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Schleswig : „Wir haben unsere Munition verschossen“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Geld des Kreises reicht nur zur vorläufigen Sicherung der Waldemarsmauer mit einer Folie – nicht zur eigentlich erforderlichen Sanierung. Aus Ausgleichsgeldern wurden 1,75 Millionen Euro für Naturschutz ausgezahlt.

Die Waldemarsmauer ist ein Sanierungsfall. Die Kosten dafür muss der Kreis als Eigentümer tragen – Versuche, das kulturhistorisch bedeutende, rund 850 Jahre alte Bauwerk der dänischen Minderheit zu übereignen und so den Kreis von den Kosten freizuhalten, scheiterten. 30  000 Euro stellt der Kreis für dieses Jahr zur Verfügung, um das freigelegte Stück Mauer am Danewerk auf Schäden zu untersuchen und von Unkraut zu befreien. Ursprünglich bezifferte Fachbereichsleiter Thorsten Roos den Betrag zur Sanierung der Waldemarsmauer auf insgesamt 100  000 Euro, einschließlich der Anschaffung einer Schutzfolie für die Mauer (wir berichteten). Nun präsentierte er eine günstigere Idee – bei der die Sanierung der Mauer auf unbestimmte Zeit verschoben wird.

Anstatt in diesem Jahr, wie vorgesehen, das Unkraut zu bekämpfen und den Zustand des Bauwerkes zu analysieren, könne man den Kauf der Folie vorziehen, erläuterte Roos in der jüngsten Sitzung des Regionalentwicklungsausschusses des Kreises. Gäbe der Kreis dann für 2018 erneut 30  000 Euro für den Erhalt der Waldemarsmauer, fielen die Kosten dank der Folie in den folgenden Jahren deutlich geringer aus, so Roos’ Rechnung. „Mit 60  000 Euro haben wir ausreichend Geld für den Kauf einer Folie, die geeignet ist, witterungsbedingte Einflüsse von November bis März auszuschließen, für die Oberflächenscans und die Unkrautbekämpfung. Damit hätten wir unsere Pflicht als Eigentümer erfüllt.“ Für die Jahre ab 2019 rechnet Roos jährlich dann nur noch mit einem vierstelligen Betrag zum Erhalt der Mauer.

Als wenig aussichtsreich bewertete Roos die Möglichkeiten, an Fördergelder zum Erhalt des Denkmals zu kommen. Fördergeldgeber erwarteten immer eine Aufwertung des Objekts. Das Förderprogramm Kulturelles Erbe etwa co-finanziere nur im Rahmen einer touristischen Inwertsetzung und hierfür müsste auch der Kreis einen finanziellen Anteil leisten. „Wir können uns Größeres vorstellen“, sagte Roos – etwa um das Denkmal herum ein Gebäude zu errichten. Doch die Kosten hierfür wären ungleich viel höher als die zur reinen Sicherung der Mauer. Insgesamt seien vier Fördermöglichkeiten durchdekliniert worden. In allen Fällen seien die Kosten jals zu hoch befunden worden.

Unterstützung erhielt der Fachbereichsleiter von Ausschussmitglied Thomas Detlefsen, der feststellte: „Wir haben unsere finanzielle Munition verschossen.“ Aktionismus mache jetzt keinen Sinn. „Die Waldemarsmauer hat 800 Jahre ausgehalten, die wird auch noch zwei bis drei Jahre aushalten, bis wir eine Lösung haben“, so Detlefsen.

In seinem Bericht legte Roos Rechenschaft über die Verwendung der Ersatzgelder als Ausgleichszahlen für Eingriffe in die Natur und das Landschaftsbild ab. Demnach wurden 2016 1,75 Millionen Euro ausgezahlt, davon 46 Prozent für Flächenkauf, 32 Prozent für Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Flächen und zwölf Prozent für Anpachtungen. Der Rest floss in Honorare, Regiosaaten und weitere Maßnahmen zum Artenschutz. Empfänger waren zu 45 Prozent die Gemeinden, 13 Prozent gingen an Privatpersonen, 16 Prozent die Stiftung Naturschutz, 13 Prozent an den Kreis und zwölf Prozent an den Verein Bunde Wischen, der unter anderem zahlreiche Flächen mit Robustrindern beweidet.

58 Prozent der Gelder flossen auf die Geest. Roos wies darauf hin, dass dies ausdrücklich gewollt sei, da ein Großteil der Mittel aus Ausgleichsmaßnahmen für Windkraftanlagen auf der Geest stammten. Allein die Gemeinde Osterby erhielt demnach 460  000 Euro für die Anlage von Biotopen, Kicks und Gewässern auf landwirtschaftlichen Flächen. 30 Prozent der Ersatzgelder ging ins östliche Hügelland, neun Prozent ins Amt Kropp-Stapelholm. Es sei kein Cent nach Kiel abgeflossen, da die Fristen eingehalten werden konnten, stellte Roos zufrieden fest.

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erstellt am 21.Feb.2017 | 18:41 Uhr

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