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Bahnstreik in Flensburg : „Wir müssen alle leiden“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am ersten Tag des Lokführer-Streiks ist am Bahnhof wenig los. Der Notfallfahrplan funktioniert – allerdings nicht immer.

Um kurz nach elf Uhr am ersten Streiktag ist der Flensburger Bahnhof wie ausgestorben. Nur am Gleis 4 stehen sieben Fahrgäste, die den EC nach Aarhus nehmen wollen. Abfahrt soll um 11.24 Uhr sein, an der Anzeigetafel wird keine Verspätung angezeigt. Michael Knappert ist von Eckernförde mit dem Auto nach Flensburg gefahren, um diesen Zug zu erreichen. „Normalerweise steige ich immer in Schleswig ein, aber heute fährt der Zug erst ab Flensburg“, erzählt er. Er habe sich auf die Situation eingestellt und ärgere sich nicht weiter – „das bringt ja nichts, aber ich habe kein Verständnis für den Streik, weil man nicht klar sehen kann, was die wirklich wollen.“

Um 11.25 Uhr springt die Anzeigetafel plötzlich um: Der Zug fällt aus und die Fahrgäste reagieren verärgert. „Ich hatte extra dreimal die Verbindung im Internet kontrolliert, der Zug sollte fahren – und jetzt das“, schimpft Malte Pietsch. Auch Michael Knappert ändert seine gelassene Einstellung: „Was fällt denen ein, die Verbindung eine Minute nach der normalen Zeit einfach auszusetzen?“ Jetzt nähert sich der Gruppe mit schnellen Schritten ein Bahn-Mitarbeiter. Er zählt rasch durch, dann bekommt jeder einen Gutschein für ein Taxi zu einem dänischen Bahnhof. Zu einem Kommentar ist er nicht bereit.

Im Reisezentrum ist Michael Gänsicke damit beschäftigt, Reiseverbindungen für die nächsten Tage herauszusuchen und Fahrkartenpreise zu erstatten. Von dem ausgefallenen EC nach Aarhus weiß er nichts – der habe eigentlich von Anfang an nicht fahren sollen. „Jetzt ist es sehr ruhig – viel ruhiger als an normalen Tagen“, sagt er. Natürlich würden sich einige Fahrgäste über die Streiks ärgern, „aber das lassen sie nicht an uns aus.“ Immerhin würde der Notfall-Fahrplan funktionieren.

Die meisten Fahrgäste haben sich auf den Streik eingestellt. Als der Zug aus Neumünster pünktlich auf dem Gleis einfährt, steigen nur wenige Menschen aus. Jennifer Rieck ist trotz des Streiks gefahren – die Studentin pendelt regelmäßig zu ihren Vorlesungen von Neumünster nach Flensburg. Heute ist der Zug, den sie normalerweise nimmt, ausgefallen. „Deshalb musste ich einen Zug später nehmen und komme zu spät zur Vorlesung. Und auf dem Rückweg muss ich die Vorlesung eher verlassen. Aber das muss ich eben in Kauf nehmen – es geht ja heute nicht anders.“ Obwohl sie gelassen mit der Situation umgeht – den Streik kann sie trotzdem nicht nachvollziehen: „Klar, dass die ihre Ziele durchkriegen wollen – aber so müssen wir alle darunter leiden.“

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erstellt am 07.Nov.2014 | 07:00 Uhr

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