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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 22:34 Uhr

Einwanderer : Wie Russen und Polen feiern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie lieben Weihnachten gleichermaßen, aber ihre Traditionen unterscheiden sich.

shz.de von
erstellt am 25.Dez.2013 | 12:49 Uhr

Welche Dinge sind typisch für Weihnachten bei polnischen und russischen Flensburgern? Ist es „Uschko“ oder „Hering im Pelzmantel“? Natürlich nicht! Aber für einige Einwohner bedeuten erst die Gerichte und andere Traditionen ein richtiges heiliges Christfest.

Vier Tage vorher fangen die Vorbereitung zum Fest bei der Familie Borowski an. Der 36-jährige Pole erinnert sich daran, wie seine Mutter Kuchen für die ganze Familie gebacken hat. Er war immer dabei und hatte die Aufgabe, 15 Minuten lang den Teig umzurühren. Als Belohnung durfte er den Löffel ablecken. Bereits vor 13 Jahren ist Marek nach Deutschland gezogen und Inhaber des Geschäfts „Marek Delikatesy“ geworden. Jetzt kocht der dreifache Vater selbst für seine Familie und darf, wann immer er will, alles kosten.

„Zu Weihnachten sorgt man in Polen für viele besondere Speisen. Auf den Tisch gehören gebratene Karpfen, Sauerkraut mit Pilzen oder Fleisch, ’Barszcz’, eine Suppe mit kleinen Teigtaschen, und ’Uschko’, die mit Pilzen gefüllt sind, sowie Hering in Öl mit Zwiebeln“, erzählt Marek. Bevor die Kinder Geschenke auspacken, kommt noch ein Brauch. Die Verwandten teilen Oblaten untereinander. Dieses Esspapier ist geschmacklos, aber bedeutungsvoll. Stück für Stück reißt ein jeder eine dünne Teigplatte ab und schenkt damit den anderen Herzenswärme.

Kommt die Familie zu Tisch, wird ein extra Teller hingestellt. Wenn an diesem besonderen Abend jemand an die Tür klopft, müsse man ihn zum Essen einladen. Wigilia, so nennt man den Heiligen Abend auf Polnisch, darf nicht ohne einen mit Bonbons, Gebäck und Holzfiguren geschmückten Tannenbaum beginnen. In Mareks Haus werden gleich zwei Weihnachtsbäume dekoriert. Einer glänzt wie üblich im Wohnzimmer, und den anderen haben sie vor einiger Zeit mit den Großeltern, die in Polen wohnen, in den Garten gepflanzt. „Auf diese Weise, auch wenn meine Eltern manchmal keine Möglichkeit haben, zu Weihnachten nach Flensburg zu kommen, sind sie durch diesen Baum immer bei uns“, sagt der Pole.

Ohne einen schönen Weihnachtsbaum und ein Familientreffen geht es auch nicht in der russischen Familie Klein. Seit 1995 lebt die Familie in Deutschland. „Vergangene Weihnachten haben wir im Kreis der zwölfköpfigen Familie mit vier Generationen am Tisch gefeiert“, erinnert sich der 31 Jahre alte Alexej. Alle bringen etwas mit. Die Speisen sind abwechslungsreich: Russische Suppe wird gekocht, Salate werden zubereitet; gleichzeitig wird Ente im Ofen gebacken. „Man kann die Situation ’Multi-Kulti’ nennen“, sagt Alexej Klein, „weil sich in unserer Familie verschiedene Traditionen vereinigen. Wir sind schon integriert auf der einen Seite, und auf der anderen folgen wir noch russischen Traditionen.“ Zum Beispiel dürfen nach dem Essen alle nicht einfach die Weihnachtsgeschenke nehmen. Kinder – und manchmal auch Erwachsene – müssen sie sozusagen verdienen. Das ist Tradition: Man steht auf und erzählt auswendig ein Gedicht über Weihnachten, Väterchen Frost oder den Winter.

Alexej feiert gern Heiligabend mit der Familie – und erst recht das lustige Neujahrsfest, das im heutigen Russland die wichtigste Feier im Kalender ist. Genau deshalb gibt es zu Silvester mehr Traditionen. Am letzten Tag im Jahr sieht man viele typische Gerichte auf dem Tisch wie Schichtsalat („Hering im Pelzmantel“), Rindszunge mit Meerrettich, Salzgurken und Tomaten sowie Kartoffelsalat „Olivier“. Für russische Auswanderer wie Alexej Klein in Flensburg beginnt die Party ziemlich früh. Es kommt darauf an, woher die Leute stammen, die feiern. „Ein Kumpel von mir kommt aus Tynda, einer Stadt im Fernen Osten. Und wegen des Zeitunterschieds fangen wir um 15 Uhr an.“ In Tynda sei dann Neujahr. „Deswegen muss man ein Glas Sekt trinken. Und das passiert jedes Mal, wenn in der nächsten Zeitzone Mitternacht eintritt – davon gibt es insgesamt neun“, sagt Alexej lächelnd.

Am 7. Januar hat die Familie Klein noch eine Möglichkeit, zusammen die Zeit zu verbringen. An diesem Tag feiert man orthodoxe Weihnachten.

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