Wie viele Autos verträgt die Ringstraße?

Stefan Hufe (Hochfeld): Abbiegen in die Ringstraße muss möglich bleiben.
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Stefan Hufe (Hochfeld): Abbiegen in die Ringstraße muss möglich bleiben.

Verkehr auf früherer Umgehung nimmt langsam wieder zu / Stadt möchte das Linksabbiegen von der Hochfelder Landstraße testweise verbieten

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25. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | Egal, wie im Rathaus entschieden wird: Es wird immer eine Entscheidung gegen Bürger sein. Die einen wollen den Verkehr auf der Ringstraße beschränken, die anderen wollen genau dort mit ihren Autos fahren. Einig sind sie sich nur darin, dass weitere Tempolimits umgesetzt werden sollten.

Es gab Zeiten, da fuhren bis zu 10 000 Autos pro Tag auf der Ringstraße zwischen Eckernförder Landstraße und Taruper Hauptstraße. Da war sie noch die heimliche Osttangente. Seit diese jedoch fertig ist, schrumpfte der Verkehr auf der Ringstraße auf erträgliche 800 Fahrzeuge - laut Zählung der Stadt.

Doch jetzt nimmt der Verkehr dort wieder zu, wenn auch nur im nördlichen Teil; der südliche ist abgesperrt, von der Eckernförder Landstraße aus ist die Ringstraße eine Sackgasse. Zum einen nutzen die Bewohner des neuen Wohngebiets Hochfeld die Ringstraße, um nach Tarup und Engelsby zu gelangen. Schulen und Kita, Sportplatz und Kirche, Geschäfte und Seniorenhäuser sind hier ihre Ziele. Doch offenbar biegen vermehrt auch Pendler von der Osttangente ab, weil sie sich über die Hochfelder Landstraße und weiter über die Ringstraße eine Abkürzung auf dem Weg in östliche Stadtteile erhoffen.

Um den Verkehr auf dem Abschnitt zwischen Taruper Hauptstraße und Hochfelder Landstraße / K8 einzudämmen, erwägt die Stadt, das Linksabbiegen von der Hochfelder Landstraße in die Ringstraße zu verbieten - zumindest probeweise für ein Jahr (Karte: roter Kreis). Zusätzlich soll der Abschnitt mit Tempo 30 verlängert werden, auch sind weitere Einengungen vorgesehen. Im Planungsausschuss wurden jetzt die Argumente für und gegen ein Linksabbiegeverbot ausgetauscht.

Pro: Uwe Dietz, Sünderup-Nord

Es sind nicht 800, sondern 1500 Autos pro Tag, wie eine eigene Zählung ergeben hat. Die Abkürzung über die Ringstraße bringt von der Hochfelder Landstraße bis Schottweg / Famila 1,5 Kilometer und fünf Ampeln Ersparnis und ist damit ein Grund, die Osttangente zu verlassen. Viele Autos fahren zu schnell, weil die Straße kurvenfrei ist. Einige Grundstücke sind nur fünf Meter von der Straße entfernt, entsprechend ist die Lärmbelastung. Der Abschnitt ist ein Hauptschulweg und wird von vielen Kindern genutzt. Der Verkehr wird dramatisch zunehmen, Unfälle sind nur eine Frage der Zeit.

Contra: Stefan Hufe, Hochfeld

Die Bewohner des neuen Baugebiets haben 60 bis 65 Millionen Euro investiert unter der Voraussetzung, dass sie die Einrichtungen in Tarup und Engelsby über die Ringstraße erreichen können. Dies stand seinerzeit im Bebauungsplan, der für den Knoten Ringstraße/Hochfelder Landstraße sogar einen Kreisverkehr vorsah, der von der Stadt gestrichen wurde. In den Textpassagen wurde auf die Erschließung des damals neuen Baugebiets durch die Ringstraße hingewiesen. Im Wohngebiet selbst sind keine Einrichtungen und keine Einkaufsmöglichkeiten vorhanden. Die Endhaltestelle der Buslinie 5 ist bei einem Abbiegeverbot nicht mehr mit dem Auto vernünftig zu erreichen, um dort Kinder hinzubringen.

Der städtische Verkehrsplaner Gunther Vandeck wies darauf hin, dass die Ringstraße im fraglichen Teil eine Straße außerhalb der geschlossenen Ortschaft sei. Da seien Beschränkungen schwer durchsetzbar. Der sehr enge Raum für Fußgänger und Radfahrer in der Bahnunterführung Kattloch soll möglichst bald etwas verbreitert werden, versprach Planungschef Peter Schroeders. Grundsätzlich gelte jedoch die alte Maxime, dass möglichst viel Verkehr von der Osttangente aufgenommen werden sollte - ein kleines Plädoyer für das Linksabbiegeverbot. Hingegen Ausschussvorsitzender Axel Kohrt: "Der Knoten muss nach Fertigstellung der K8 wieder hergestellt werden" - also mit Möglichkeit, links abzubiegen. Entschieden ist noch nichts, ein Beschluss soll erst in einer späteren Sitzung fallen.

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