Katharinen-Hospiz am Park Flensburg : „Wir bauen um die Bäume herum“

Das Areal ist bereits abgesteckt: Das Kastharinen-Hospiz möchte seine Kapazität von sechs auf zwölf Betten erweitern.
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Das Areal ist bereits abgesteckt: Das Kastharinen-Hospiz möchte seine Kapazität von sechs auf zwölf Betten erweitern.

Neubaupläne im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung beim Katharinen-Hospiz – Vorstand einstimmig entlastet

shz.de von
26. März 2018, 07:07 Uhr

„Sterbende brauchen zum Sterben einen sicheren Ort – dieses Gefühl der Geborgenheit kann man nicht einfach auf einen andren Ort übertragen.“ Dr. Hermann Ewald, ärztlicher Leiter des Katharinen-Hospiz am Park, unterstreicht während der Mitgliederversammlung des Hospiz-Fördervereins, für wie bedrohlich er die Diskussion um einen anderen Standort für das neue Bettenhaus des Katharinen-Hospiz am Park hält.

Die derzeitige stationäre Palliativstation an der Mühlenstraße soll von sechs auf zwölf Betten erweitert werden, die auch im Krankenhausbettenplan des Landes genehmigt sind und gefördert werden. Die Pläne, das Kutscherhaus abzureißen und dort ein neues Bettenhaus in enger Anbindung an das bestehende Hospiz zu errichten, sind in jüngster Zeit – wie berichtet – durch Bedenken von Vertretern des Naturschutzes ins Wanken geraten. Eine Tatsache, die den Erweiterungsbau, der ein Stück über das Hospizgrundstück hinaus in den Park reichen soll, kurzfristig zum bestimmenden Thema der Mitgliederversammlung macht.

Die Kritik, für den Neubau müssten 20 Bäume gefällt werden, weist Hermann Ewald zurück. „Gerade wir leben mit und von dem Park“. Daher habe der aktuelle Plan des Kappelner Architekturbüros Sunder-Plassmannn eine Rundung nach innen, zwei Patientenzimmer wurden dafür verlegt. „Wir bauen praktisch um die Bäume herum“, betont Hermann Ewald. Tatsächlich gefällt werden müssten nur eine Lerche, zwei kranke Kastanien und ein weiterer Baum. Die Differenz zu den genannten 20 Bäumen ergebe sich durch die ursprüngliche Planung, neben dem derzeitigen Parkplatz weitere Stellplätze zu errichten. „Doch auf die können wir gerne verzichten“, sagt der ärztliche Leiter, der die Notwendigkeit eines zeitgemäßen Bettenhauses betont. Jedes der zwölf Zimmer wird einen eigenen Sanitärbereich und eine Terrasse zum Park erhalten. Neben Funktionsräumen für Personal und Therapieangebote soll der eingeschossige Neubau auch zwei Zimmer für Angehörige bekommen. Das Gefälle soll durch Stelzen ausgeglichen werden, auf denen das Bettenhaus, das vom Vorstand des Förderkreis Christiansenpark ausdrücklich begrüßt wird, in den Park schweben soll.

So unverzichtbar wie ein Neubau sei laut Ewald die Nähe zum bestehenden Hospiz, in dem Arbeitsplätze für den in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Personalbedarf, vor allem für die ambulanten Dienste, entstehen sollen. Dafür mussten in den vergangenen Jahren schon Räume in der Wrangelstraße angemietet werden. Die Nähe zu den Trägern, also zum geplanten Neubau der beiden Krankenhäuser, sei Ewald zufolge dagegen nicht mehr notwendig. Früher leisteten Ärzte der Krankenhäuser auch Dienste im Hospiz. „Heute sind wir formal ein eigenes Krankenhaus mit fünf eigenen Ärzten, auf die sich die Dienste aufteilen“, erläutert Hermann Ewald.

„Das Katharinen-Hospiz am Park gehört in den Park, in die Mitte der Gesellschaft und des bürgerschaftlichen Engagements, das dieses Haus trägt“, betont auch Hans Dethleffsen, Vorsitzender des Fördervereins. Dieser – das zeigt die von Horst Bendixen vorgestellte Bilanz – hat sich für die finanzielle Unterstützung des Neubauprojektes einiges vorgenommen. Auf 352 823 Euro beläuft sich derzeit die zweckgebundene Rücklage, mit der ein „sichtbarer Beitrag für die Gestaltung des neuen Bettenhauses“ geleistet werden soll.

Die Einnahmen des Fördervereins, die sich aus Beiträgen, Spenden, dem Second-Hand-Laden Bella Secunda und eigenen Aktionen zusammen setzen, belaufen sich im Jahr 2017 auf 231 990 Euro, die Kosten auf 58 155 Euro. Nach Zustimmung der Mitglieder wird der Förderverein dem Katharinen-Hospiz in diesem Jahr und auch 2019 einen Betrag von jeweils mindestens 150 000 Euro für Musik- und Kunsttherapie, die Trauerbegleitung an andere Angebote zur Verfügung stellen.

Hans Dethleffsen hofft, „dass das sensible Thema Neubau aus dem Kommunalwahlkampf herausgehalten werden kann“. Dies war zu Beginn der Planung gar kein Thema. „An sich wollten wir schon am Bauen sein“, sagt Hermann Ewald. Verschiedene Beteiligungsverfahren und Gutachten hätten die Planung in eine Länge gezogen, „von der wir befürchten, dass sie zu einer deutlichen Verteuerung führen wird“. Nach unter anderem einem Biotop-Plan und einem Baumkataster wird nun bis August ein Umweltgutachten erstellt, durch das unter anderem ermittelt werden soll, ob es auf dem Stück Park, in das die äußere Spitze des Neubaus hinein reichen soll, Sommerlager für Fledermäuse, seltene Pflanzen oder Wanderwege für Lurche gibt.

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