TBZ : Winterdienst: Weiter wie bisher

Diskussion im TBZ über neue Wege versandet / Ratsvertreter rügen: Mangelhafte Erledigung eine politischen Beschlusses

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19. September 2011, 11:17 Uhr

Flensburg | Eines ist sicher. Der nächste Winter kommt bestimmt. Angesichts dieser Gewissheit ließ es sich im Fachausschuss für das Technische Betriebszentrum prächtig schwadronieren. Das TBZ hatten den Auftrag der Politik abgearbeitet, per Vergleich mit anderen Städten eine Diskussionsgrundlage zu liefern. Der Blick über den Tellerrand sollte Möglichkeiten aufzeichnen, den Flensburger Winterdienst zu verbessern.
Aufgabe verfehlt. Das jedenfalls war das Urteil des grünen bürgerlichen Mitglieds Jürgen Wehner. "Dieses Papier ist vollkommen bedeutungslos", rügte der. Wehner hatte eine Diskussionsgrundlage erwartet, aus der sich für die Politik eine Beschlussgrundlage ableiten ließ. Das aber hatte das TBZ seiner Ansicht nicht geliefert. Mit dieser Unzufriedenheit stand er nicht allein da. Auch CDU-Ratherr Arne Rüstemeier fand wenig Substanz zum Anpacken. "Das ist keine Grundlage, um einen sinnvollen Antrag zu stellen. Ich hatte eine empirische Basis für eine grundsätzliche Entscheidung erwartet. Ändern wir grundsätzlich etwas oder machen wir weiter so?"
Hauptkritikpunkt war die Unvergleichbarkeit der Referenzstädte. Die Mannschaft um Dietmar Drews, Leiter der Technischen Betriebssteuerung, hatte nach Ansicht der Aussschussmitglieder die falschen Vergleichsstädte ausgesucht. Flensburgs spezielle Topografie an Städten wie Kiel, Wismar, Neumünster oder Lübeck zu messen sei zwar nahe liegend, aber doch nicht zielführend, rügte Wehner. Er hatte auf Erkenntnisse von Städten gesetzt, in denen verlässlich viel Schnee fällt und in denen es für den Verkehr ebenfalls steil bergan geht. Zudem habe es das TBZ versäumt, die jeweiligen Kosten der Winterdienste auf den Kilometer herunter zu rechnen. Dass die Millionen-Metropole Berlin mehr fürs Schneeräumen und Salzstreuen ausgibt als Flensburg, war für ihn keine neue Erkenntnis. Insgesamt hatten die Ratsvertreter Lösungen anderer Winterstädte - etwa bei nicht geräumten Bushaltestellen, tückischen Fahrrinnen, extrem glatten Eisplatten, faulen Hauseigentümern etc. - erwartet.

Vielleicht etwas zu viel der Schelte. Denn das TBZ hatte den Ratsvertretern durchaus eine Diskussionsgrundlage geliefert. Nämlich eine Kostenanalyse für zwei abgespeckte Winterdienst-Szenarien. Das erste beschreibt eine Reduzierung des Streudienstes auf die Straßen, bei denen Streupflicht besteht - entsprechend einer Verringerung von aktuell 145 auf nur noch 68 Kilometer. Das zweite eine Erweiterung um die Straßen, die von Buslinien genutzt werden. Das wäre dann eine Verringerung um nur noch 20 Kilometer. Die Sparpotenziale sind aber denkbar gering. Szenario 1 führt zu einer Gesamtersparnis von 98 623 Euro, das zweite bringt nur noch rund 34 000 Euro.

Harro Strauchmann (Die Linke) konnte sich noch höhere Einsparungen vorstellen, nämlich, indem ganz und gar auf den Einsatz von Salz verzichtet wird. Dies, antwortete Dietmar Drews, sei schlechterdings unmöglich. Weil die Stadt dann für Unfälle auf den eigentlich streupflichtigen Straßen haftbar gemacht werden könne, würde sie etwa beim Einsatz von Sand und Split einen immensen Kontrollaufwand betreiben müssen. Ohnedies ist der finanzielle Spielraum des TBZ außerordentlich gering. "Aufgrund der zwei vorangegangenen Extremwinter", warnte TBZ-Chefin Maren Reimann, "bekommen wir schon Probleme, wenn dies ein ganz normaler Winter wird". Immerhin: Schlimmer wird es nicht. "Wir konnten uns nicht verstärken, aber wir sind aufgestellt wie im vergangenen Jahr", meinte Reimann. Eine klare Bestätigung der von Rüstemeier entworfenen Alternative zwei. Und die hieß "Weiter so".

Weil die Zeit knapp wird, ist das Thema zwangsläufig erst einmal wieder vom Tisch. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen während der kommenden kalten Monate sollen in die nächste Bewertung früh im nächsten Jahr mit einfließen. Nach dem Austausch ganz individueller Befindlichkeiten blieb Diemar Drews nur die Flucht auf die Allgemeinplätze. "Wenn wir wüssten, wie der nächste Winter wird, wären wir ein ganzes Stück weiter." Wer wollte ihm da widersprechen?

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