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Hip Hop : Wie ein Flensburger Tanztrainer Träume platzen lässt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eltern machen dem Mann viele Vorwürfe - Vorspiegelung falscher Tatsachen, Manipulation Minderjähriger und Betrug.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 07:25 Uhr

Flensburg | Sie waren euphorisiert. Freuten sich seit Wochen auf die Hip-Hop-Weltmeisterschaften in Las Vegas. Auf Reisen durch die Welt. Auf eine Tanzkarriere. Vieles wurde den „Groove Eagles“ versprochen. Doch was Trainer E. seinen Schützlingen vorgaukelte, war nicht viel mehr als eine Seifenblase. Sie ist zerplatzt – und mit ihr der große Traum von einem guten Dutzend Schülern und Auszubildenden. Derweil tobt die Diskussion im Netz.

„Sie sind am Boden zerstört“, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht nennen will. Ihr Sohn ist nicht mehr dabei, seitdem sich die Ungereimtheiten häuften. Eine Kommunikation mit den Eltern fand praktisch nicht statt. Der Trainer tauschte sich mit seinen Schützlingen über eine WhatsApp-Gruppe aus. Einzelne seien ausgegrenzt worden, sobald ein kritisches Wort fiel oder E. gemerkt hatte, dass ein Kind es gewagt hatte, seine Eltern einzubeziehen. „Er hat die Truppe manipuliert“, sagt die Mutter. Rolf und Meike Hansen, deren zwei Kinder sich beim Flensburger Tanzclub angemeldet hatten, in dessen Vorstand E. sitzt und unter dessen Regie die „Eagles“ tanzen, bestätigen das. „Er hat sie in seinen Bann gezogen, eingewickelt und sich ihr Vertrauen erschlichen.“

Immer wieder sei Bargeld verlangt worden, ohne Abrechnung, ohne Belege. Bei einer Veranstaltung etwa habe E. von seinen Tänzern 15 Euro pro Person kassiert, laut Organisator seien jedoch nur 25 Euro pro Gruppe fällig geworden. „Wo ist das ganze Geld geblieben?“, fragt Rolf Hansen. Eine Mutter spricht von Betrug. Sie hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet und lässt Schadenersatzansprüche prüfen.

Unfassbar ist für die Eltern, wie der „windige Trainer“ ungeniert seine vermeintlichen Pläne in einem Flensburger Wochenblatt ausbreiten durfte – und was davon geblieben ist. „Unglaublich, aber wahr“, steht dort geschrieben. „Durchbruch bis ins Mekka des Hip Hop“. Aus dem beschaulichen kleinen Tanzclub an der Marienallee werde es vom 2. bis 6. August direkt zu den „Hip Hop International Championships“ nach Las Vegas gehen. Ein Blick in den Kalender hätte genügt, um herauszufinden, dass daran etwas faul ist. „Dann sind sie wieder weg, wenn es los geht“, amüsiert sich das Hip Hop International Germany Team in einer Stellungnahme.

Ansonsten findet man den Vorgang weniger amüsant. So habe der Coach sich mit einem Pokal ablichten lassen, den er selbst erworben und mit Hip Hop International beschriftet habe. Ein Fake. „Es ist kein Pokal einer unserer Meisterschaften“, wird klargestellt. Und weiter: „Die Groove Eagles haben bei der Deutschen Meisterschaft den letzten Platz belegt und sind definitiv nicht für die WM in Las Vegas qualifiziert!“ Es reiche auch kein Video aus, um sich zu qualifizieren. „Es wurde keines eingereicht, geschweige denn von uns angefordert.“

Doch in diesem Glauben habe E. seine engagierten Tänzer bis zuletzt gelassen. Diese seien auf ihren Trainer hereingefallen, und „wir sind unendlich enttäuscht“, schreibt die Hip-Hop-Organisation, der zu Ohren gekommen ist, dass unter Vorspiegelung falscher Tatsachen auch Sponsorengelder eingeworben worden seien. Ergo: E. habe versucht, sich zu bereichern. „Zum Glück“, sagt Rolf Hansen, „hat noch keiner von uns die Reisekosten nach Las Vegas verauslagt.“

E., der vor drei Jahren bereits zu 38 Monaten Gefängnis wegen Betruges verurteilt worden ist, und dort das Buch „Vom perfekten Dinner hinter Gittern“ verfasst hat, schweigt zu den Vorwürfen: „Ich antworte Ihnen auf keine Fragen“, sagt er gestern lediglich. Auch vom Flensburger Tanzclub gab es trotz Anfrage keine Reaktion. Das Training, so heißt es, findet heute wie gewohnt statt.

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