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Doppelter Abiturjahrgang : Wie sich die Uni Flensburg auf den großen Ansturm vorbereitet

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum Wintersemester beginnen mehr Erstsemester als sonst ihr Studium - und die Uni muss sich etwas überlegen.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2016 | 08:25 Uhr

Flensburg | Die Europa-Universität Flensburg (EUF) rechnet zum kommenden Wintersemester mit deutlich mehr Erstsemestern als sonst üblich, weil wegen der Einführung des Abiturs nach acht Jahren nun zwei Abi-Jahrgänge gleichzeitig an die Hochschulen kommen. „Wir rechnen mit 200 zusätzlichen Studienanfängern“, sagte Präsident Werner Reinhart, „wir werden aber auch mit 400 fertig.“ Dazu kommen rund 1200 Anfänger, die sich ohnehin jeden Herbst an der EUF einschreiben; in dieser Zahl sind auch Master-Studenten enthalten.

In anderen Bundesländern  - wie Nordrhein-Westfalen - ist der doppelte Abiturjahrgang schon länger durch. Doch auch künftig werden die Studentenzahlen hoch bleiben - und die Unis vor Herausforderungen stellen. Das liegt auch daran, dass immer mehr junge Menschen sich für ein Studium entscheiden.

Sollten es wirklich so viele werden, müsse man unter Umständen zu besonderen Maßnahmen greifen, so Reinhart. Das könnten Veranstaltungen zu Randzeiten sein, also montags recht früh oder freitags recht spät – unbeliebte Zeiten bei Studierenden und Dozenten. Es könnte aber auch bedeuten, so der Präsident, dass man auf den Sonnabend ausweiche, was für Hochschulen durchaus unüblich wäre. „Wer bei uns studieren will, wird ansonsten keine schlechteren und härteren Bedingungen als vorher finden“, betonte der Präsident.

Derzeit baut die Uni ihr Angebot im Bereich Lehramt weiter aus. Dazu gehört zum Beispiel der komplett neue Aufbau der Romanistik: Erstmals werde ab Wintersemester 2016 Spanisch als Schulfach angeboten, ein Jahr später komme Französisch hinzu, wie Jürgen Schwier, Vizepräsident für das Lehramt, erläuterte. Zudem werde der Bereich der Sonderpädagogik ausgebaut, statt 120 werde es demnächst 160 Studienplätze geben. „Es gibt einen großen gesellschaftlichen Bedarf an Sonderpädagogik“, sagte Schwier mit Blick auf das allgegenwärtige Thema Inklusion.

Besonders stolz ist die Universität auf den neuen Studiengang „European Cultures and Society“, einer der wenigen europawissenschaftlichen Bachelor-Studiengänge in Deutschland. Fünf Professuren gehören dazu, unterrichtet wird komplett auf Englisch. Am Freitag war Wissenschaftsministerin Kristin Alheit auf den Sandberg-Campus gekommen, um sich über diesen Studiengang und die weiteren Europa-bezogenen Aktivitäten der Uni zu informieren, seit sie vor knapp zwei Jahren Europa-Universität wurde. Mit dem Abschluss könne man in ein Master-Studium wechseln, was immer mehr Studenten tun. Das mögliche Betätigungsfeld sei vielfältig, so Alheit: Journalismus, Ausstellungsmanagement, Kulturmanagement nannte sie als Beispiele.

Die fünf Professuren, die an dem neuen Studiengang beteiligt sind, vertreten Fächer wie Soziologie, Medienwissenschaften, Minderheitenforschung, politische Philosophie und „European and Global Governance“. Es könnten noch Migrationsforschung und Friedensforschung dazu kommen.

Ministerin Alheit sieht diese Entwicklung in Flensburg sehr positiv. „Europa steht derzeit vor vielen Krisen, die zunehmend zu einer Bewährungsprobe werden. Der Auf- und Ausbau einer Europa-Universität ist deshalb ein starkes Signal in Richtung eines gemeinsamen, eines integrativen Europas“, sagte die Ministerin. „In der Grenzstadt Flensburg hat man verstanden: Die Lösung liegt nicht in weniger, sondern in mehr Europa – und damit in einer engeren Kooperation über Ländergrenzen hinweg. Dies unterstützen wir ausdrücklich.“

Die internationalen Partnerschaften sollten noch intensiviert werden, regte sie an. Weitere Ziele seinen noch mehr Englisch-sprachige Studiengänge und das binationale Lehramt – ein Abschluss, mit dem man Lehrer in zwei unterschiedlichen Staaten werden kann. So etwas gebe es bisher nur in Mainz.

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