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Eckener-Schule : Wipo-Unterricht mitten aus der Eurozone

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jörg Asmussen, Staatssekretär im Berliner Arbeitsministerium, spricht mit Schülern über die Zukunft Europas

Es ging um Weltwirtschaft, Währungspolitik und Europa: „Die Krise ist noch nicht vorbei. Die unverändert hohe öffentliche und private Verschuldung schränkt Handlungsspielraum auf Jahre ein“, sagt Jörg Asmussen, Staatssekretär im Berliner Arbeitsministerium und früheres Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Eckener-Schule. Das wohl größte Problem Europas sei die Arbeitslosigkeit – 24,5 Millionen Menschen seien in der Eurozone ohne Arbeit – fast jeder Vierte unter 25 Jahren sei arbeitslos. Während es in Deutschland sieben Prozent seien, hätten vor allem Griechen, Spanier, Italiener, Franzosen und Kroaten bedenklich hohe Quoten.

Der 13. Jahrgang der Eckener-Schule hat eigens den Sportunterricht verlegt, um am letzten Schultag eine besondere Doppelstunde Wipo-Unterricht zu erleben. Und der Mann, der 1986 an der Goethe-Schule Abi gemacht hat, berichtet ganz offen in der Aula der Schule: Seine Kinder seien noch relativ klein, deshalb sei die Pendelei zwischen Frankfurt und Berlin auf die Dauer kein Erfolgsmodell gewesen.

Ganz zentral sei die politische Frage: „Wir haben in Europa nur eine Zukunft, wenn wir uns zusammentun“, glaubt Asmussen. Doch die Flüchtlingskrise verstärke Europas politische Krise: „25 Jahre nach dem Mauerfall sind Grenzzäune absurd“, sagt der Staatssekretär. Die bestinformierte Flüchtlingsgeneration aller Zeiten suche sich mit Google Maps eben andere Wege. In der Frage der politischen Integration Europas müsse der zentrale Konstruktionsfehler der Währungsunion überwunden werden. Europa braucht eine parlamentarische Kontrolle durch das Parlament in Straßburg.

Rasmus aus dem 13. Jahrgang fragte: „Wie wollen wir es schaffen, die Schulden in den Griff zu kriegen?“ Und Schulleiter Sven Mohr fragte sich am Beispiel Flensburgs, wie eine Stadt mit 100 Millionen Schulden drei neue Grundschulen bauen könne. Hohe Verschuldung schränke natürlich den Spielraum ein, sagt der Wirtschaftspolitiker – wobei die Schulden niedriger als in den USA und Japan seien. Ein Rezept könne solide Finanzpolitik plus Wachstum sein: „Man kann auch aus den Schulden herauswachsen.“

Ein wirtschaftspolitisches Bonmot von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gibt Asmussen den Schülern auch noch mit auf den Weg: „Ich weiß, was ich tun muss. Ich weiß nur nicht, wie ich dann wiedergewählt werde.“

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erstellt am 18.Dez.2015 | 18:46 Uhr

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