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Flüchtlingslotsen Glücksburg : „Wir können viel verändern“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flüchtlingslotsin Brigitte Suhr berichtet dem Sozialausschuss von großer Hilfsbereitschaft in Glücksburg.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 10:55 Uhr

Die Hilfsbereitschaft der Glücksburger ist groß. Mit Sachspenden, sozialen wie kulturellen Angeboten und Geldspenden tragen die Einwohner zum Wohl der geflüchteten Menschen bei. 31 sind es derzeit, die Asyl beantragt haben und in Glücksburg untergekommen sind. Allein oder zu mehreren haben sie ein Appartement oder eine Wohnung bezogen. Eingerichtet mit dem Nötigsten. Für etwas mehr Nützliches sorgen Glücksburger mit Gaben und persönlichem Einsatz.

Eine der ersten, die im Auftrag des Kreises Schleswig-Flensburg den Asylsuchenden zur Seite steht, ist Brigitte Suhr (55). Die Glücksburgerin gehört zu den ehrenamtlichen Integrationslotsen in der kleinen Fördestadt. Im vergangenen April ließ sie sich vom Kreis schulen. Seitdem heißt Suhr Menschen willkommen, die in ihrer Heimat alles stehen und liegen gelassen haben, um das eigene Leben zu retten. Einzeln oder als Familie treffen die Geflohenen an einem Donnerstag mit dem Taxi am Rathaus in Glücksburg ein. Dann ist mindestens einer der Flüchtlingslotsen zur Stelle, der die Neuankömmlinge zu ihrem Quartier begleitet.

Mit Suhr setzen sich vier weitere Flüchtlingslotsen ohne viel Aufhebens für die Asylsuchenden ein. „Wir können eine ganze Menge verändern,“ erklärte Suhr dem Sozialausschuss vor kurzem. Die Asylbewerber müssten bereits am Tag nach ihrer Ankunft zum Sozialamt nach Flensburg fahren. „Wie sollen sie das ohne jegliche Ortskenntnis und Wissen um Busverbindungen und kulturelle Gegebenheiten machen?“ Die Flüchtlingslotsen helfen dabei und lösen auch andere Probleme.

Von der halbseitigen Lähmung eines Armeniers hatte die Glücksburger Verwaltung keine Kenntnis erhalten. Der Mann musste kurzfristig anders untergebracht werden, da er auf einen Aufzug angewiesen ist. Ein Appartement im früheren Intermar half in der Not. Ein weiterer Armenier ist mehrmals in der Woche auf Dialyse angewiesen. Auch dieser Fakt ging auf dem Amtsweg verloren. Ein junger Mann war für eine Wohnung eingeteilt worden, in der zu der Zeit ein Obdachloser untergebracht war, der entgegen der Absprache mit dem Amt noch seinen Hund bei sich hatte. Da der 18-jährige Asylbewerber panische Angst vor Hunden hat, musste er kurzfristig in einer Ferienwohnung untergebracht werden.

Das Netzwerk in der Stadt hat Dank großer Hilfsbereitschaft seine ersten kräftigen Knoten, aber noch große Maschen, wie bei Suhrs Ausführungen deutlich wurde. Für vier junge Iraner sei der Internetzugang besonders wichtig, sagte Suhr. Da alle Anbieter nur per Bankeinzug abrechneten, müsste ein Konto eingerichtet werden. Die VR-Bank war bereit dazu. Diese Iraner, drei haben studiert, einer geht zur Schule, lernten sehr schnell die Sprache. Es zeigte sich, dass der inzwischen eingerichtete und ehrenamtlich gestaltete Deutschkurs zu einfach sei. Suhr: „Ich bin gerade dabei, extra Deutschunterricht zu organisieren.“ Für junge Asylsuchende sei Glücksburg nicht der richtige Ort. „Sie empfinden Glücksburg als Nachteil. Sind sie anerkannt, werden sie weggehen.“ Weil die Busfahrten ins nahe Flensburg für die Asylbewerber zu viel kosteten, nutzten sie den Bus nur, wenn sie zum Sozialamt müssten. Burkhard Repenning schlug vor, einen kleinen Fonds zu bilden, damit junge Männer und Frauen Angebote in Flensburg wahrnehmen könnten. Suhr bat, den Asylsuchenden für den Sommer kostenlos Strandausweise auszustellen. Wer helfen möchte, meldet sich im Glücksburger Rathaus, Telefon 04631-451319.

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