Diako und St. Franziskus Flensburg : Wie man Krebszellen austrickst

Die Pathologie hilft bei der „Enttarnung“ der Tumorzellen – dann kann das Immunsystem die Krebszellen bekämpfen.
Die Pathologie hilft bei der „Enttarnung“ der Tumorzellen – dann kann das Immunsystem die Krebszellen bekämpfen.

Neuartige Behandlungsmethode verbessert die Therapieerfolge bei Lungenkrebs

shz.de von
23. Januar 2018, 08:00 Uhr

Die Diako-Pathologie und das St. Franziskus Hospital führen erfolgreich eine neue Immuntherapie ein, die auch verstreute Krebszellen aufspüren kann – besonders bei einem großes Sorgenkind der Medizin: dem Lungenkrebs.

Es ist die dritthäufigste Krebsart bei Männern und Frauen in Deutschland und hat von den häufigeren Krebsformen zudem die schlechteste Prognose. Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch 15 bis 20 Prozent der Erkrankten. Während die Medizin in den letzten zehn bis zwanzig Jahren bei vielen anderen Krebsarten deutliche Verbesserungen in Therapie und Überlebenschancen erreichen konnte, fehlten diese Erfolge beim Lungenkrebs. Erst die Einführung so genannter „maßgeschneiderter“ Therapien brachte Besserungen.
Die bisherige Behandlung umfasst neben Operationen auch eine Bestrahlung und Chemotherapie. Lungenkrebs ist eine der Krebsarten, die am häufigsten „streut“, das bedeutet, dass Krebszellen an andere Stellen im Körper wandern und dort weitere Krebsherde bilden, oft in Knochen, im Gehirn oder in der Leber.

Eine Erweiterung des Repertoires der verfügbaren therapeutischen Möglichkeiten verspricht nun eine neuartige Immuntherapie, mit einer gänzlich anderen Wirkweise: „Das Immunsystem des menschlichen Körpers ist durchaus in der Lage, Krebszellen zu erkennen und unschädlich zu machen, dies passiert laufend“, erläutert Prof. Dr. Jeremias Wohlschläger, Ärztlicher Leiter des Institutes für Pathologie des Diakonissenkrankenhauses. „Gesunde Zellen tragen einen speziellen Marker, so dass unser Immunsystem weiß, dass diese Zellen nicht angegriffen werden dürfen. Diese Struktur an der Zelloberfläche wird als PD-L1 bezeichnet. Manche Tumorzellen tragen an ihrer Oberfläche jedoch ebenfalls diesen Marker, sie sind dann sozusagen getarnt und können von der Immunabwehr nicht erkannt werden“, so der Flensburger Pathologe, der erst kürzlich eine außerplanmäßige Professur an der Universität Duisburg-Essen für seine Forschungsarbeiten zum Lungenkrebs erhielt.

Mit der Gabe eines Antikörpers gegen diesen Marker können die Tumorzellen für das körpereigene Immunsystem sichtbar gemacht werden, so Wohlschläger. „Die Krebszellen werden überall im Körper aufgespürt und gezielter als mit Chemotherapie oder Bestrahlung bekämpft, bei weniger massiven Nebenwirkungen“, ergänzt Prof. Dr. Nadezda Basara, Chefärztin der Medizinischen Klinik I des St. Franziskus und Leiterin des Onkologischen Zentrums der beiden Krankenhäuser. Der große Vorteil sei, dass auf diese Weise auch die schon gestreuten Krebszellen mitbekämpft würden, welche einer Operation oder Bestrahlung nicht zugänglich wären, so dass die Überlebenschancen und insbesondere die Lebensqualität der Patienten stiegen.

Voraussetzung für den Einsatz des neuen Antikörpers ist das Vorhandensein und der Nachweis des Markers bei den Tumorzellen des Betroffenen. Diese Nachweismethode hat die Pathologie der Diako nun etabliert: „Wir können in einer Probe des Krebsgewebes durch einen Test erkennen, ob der Tumor auf die Immuntherapie wahrscheinlich ansprechen wird. Die Therapie erfolgt dann in der onkologischen Abteilung“, berichtet Prof. Wohlschläger. Der Anteil der Patienten, der für die neue Behandlung infrage käme, liege bei 15 bis 20 Prozent.

Mit einer Informationsveranstaltung zu dem Thema für niedergelassene Ärzte und Klinikärzte am 31. Januar im Foyer, St. Franziskus-Hospital möchten die beiden Krankenhäuser über die neuen Methode informieren.

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