zur Navigation springen

Neue Serie: Buntes Flensburg : „Wir feiern hier wie in der Türkei“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Serie: Menschen aus 149 Nationen leben in Flensburg – die neue Reihe stellt zum Auftakt Sibel Garipkus vor.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 10:33 Uhr

Einwohner aus insgesamt 149 Ländern der Erde machen die Hafen- und Universitätsstadt Flensburg zu einer bunten kleinen Metropole. Mit Unterstützung von Peter Rohrhuber, der den Runden Tisch für Integration im Rathaus koordiniert, startet das Tageblatt heute eine kleine Porträt-Reihe, die immer einen Einwohner einer Nationalität exemplarisch vorstellt. Zum Auftakt: Sibel Garipkus (39) kommt aus der Türkei und arbeitet bei der Dänischen Zentral-Bibliothek.

Wie viele Menschen Ihrer Nationalität leben aktuell in Flensburg?
Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke um die 800.

Gibt es einen Stadtteil, in dem besonders viele Vertreter Ihrer Gruppe leben?
Sehr viele von ihnen leben in der Nordstadt.

Zu welchen Veranstaltungen und Festivitäten Ihrer Gruppe laden Sie Flensburger regelmäßig im Verlauf des Jahres ein?
Zu den Tagen der Begegnung in der Fatih-Moschee.


Wann und warum sind Sie nach Flensburg gekommen?
Ich bin Ende des Jahres 2000 aus Izmir nach Flensburg gekommen, weil ich meinen Mann geheiratet habe, der zu dieser Zeit auch schon in Flensburg lebte.

Wie leben Sie mit Ihrer Familie in Flensburg?
Wie jeder andere Flensburger Mitbürger.

Welcher ist hier Ihr Lieblingsort?
Der Strand Wassersleben ist mein Lieblingsort.
Was hat Ihnen das Ankommen, das Einleben besonders erschwert, was hat es erleichtert?
Für mich war das Schwerste die deutsche Sprache. Es war sehr nervig und schwer, auf jemanden anderen angewiesen zu sein, weil man die Sprache selbst nicht beherrscht hat und aufgrund dessen seine Sorgen nicht selbst mitteilen konnte. Der Vorteil, der es mir hier ein wenig erleichtert hat, war, dass es eine kleine Stadt ist und hier viele Türken leben.


Welche Traditionen aus Ihrer Heimat pflegen Sie auf welche Weise in Flensburg?
Unsere Hochzeiten und Hennaabende feiern wir hier zum Beispiel genau so wie in der Türkei. Wir feiern auch unsere Feste hier wie in der Türkei, nur dass es hier für die Kinder kein schulfrei gibt und für die Erwachsenen keinen freien Arbeitstag.

Was vermissen Sie besonders aus Ihrer Heimat?
ALLES. Wenn ich dort bin, zieh ich meine Sportschuhe an und will am liebsten jede einzelne Straße und Gasse durchlaufen.


Welche Feste, Aktionen, Institutionen gefallen Ihnen in Flensburg und
besuchen/nutzen Sie regelmäßig?
Das Fest der Kulturen, das Solitüde-Fest, das interkulturelle Frauenfest, Schlachthof-Fest zu Pfingsten, das Straßenfest in der Neustadt. Da ich selbst im Vorstand der Fatih-Moschee bin und zwei türkische Volkstanzgruppen habe, nehmen wir an diesen Festen als Gemeinde sowie auch persönlich jedes Jahr teil. Außerdem findet seit dem Jahr 2009 zwischen der Fatih-Moschee, der jüdischen Gemeinde, der Petri-Kirche, der Ansgar-Kirche und der griechischen Gemeinde alle drei Monate ein Frauenfrühstück statt.


Was fehlt oder funktioniert nicht, was müsste verbessert werden?
Flensburg hat einen wunderschönen Hafen, aber er wird nicht richtig genutzt. Es ist sehr schade, dass der Platz dort als Parkplatz genutzt wird.

Was würden Sie sich von Bürgern und Behörden künftig wünschen?
Flensburg ist wirklich eine bunte Stadt, und ich möchte, dass es so bleibt. Ich mag es auch hier zu leben, aber manchmal sehe ich in den sozialen Medien wie Facebook rassistische Diskussionen. Mir ist es egal, welche Religion, Hautfarbe oder Nationalität ein Mensch hat. Für mich ist wichtig, ob der Mensch vor mir ein guter Mensch ist, ob er seinem Umfeld und Mitmenschen Schaden zufügt oder nicht. Ich würde mir wünschen, dass alle einen Menschen wertschätzen, weil er ein Mensch ist.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen