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CD-Releaseparty : Wiederhör’n mit Gerty Molzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erstmals sind die Lieder der Ur-Petuhtante und Sängerin auf einer CD zusammengefasst / Morgen Party und Präsentation

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2013 | 12:00 Uhr

André Schlegel kann sich noch gut an seine erste Begegnung mit Gerty Molzen erinnern. Da war er gerade 17. „Sie war im Fernsehen bei Hape Kerkeling zu Gast und sang, Walk on the wild Side’. Das hat mich fasziniert. Die wollte ich kennenlernen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich selbst keine Oma mehr hatte.“ Bis heute beschäftigt sich der in Köln und Amsterdam lebende Redakteur mit der Flensburger Ikone, der Ur-Petuhtante, der schrägen Sängerin von der Waterkant, die 1906 auf die Welt kam, 60 Jahre auf der Bühne agierte und 1990 starb. Schlegel transferiert Gerty Molzen und ihr Schaffen jetzt ins digitale Zeitalter.

Zum ersten Mal gibt es die Lieder der Sängerin und Schauspielerin jetzt auf CD. „Bisher existierten die Songs nur auf Singles“, berichtet Thomas Overdick, Leiter des Schifffahrtsmuseums, wo die CD am Dienstag um 19.30 Uhr im Rahmen einer kleinen Release-Party vorgestellt wird. „Das sind heute absolute Raritäten, ich habe mit Mühe ein Exemplar bei Ebay ersteigert.“ Einige der Songs sind bislang unveröffentlicht; Schlegel fand sie auf alten Tonbändern, die ihm die Familie von Gerty Molzen überlassen hat.

Der heute 44-Jährige entwickelte Ende der 80er-Jahre eine Art Fernbeziehung zu der in Glücksburg und Hamburg lebenden Sängerin. „Zuerst wollte ich nur ein Autogramm von ihr, doch später haben wir uns geschrieben und häufig telefoniert.“ Eigentlich wollte er sie im Sommer 1990 besuchen, doch dann erhielt er die Nachricht von ihrem Tod, so dass sich die alternde Chanteuse und ihr junger Verehrer nie trafen.

Umso mehr bemüht er sich jetzt, ihr musikalisches Erbe ins digitale Zeitalter zu retten. „Ich habe sie gegoogelt und nichts gefunden. Das fand ich schade.“ Schlegel hat dann einen Wikipedia-Eintrag über sie verfasst, die Songs kann man ab Dienstag bei Amazon herunterladen. Die Rohdiamanten auf den alten Tonbändern, die sie selbst zu Hause aufgenommen hat, mussten mit professioneller Hilfe bearbeitet und gemastert werden. „Wir mussten erstmal ein Gerät finden, mit dem man sie abspielen kann,“ erinnert sich der Molzen-Produzent.

Für Thomas Overdick ist Gerty Molzen untrennbar mit der Hoch-Zeit der Fördeschifffahrt verbunden. „Sie hat den Petuh-Tanten ein Denkmal gesetzt.“ In der entsprechenden Abteilung im neuen Haus des Schifffahrtsmuseums kann man ihre Stimme auf Knopfdruck im Steuerhaus der „Habicht“ hören – ein Ausschnitt aus „Petuhfahrt nach Glücksburg“, einst auf Single veröffentlicht und heute vergriffen. Auf der neuen CD ist es zu hören.

60 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit für eine Sängerin, und entsprechend breit gespannt ist auf der CD der Fächer der Stile und Genres, auch der Klangqualität. Gern schlüpfte Gerty Molzen in die Rolle der würdevoll gealterten Frau, die immer noch den Männern die Köpfe verdreht. „Ich bin nicht schön, ich bin viel schlimmer“ und „Madame Chaiselongue“ sind schön schräge Chansons im Tangosound. Knut Kieswetter hat ihr mit „Die rote Lily“ einen leicht verruchten Song im Latin-Rhythmus auf die Haut geschrieben. Und natürlich sind auch die Rocknummern aus dem Spätherbst ihrer Karriere dabei: „Do you really want to hurt me“, „Wild Thing“ und das unvergessliche „Walk on the wild Side“, ganz klar Gerty Molzens „Greatest Hit“. Reinhören lohnt sich allemal!

Die Präsentation am Dienstag moderiert Astrid Breck, Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen Schauspielers Freddy Breck. Außer Musik von der neuen CD gibt es Original-Gemälde zu sehen, die Gerty Molzen zeigen, außerdem ihren alten Schminkkoffer samt Utensilien und einen riesigen Koffer mit Tagebüchern aus mehreren Jahrzehnten. Hilke Rudolph als Gertys Enkelin im Geiste liest und erzählt auf Petuh.

Dienstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, Schifffahrtsmuseum: Präsentation und Release-Party der CD „Gerty Molzen. Von Flensburg nach New York. Lieder aus 60 Jahren Bühne“. Moderation: Astrid Breck. Mit Hilke Rudolph, André Schlegel und Thomas Overdick. Eintritt: 10 Euro.

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