur setzen, kommen in der guten alten Notenskala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) dem rot-tiefroten Bereich allzu oft bedenklich nahe. Der örtliche ADFC mahnt mit Blick auf die anderen: „Der Test zeigt, dass kontinuierliche Radwegeförderung honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt.“

Davon kann noch nicht die Rede sein. Weder haben Flensburgs Radler das Gefühl, dass der Radverkehr einen besonderen Stellenwert hat, noch finden sie, dass Dauerärgernisse wie auf Radwegen parkende Autos konsequent kontrolliert beziehungsweise sanktioniert werden. In diesem Punkt vergaben die meisten Teilnehmer eine glatte 6 (gemittelt Note 4,8). Die Radwege-Reinigung wird mehrheitlich als mau und mäßig (überwiegend Note 5), die Abstimmung der Ampelschaltungen mit dem Radverkehr mangelhaft bis ungenügend bewertet, und der Winterdienst kommt auch nicht besser weg. Schlechter als ausreichend auch die Punkte Sicherheit, Konfliktpotenzial (Fahrrad/Kraftfahrzeug), Eignung der Radwege für ältere Verkehrsteilnehmer, Partnerschaft mit dem Autoverkehr – in allen Punkten landet die Stadt bei einer Vier minus.

Die Umfrage zeigt aber auch ein Licht am Ende des Fahrradtunnels. Die Erreichbarkeit des Ortszentrums ist gut (Note 2,9), die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer im Gegenverkehr ebenfalls gut umgesetzt, finden die Radler, auch die gut ausgebaute Infrastruktur für Leihräder wird positiv bewertet. Trotz aller Einschränkungen, befinden sie am Ende einigermaßen versöhnlich, könne man in Flensburg seine Ziele zügig erreichen. Im Gesamtpaket reicht das aber trotzdem nur für eine Vier-Minus.

Oberbürgermeisterin Simone Lange möchte ihre Stadt aus dem Mittelmaß hinausführen. „Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein“, räumt sie ein. „Ein solches Ergebnis sagt uns, dass wir beim Ausbau unseres Radwegenetzes viel stärker in die Pedalen treten müssen.“ Lange sieht aber gerade bei den Negativbewertungen – zugeparkte Radwege, Mitnahmemöglichkeiten im ÖPNV, Baustellen – kurzfristig Verbesserungsmöglichkeiten. Insgesamt sei mehr Fahrradbewusstsein gefragt. Selbstkritisch räumt Lange ein, das Flensburg sich zu spät auf den Weg gemacht habe, sie verweist aber auch auf erste Erfolge. „Im vergangenen Jahr haben wir 600  000 Euro in 13 Maßnahmen investiert, und wir setzen auch in Zukunft die Maßnahmen kontinuierlich fort“, kündigt sie an. „Wir werden uns die besten fünf Städte der Erhebung nochmal genau ansehen. Vielleicht können wir ja dort gut laufende Maßnahmen auf uns übertragen.“

Sieger in der Flensburg-Kategorie wurde Bocholt (Gesamtnote 2,29) gefolgt von Nordhorn (2,59), Wesel (3,02); Norderstedt und Ibbenbühren.

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