Lindewitt : Wilde Weide statt Pferdebox

Von der ganzjährigen artgerechten Freilandhaltung für ihren Friesen „Fijalar“ und die anderen Pferde auf der Koppel ist Halterin Najomi Eberhardt überzeugt.
Von der ganzjährigen artgerechten Freilandhaltung für ihren Friesen „Fijalar“ und die anderen Pferde auf der Koppel ist Halterin Najomi Eberhardt überzeugt.

Najomi Eberhardt und ihre Haltergemeinschaft setzen auf Freilandhaltung für ihre Tiere auch im Winter – obwohl der Aufwand hoch ist.

shz.de von
17. Januar 2018, 13:37 Uhr

Pferde auf der Weide sind an sich kein ungewöhnlicher Anblick, im Winter aber ein eher seltener. Die vier Pferde einer Haltergemeinschaft um Najomi Eberhardt stehen auch jetzt auf der Weide. Als ihr nun zu Ohren kam, dass Anwohner das Wohl ihrer Pferde auf der „Kirchbergweide“ in Sillerup gefährdet sehen, erschrak die 29-Jährige. Denn genau das Gegenteil ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Dabei verfolgt sie mit ihrer fünfköpfigen Haltergemeinschaft die Grundidee der „Wilden Weiden“, wie es sie auf der Geltinger Birk oder den Weiden der Galloways gibt. Unmittelbar angrenzend an das Stiftungsland Schäferhaus hatte die Gemeinschaft einige Jahre Pferde in sogenannter Robusthaltung ganzjährig im Freiland gehalten. Als sie die Weide wegen eines Besitzerwechsels aufgeben mussten, fanden sie in Sillerup eine neue Heimat für ihre Tiere. „Jede von uns kann durchschnittlich eine Stunde am Tag bei ihrem Pferd verbringen. Wir möchten, dass unsere vier Tiere auch die übrigen 23 Stunden so schön wie möglich verbringen, und dies nicht in einer Stallbox“, sagt sie.

Allerdings muss der Mensch bei der Pferdehaltung stärker eingreifen als bei Wildtieren. Im Winter wird streng darauf geachtet, dass den Pferden permanent Raufutter und frisches Wasser zur Verfügung steht. Für frisches und eisfreies Wasser sorgt eine Brunnenpumpe, die über ein Solarmodul angetrieben wird. Auch die Batterie für den Weidezaun wird mit Solarstrom gespeist. Das Heu wurde auf Teilen der 4,5 Hektar großen Weide geschnitten. Der Futterplatz ist mit einem Spaltenboden befestigt, damit die Pferde dort jederzeit trocken stehen.

Der Tierschutz verlangt für die Tiere eine Möglichkeit, sich bei rauer Witterung unterstellen zu können. Ein geplanter Unterstand aus Holz war baurechtlich nicht möglich. Daher wurde ein großes Zelt aufgestellt, das in die Rubrik „fliegende Bauten“ fällt und damit baurechtlich möglich ist.

Neuerdings hängt nun eine Informationstafel am Gatter der „Kirchbergweide“, auf der das Konzept der Haltung für jeden Interessierten erläutert wird. Eberhardt ist bewusst, dass diese Haltungsform für viele ungewöhnlich ist. Es sei der Kompromiss aus größtmöglicher Freiheit für die Tiere und des notwendigen menschlichen Eingriffs. Es müsse sich niemand Sorgen machen, wenn die Pferde gerade in dieser Jahreszeit etwas zottelig daherkämen, das sei völlig normal.


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