Wohnen : WiF will Tarups neues Baugebiet kippen

Standort Bahnbrücke Ringstraße, Blickrichtung Südost: Hier ist es noch ziemlich grün. So soll es nach Ansicht der WiF auch bleiben.  Foto: Euler
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Standort Bahnbrücke Ringstraße, Blickrichtung Südost: Hier ist es noch ziemlich grün. So soll es nach Ansicht der WiF auch bleiben. Foto: Euler

Die WiF legt heute im Hauptausschuss die Axt an ein kommunales Lieblingsprojekt: Das Neubaugebiet Tarup Südost soll nicht gebaut werden.

shz.de von
06. Oktober 2009, 12:58 Uhr

Flensburg | "Unsere ersten Einschätzungen waren falsch", sagt die WiF-Fraktionsvorsitzende Erika Vollmer. Als im vergangenen Jahr die Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung Flensburg bis 2025 ein Bevölkerungswachstum um 3500 Neubürger prophezeite, geriet die Stadt aus dem Häuschen. Die Statistiker lieferten den Anlass für die Planung neuer Baugebiete und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums. Den bezifferten Experten der Wohnungswirtschaft mit rund 6000 Einheiten - Flensburg als Boomtown in Zeiten allgemeinen Bevölkerungsschwunds.

Die WiF-Ratsfraktion hatte die Zahlen zum Anlass genommen, eine mühsame Aktenrecherche zu beginnen. "Wir wollten belastbare Zahlen", sagt Erika Vollmer. Und die, da ist sie sicher, hat die WiF auch gefunden. Flensburg mag wachsen - aber nicht da, wo die Musik wirklich spielt.

Die Quellen, die die Fraktionskollegen Hubert Ambrosius und Wolfgang Schmiel heute bemühen, sollten über jeden Zweifel erhaben sein. Das Statistikamt Nord beispielsweise oder die Stadt selber. Die Verknüpfung der Daten aber lässt für die WiF keinen Zweifel: Raus aus der Planung für Tarup Südost!
Zahl der Drei-Personen-Haushalte rückläufig
451 Einfamilienhäuser sollen entlang der Tarup-Umgehung entstehen. Sie liefern gleichzeitig den Vorwand für 3,5 Millionen Euro Landeszuschuss, die nur im Zusammenhang mit der Erschließung fließen. Das ist nicht mehr schlüssig, behauptet die WiF. Und unterfüttert das mit Zahlen. Das Statistikamt Nord erwarte für die Stadt Impulse für den Wohnungsmarkt hauptsächlich in drei Segmenten: Studenten, Erwerbslose und die Bevölkerung zwischen 45 und 60 Jahren - nicht eben die klassische Klientel für den Eigenheimbau. Für die eigentliche Zielgruppe der 35- bis 45-Jährigen prognostiziere der Landesentwicklungsplan bis 2025 eine rückläufige Entwicklung, so Vollmer. Zu diesem Ergebnis komme im übrigen eine von der Stadt in Auftrag gegebene Expertise auch. Bis 2025 gebe es Bedarf für 1900 Einheiten für Ein-Personenhaushalte, und für 3700 Zwei-Personenhaushalte. Die Gruppe der Haushalte für drei Personen und mehr hingegen sei mit einem Minus von 19 Prozent stark rückläufig.

Dieser Trend sei schon jetzt abzulesen, sagt Erika Vollmer. Der Abverkauf von Grundstücken sei stark rückläufig. 2005 verkaufte die Stadt noch 98 Grundstücke - in diesem Jahr gerade mal 23. Im Moment warten 154 Grundstücke auf einen Käufer. Auch die Erwartung, Flensburg ziehe zahlungskräftige steuerpflichtige Neubürger an, habe sich nicht erfüllt. Letztes Jahr waren es zehn, dieses Jahr vier, die vom Umland in die Stadt zogen - der Grundstücksumsatz spiele sich zu mehr als 80 Prozent innerhalb der Stadtgrenzen ab.

Angesichts dieser Zahlen sei eine Gesamtinvestition von 41 Millionen Euro nicht zu verantworten. Die Stadt spiele maximal 26 Millionen Euro wieder ein - und zwar nur, wenn ausschließlich Neubürger kommen, argumentiert die WiF. Statt 16 Millionen zu Lasten des defizitären Haushalts zu riskieren, wirbt die Wählernitiative für eine systematische Aufwertung der Innenstadt.

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