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Welttag des Kaffees : Wie man in München erfuhr, dass es in Flensburg keinen Kaffee gab

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Kaffee ist der heimliche Motor in deutschen Büros – das wird spätestens deutlich, wenn er plötzlich fehlt. In einer Flensburger Redaktion nahm das skurrile Ausmaße an, deren Folgen bis nach Süddeutschland reichten.

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erstellt am 05.Sep.2015 | 11:19 Uhr

Er ist ein eher klotziger schwarzer Kasten in einem kahlen Flur. Und doch ist er so etwas wie das Herzstück des gesamten Büros. Der Kaffeeautomat in der Redaktion der dänisch-deutschen Tageszeitung Flensborg Avis. Nicht dass sein Gebräu besonders gut schmecken würde, doch seinen Beitrag zum Büroalltag hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt -  indem er Ende Juli schlicht den Kaffeenachschub verweigerte. Vier lange Tage lang. Die Reaktionen darauf fanden bundesweite Beachtung, in München fand man sie „irre“.

Als Volontär Lennart Adam unter dramatischem Koffeinentzug merkte, dass das technische Problem am Automaten nicht so einfach zu lösen war und sich die Instantkaffee-Gläser in der Büroküche aneinander reihten, klebte er ein Bild an die Maschine. Er meint sich zu erinnern, dass es eines von Chuck Norris war. Doch ganz genau weiß er es nicht mehr. Der Action-Kult-Held steht auf dem Bild mit zwei Waffen und einem bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Hemd: „Chuck Norris ruft keinen… Techniker!“ heißt es auf dem sogenannten Meme.

„Als ich das nächste Mal an dem Automaten vorbei ging, hing da plötzlich ein zweites Bild“, erinnert sich Adam. Es folgten ein drittes und ein viertes und schließlich beteiligte sich das ganze Büro an dem Spaß. „Das hat sich verselbständigt“, sagt Adam.

Merkel mischt sich ein. Foto: Adam
Merkel mischt sich ein. Foto: Adam
Kaffee ist Grundnahrungsmittel in den meisten Büros. Foto: Adam
Kaffee ist Grundnahrungsmittel in den meisten Büros. Foto: Adam
Foto: Adam
Foto: Adam
 
Die Bilderflut weitet sich aus. Foto: Adam
Die Bilderflut weitet sich aus. Foto: Adam
 

Die Bilder kann man leicht mithilfe von Meme-Generatoren im Internet erstellen. „Scheitert der Kaffeeautomat, scheitert Europa“, steht auf einem Foto von Angela Merkel. Und Heidi Klum sagt: „Ich habe heute leider keinen Techniker für dich.“ In den folgenden Tagen wurden etwa 50 Bilder und Sprüche aufgehängt – als der Automat zu klein wurde, wichen die Mitarbeiter auf den Brötchenautomaten daneben aus, auf die Wand und einen Pfeiler. Doch es war weit und breit kein Techniker in Sicht. Der Grund dafür: „Am zweiten Tag haben wir herausgefunden, dass keiner den Techniker gerufen hatte“, sagt Adam.

Erst am vierten Tag kam der Techniker. Das erste, was er machte: Die beklebte Maschine fotografieren.

Der Techniker kam am vierten Tag. Foto: Adam
Der Techniker kam am vierten Tag. Foto: Adam
 

Dann arbeitete er etwa eine Stunde lang an dem Gerät – und schließlich lief der Kaffee wieder. Grund genug für neue Bilder: Ein sich streckendes Eichhörnchen fasst auf einem Meme die Freude der Redaktion zusammen: „Halleluja!!! Der Kaffeeautomat ist repariert.“ Auch diesmal verselbständigte sich die Bilderflut. „Eine Woche lang hingen noch Bilder am Automaten“, erinnert sich Adam. „Man konnte sich kaum Kaffee holen.“

Halleluja!!

Halleluja!!

Foto: Lennart Adam
 

Doch die Bilder sollten sich noch mehr ausbreiten: Lennart Adam machte die Auflistungsseite „Buzzfeed“ auf die Aktion aufmerksam, die die Bilder im Internet verbreitete. Und die Sache verselbständigte sich. Die Flensburger Kaffeedürre schaffte es unter anderem auf die Seiten vom „Münchner Merkur“ und „Web.de“. „Eine Redaktion rastet aus“, heißt es dort mit einem Augenzwinkern. Und sicher auch mit jeder Menge Mitgefühl. Schließlich lässt sich das Warten auf die Technik nur mit Kaffee ertragen. Mittlerweile läuft der Automat wieder zuverlässig – und Lennart Adam findet das fast ein bisschen schade. Denn die Kreativität, die die Kaffeedürre ausgelöst hat, war „eine witzige Zeit“, sagt er.

Erleichterung und Glück: Der Kaffeeautomat ist repariert. Foto: Adam
Erleichterung und Glück: Der Kaffeeautomat ist repariert. Foto: Adam

Die 50 Bilder hat der Volontär aber aufbewahrt. Man weiß ja nie. Nur eines hängt noch an der Maschine: Obama ist darauf zu sehen mit dem Spruch: „Nee, sorry, nix Neues ... die Maschine läuft.“

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