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Marienstraße Flensburg : Wiederauferstehung eines Denkmals

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Investor Martin Aye plant ein dreigeschossiges Wohnhaus sowie neue sanitäre Anlagen, einen Technikraum und Küche für das Porticus

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2017 | 07:31 Uhr

Darf der das? Immer wieder bleiben Passanten in der unteren Marienstraße stehen und stellen Fragen. Darf ein Hauseigentümer ein geschütztes Kulturdenkmal einfach mal so in Schutt und Asche legen? Die Antwort: Er darf. Allerdings nur in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen konnte nun eine Lösung für die Zukunft des Hauses Marienstraße 3/5 gefunden werden.

Die Sache schien festgefahren. Martin Aye hatte das im 17. Jahrhundert erbaute Fachwerkhaus vor sechs Jahren erworben. Der Investor (Carebyphone) ist auch Eigentümer der Gaststätte Porticus und wollte beide Objekte im Einklang sanieren. Der Denkmalschutz in Person von Henrik Gram und Eiko Wenzel hat in diesen Fällen ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Die Hängepartie begann: Baugenehmigungen liefen ab, wurden verlängert – doch nichts passierte.

Heftig umstritten war die Auflage, die Vorderfassade im Erdgeschoss zu erhalten. „Es ging uns insbesondere darum, dass die Fachwerkständer, die profilierte Schwelle und die Balkenköpfe zwischen Erd- und Obergeschoss nicht verschwinden“, betont Wenzel. Gleichwohl war ihm klar, dass eine Sanierung nicht ohne erheblichen Substanzverlust vonstatten gehen könne. Der Hausschwamm hatte sich in weiten Teilen des historischen Gebäudes eingenistet; der lange Leerstand machte die Sache nicht besser.

Zudem handelt es sich laut Wenzel um ein „rundherum problematisches Grundstück“. Aye ließ Gutachten von Bauexperten beibringen, um seine Interessen argumentativ zu untermauern. Derweil verfiel das Gebäude zusehends.

Unser Artikel „Ein Schandfleck für die Marienstraße“ im Sommer letzten Jahres, der den schleichenden Niedergang des Denkmals thematisierte, brachte die Kommunikation zwischen Bauherren und Behörde wieder in Gang. „Der Denkmalschutz hat sich bewegt“, freut sich Martin Aye. Man einigte sich schließlich darauf, den unteren Teil der Fassade komplett zu rekonstruieren: Einige Teile werden im Original wieder eingebaut, andere nach dem historischen Vorbild neu geschaffen.

Martin Aye kann nicht erwarten, nach dem Abriss mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Zunächst soll die Giebelwand zum Porticus hin ertüchtigt werden. Dann sollen die eng verwobenen Gebäudeteile systematisch getrennt werden. Im östlichen Drittel entstehen im Parterre ein Lager und neue sanitäre Anlagen für das Porticus, das auch eine komplett frische Tresenanlage erhält. Diese Arbeiten sollen im Herbst abgeschlossen sein, „wenn uns nicht“, so Aye, „noch böse Überraschungen ereilen“. Im Winter will er mit dem Innenausbau seines Wohnhauses beginnen, das zwei Drittel des Gebäudes in Anspruch nehmen wird. „Da ist viel Liebhaberei im Spiel“, sagt der Investor, der sich das Vergnügen mehrere 100  000 Euro kosten lässt. „Der Verlust eines Kulturdenkmals ist immer schmerzhaft“, sagt Eiko Wenzel. Doch für ihn sei ein Kompromiss erzielt worden, der das Stadtbild der Marienstraße repariert und längerfristig sichert. „Und es wird die Erinnerung wach halten.“

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