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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 03:52 Uhr

Kunst II : Wie viel Kunst verträgt die Stadt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SPD-Ratsfraktion fordert ein Kataster aller Werke im öffentlichen Raum / Anlass war der Umgang der Stadt mit Uwe Appolds Werken

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 12:14 Uhr

Jeder kennt den Fischer mit dem jungen Mädchen im Arm, jeder kennt den Neptun-Brunnen, und an der Windsbraut ist zumindest fast jeder Flensburger schon einmal vorbei gekommen. Doch was ist mit all den anderen Kunstwerken im öffentlichen Raum? Wo stehen sie, wer hat sie geschaffen, in welchem Zustand sind sie? All das gehört in ein „Kunstkataster“, das die SPD jetzt für Flensburg initiieren will. Nicht zuletzt soll eine Liste dieser Kunstwerke verhindern, dass – wie jüngst im Klärwerk geschehen – ein Kunstwerk versehentlich verschrottet wird, zu Lasten des Urheberrechts des Künstlers, in diesem Fall Uwe Appold.

„Wie geht die Stadt mit Kunst im öffentlichen Raum um?“ – das ist die Ausgangsfrage für die SPD. Appold hat da eine deutliche Meinung. „Es ist ein Skandal, wie wenig sich um den wertvollen Rokoko-Brunnen auf dem Nordermarkt gekümmert wird“, sagt er. Und er selbst setze sich jetzt seit sieben Jahren mit der Stadt über den Umgang mit seiner Kunst auseinander. Der Brunnen rund um die blaue Stele auf dem Holm fehlt nach wie vor. „Das wird von der Verwaltung ausgesessen“, ist Appold überzeugt. Als dann das Relief am JAW-Haus Dammhof und die Skulptur am Klärwerk verschwunden waren, „da hatte ich die Faxen dicke“. Mittlerweile habe Flensburg „ein Alleinstellungsmerkmal, was die Vernichtung von Kunst angeht“.

Der Künstler begrüßt den Vorstoß der SPD und ist gern zur Pressekonferenz gekommen: „Ich hoffe sehr, dass der Kulturausschuss diese Steilvorlage aufnimmt.“ Appold lobt die hohe urbane Qualität in Flensburg, das Zusammenwirken von Architektur, Straßen und Plätzen, Grünanlagen und eben Kunst. „Das schätzen die Menschen sehr.“ Doch es müsse sich eben auch gekümmert werden.

Das Kulturkataster, wie es sich die SPD vorstellt, listet nicht nur sämtliche Objekte auf, sondern enthält dazu Informationen zum Künstler, zum Standort, zur Zeit der Entstehung, zu den Eigentumsverhältnissen, zu Pflege und Erhalt, zu den Urheberrechten und den Zuständigkeiten bei der Stadt oder einer ihrer Tochtergesellschaften wie Stadtwerke, TBZ, JAW oder auch Friedhöfe. Zudem müsse es regelmäßig fortgeschrieben werden.

Trost kann sich zudem gut vorstellen, das Kataster öffentlichkeitswirksam zu nutzen, zum Beispiel bei der Erstellung von Broschüren für Touristen. Rückenwind bekommen Trost und der kulturpolitische Sprecher der SPD, Johannes Schmidt, vom Bundesverband Bildender Künstler. Die Vorsitzende des Landesverbandes, Monika Rathlev, hat eine „durchaus positive Wahrnehmung“ von Flensburg und glaubt, dass im Rathaus „besonnene Menschen“ sitzen. „Wir wollen aus der misslichen Geschichte der verschwundenen Kunstwerke jetzt etwas Positives machen.“ Auf Kunst im öffentlichen Raum müsse mehr und besser hingewiesen werden. Wenn die SPD für ihren Antrag eine Mehrheit bekommt, könne Flensburg durchaus Vorbild für viele andere Städte werden. Im Kulturausschuss wird der Vorstoß am 28. August behandelt, in der Ratsversammlung im September.

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