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Flensburger Tageblatt

23. November 2017 | 01:11 Uhr

Steinbergkirche : Windmühlen statt Wald?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Streit ums „Preesterholt“ in Gintoft glaubt die Bürgerinitiative, Beweise für illegale Rodungspläne zu haben. Das Umweltministerium überprüft nun die Vorwürfe.

von
erstellt am 13.Sep.2017 | 13:00 Uhr

Manfred Lurz ist sich jetzt ganz sicher. „Die Verträge beweisen, dass in Gintoft keine zusätzliche Ackerfläche entstehen soll, sondern dass der Eigentümer hier Windräder aufstellen will. Das ist aber verboten“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative „Schönes Angeln“.

Die Bürgerinitiative (BI) hat dem Kieler Umweltministerium jetzt Verträge zwischen Landeigentümer Peter von Spreckelsen und einem Betreiber von Windkraftanlagen übermittelt, wonach auf der Fläche rund um das Wäldchen „Preesterholt“ drei Windräder aufgestellt werden sollten. Das rund zwei Hektar große Waldstück ist dabei allerdings im Weg. Das Geschäft ist zwar mittlerweile offenbar geplatzt, weil die beiden Partner sich nicht über geschäftliche Details einigen konnten. Nach Auskunft der BI will der Eigentümer seine Pläne nun aber allein oder mit einem anderen Partner umsetzen.

Der Streit um den Wald läuft schon seit Jahren. Von Spreckelsen wollte ihn schon im vergangenen Jahr roden, um mehr Ackerfläche zu erhalten. Die Genehmigung lag bereits vor; der Eigentümer hatte zugesagt, als Ausgleich die dreifache Fläche an anderer, ökologisch wertvollerer Stelle neu aufzuforsten. Dann aber schaltete sich das Umweltministerium ein – vermutlich auch wegen des öffentlichen Protests in der Gemeinde, des Naturschutzbundes und der Grünen. Eine weitere Prüfung ergab, dass die Genehmigung aufgrund eines fehlerhaften Gutachtens erteilt worden war. Die Genehmigung wurde widerrufen, aber der Landwirt legte Widerspruch ein und bekam Recht (wir berichteten). Letzter Stand ist, dass von Spreckelsen 86 Prozent der Waldfläche ab 1. Oktober fällen darf und das nach Informationen unserer Zeitung auch tun will. Der Eigentümer wollte sich öffentlich nicht zu dem Thema äußern.

Nun ist nach Ansicht der BI aber eine neue Situation entstanden. In Paragraf 9 des Landeswaldgesetzes heißt es: „Die Umwandlung von Wald zur Errichtung von Windenergieanlagen mit einer Höhe von mehr als 10 Metern ist unzulässig.“ Etwas anderes als Windkraft würde sich für den Eigentümer nach Einschätzung von Manfred Lurz aber auch gar nicht rechen. Die Rodung koste schließlich auch viel Geld. Lurz: „Wenn er das als Acker- oder Grünland verpachten will, braucht er 150 Jahre, um die Investition wieder hereinzuholen.“ In seinem Brief an Umweltminister Robert Habeck schreibt Lurz: „Nach den im Detail vorliegenden Plänen für drei Windmühlen würden diese mit den bisherigen Abstandsregeln (400 und 800 Meter) genau auf die Fläche passen. Eine der Windmühlen würde direkt am nordöstlichen Rand des bisherigen Waldgebietes stehen.“

Nach Auskunft des Umweltministeriums hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume nach Erhalt der BI-Unterlagen eine Prüfung eingeleitet. Der Landeigentümer soll angehört werden. Die Prüfung werde unter Berücksichtigung der Anhörungsfristen voraussichtlich etwa drei Wochen dauern, also ziemlich genau bis Ende September, kurz vor dem möglichen Beginn der Rodung. Eine abschließende Bewertung des Sachverhalts ist erst nach Abschluss der Prüfung möglich. „Grundsätzlich ist es möglich, dass eine Umwandlungsgenehmigung zurückgenommen wird. Das hängt aber vom Ergebnis der derzeit laufenden Prüfung ab“, teilte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel mit.

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