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Start-Ups aus SH : Wie ein Nordfriese den Markt für Energy-Drinks erobern will

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schluss mit dem Gummibärchen-Geschmack: Gunnar Friedrichsen hat einen natürlichen Wachmacher entwickelt.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2015 | 11:33 Uhr

Harrislee | Gunnar Friedrichsen stand schon immer unter Strom. Als Gastronom gehörten 14-Stunden-Schichten bei ihm zum Alltag, besonders als er vor acht Jahren seinen ersten eigenen Gasthof übernahm. Um sich wach zu halten, trank der Nordfriese literweise Energydrinks. Sechs bis zwölf Dosen Red Bull am Tag, zu Spitzenzeiten. Doch vom künstlichen Geschmack der Wachmacher hatte er schnell genug – und erfand kurzerhand seinen eigenen Energy-Drink: „Magu“.

Als Sohn zweier Gastronomen experimentierte Friedrichsen schon als Kind gern mit Getränken. „Ich hatte im Lager die volle Auswahl an Getränken, da greift man selten zu Wasser“, sagt er. Als er im Hamburger Hotel Atlantic als Barkeeper arbeitete, kreierte er einen eigenen Cocktail. Der Drink kam so gut an, dass er in die Barkarte aufgenommen wurde. „Das passiert sehr selten“, sagt Friedrichsen.

Die Energiegetränke, die der Markt bis dahin hergab, waren nicht nur voller Zucker, sondern auch voller künstlicher Inhaltsstoffe. Zusammen mit einem Freund gründete er deshalb im September 2013 die Firma „Liquid Energy“ und kreierte „Magu“ – einen Energy-Drink aus natürlichen Zutaten, echten Früchten und hochwertigem Koffein aus Kaffeebohnen. Das Wichtigste jedoch: „Definitiv kein Kaugummi-Geschmack“.

Die Idee für „Magu“ hat Friedrichsen eigentlich aus Afrika. Bei einem Essen mit Freunden servierte eine Bekannte aus dem Senegal einen Apéritif ohne Alkohol. Der Gastronom war zunächst skeptisch. Aber der Cocktail überraschte ihn. „Das hatte was Besonderes. Aber ich konnte zuerst nicht herausschmecken, was es war.“ Als er später nach dem Rezept fragte, wusste er Bescheid. Das Besondere waren die Gewürze: Ingwer, Pfeffer und Vanille.

Zu Hause probierte er nach Feierabend so lange herum, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. „Magu“ war geboren. Im März 2014 kam die erste Dose auf den Markt. 380.000 Stück verkaufte Liquid Energy im ersten Jahr, den Großteil davon in Deutschland, einige Dosen auch ins Ausland. „Wir haben Anfragen aus Dänemark, Italien, England oder sogar Australien“, sagt Friedrichsen.

Produziert und abgefüllt wird in Süddeutschland, Lager und Büro hingegen befinden sich in Harrislee. Fünf bis sieben Mitarbeiter beschäftigt Friedrichsen inzwischen, Mitbegründer Malte Petersen ist inzwischen wieder ausgestiegen. Neben der gelben Sorte „Exotic Yellow“ gibt es mittlerweile auch eine rote namens „Wild Red“. Die Mixtur hat Friedrichsen aus einem Originalrezept seiner Großmutter für dänische Rote Grütze kreiert.

Die Konkurrenz von „Magu“ ist groß: Dem „Manager Magazin“ zufolge wächst keine andere Sparte in der Getränkeindustrie schneller als die der Energy-Drinks. Laut Wirtschaftsvereinigung alkoholfreier Getränke (WafG) betrug der Umsatz mit koffeinhaltigen Wachmachern im Jahr 2012 rund 127 Millionen Euro (2011: 124 Millionen Euro Umsatz). Seit Jahren an der Spitze hält sich Red Bull mit einem Marktanteil von knapp einem Drittel, gefolgt von Monster Beverage (Monster Energy), Pepsico (Rockstar) und Coca Cola (Relentless).

Sich gegen die Marktriesen durchzusetzen, kostet kleine Betriebe wie Liquid Energy nicht nur Zeit und gutes Marketing, sondern vor allem Geld. Ähnlich wie im Buchhandel muss sich jeder Getränkehersteller in das Sortiment eines Supermarktes einkaufen. Um die hohen Kosten zu stemmen, hat Friedrichsen Investoren gefunden, die ihm Risikokapital zur Verfügung stellen.

Nachdem Friedrichsen einige Zeit versucht hat, sein Produkt deutschlandweit zu vertreiben, will er sich jetzt wieder mehr auf den schleswig-holsteinischen Markt konzentrieren. Sein Ziel: „Mit einem ehrlichen, nachhaltigen Qualitätsprodukt auf den Markt gehen.“ Besonders der Gedanke der Nachhaltigkeit sei ihm wichtig. Wenn alles gut läuft, will er mit dem Umsatz auch in Bildungsprojekte investieren – und damit einen „Geben und Nehmen“ erzeugen.

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