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Flüchtlinge in Flensburg : Willkommen in einer bunten Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Großes Interesse und Harmonie herrschten beim Informationsabend mit OB Simon Faber auf dem Schulhof der Paulus-Paulsen-Schule als Flüchtlingsunterkunft. Die Anwohner der Stadtteils hatten viele Fragen.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Rote, gelbe, braune, weiße Handabdrucke zieren die Wände in der Paulus-Paulsen-Schule. Flensburg ist bunt: Schon lange sei die Stadt mit ihrem Integrationskonzept gut dabei und die „ausgesprochene Hilfsbereitschaft“ jede Woche spürbar, sagt Simon Faber. Der Oberbürgermeister und Fachleute aus dem Rathaus hatten Anwohner des Stadtteils eingeladen, sich die erste Flüchtlingsunterkunft der Stadt in der Nachbarschaft anzusehen und Fragen loszuwerden.

Zunächst setzt Faber die Menschenmenge auf dem Schulhof über die Entwicklung der Zahl der Asylbewerber ins Bild, sie habe sich „rasant erhöht“. Entsprechend steigerten sich die Kosten, von denen das Land 70, die Kommunen 30 Prozent übernehmen. Der Verwaltungschef beziffert sie für Flensburg im Jahr 2013 auf 485  000 und für 2014 auf 725  000 Euro. In diesem Jahr rechnet er mit über 2 Millionen Euro und erwartet für 2016 noch mal eine Verdopplung der Kosten. Flensburg müsse 3,1 Prozent der Flüchtlinge des Landes aufnehmen, dies bedeute für das laufende Jahr rund 800 Menschen (2013: 152, 2014: 389). 477 seien schon da.

Für rund 80 Menschen biete die umgebaute Paulus-Paulsen-Schule nun Raum. Noch vor zwei Wochen, so erklärt Michael Draeger vom Fachbereich Vermögen, „hatten wir für 21 Flüchtlinge nichts“. Dann sei der Zufall zu Hilfe gekommen, denn der Kaufinteressent für das Schulgebäude habe abgesagt. Seit zwei Jahren unterhalte die Stadt viele Wohnungen und einige Häuser an 22 Standorten für (potentielle) Asylbewerber. „Es gab nicht einen einzigen Vorfall“, sagt Fachbereichsleiter Draeger und nimmt Bedenkenträgern einigen Wind aus den Segeln.

Eine Frau hatte gefragt, ob sie sich um ihre Kinder sorgen müsste. Sie wird zunächst missverstanden und verhöhnt. Dann klärt sich, dass sie in Anschlägen auf Flüchtlingsheime eine Gefahr sieht. Draeger sagt, solange noch niemand da ist, gebe es einen Wachdienst.

Das Diakonische Werk kümmert sich um die Betreuung der Neuankömmlinge, die alte Lehrküche mit Speiseraum ermöglicht an 13 Kochstellen die Selbstversorgung. Container auf dem Schulhof beherbergen sanitäre Anlagen.

Gestern Vormittag traf die erste Familie in der Schloßstraße ein, im Laufe des Tages sollten insgesamt 13 Flüchtlinge ins neue Domizil einziehen, sagt Nicole Ertzinger von der Ausländerbehörde. Derzeit kämen die meisten aus Albanien, Afghanistan, dem Kosovo, dem Irak und Syrien. Das seien Menschen, die in einer Erstaufnahmeeinrichtung landen, Flensburg zugewiesen werden und für die Dauer ihres Asylverfahrens, also „vorläufig“, hier leben. Wie lange dieses „vorläufig“ dauere, so eine Nachfrage, sei nicht abzusehen, bedauert Nicole Ertzinger. Simon Faber ergänzt, dass die Flüchtlingsthematik nicht in Wochen oder Monaten zu lösen sei.

„Was brauchen die Flüchtlinge“ und „Habt ihr an Internet gedacht“, fragen die Flensburger. Aber auch, ob 80 für diesen Ort nicht zu viele seien. „Es sind ganz normale Nachbarn“, meldet sich aus der Menge die Kommunalpolitikerin Benita von Brackel-Schmidt zu Wort und gibt Nachhilfe in Toleranz. Neben der Flüchtlingshilfe bietet sich Peter Rohrhuber, Koordinierungsstelle für Integration, als Ansprechpartner für Hilfsbereite an. Kai Schröder vom Jugendzentrum AAK berichtet später bei der Besichtigung der Küche, dass seine Jungs und Mädels, deren Eltern aus aller Welt kommen, sich als Dolmetscher anbieten. Und schon bald wollen sie mit dem Kochmobil auf dem Schulhof für die Flüchtlinge gesunde Kost zubereiten.

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