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Diskussion im Medienhaus : Wie Digitalisierung die Arbeitswelt verändert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gewerkschafter Schmidt: „Wer sich dem Thema nicht stellt, der ist raus aus dem Markt“

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 07:14 Uhr

Wenn Mario Wagner das nächste Mal einen Handwerker braucht, möchte er gern im Vorwege mit einer VR-Brille durch sein renoviertes oder umgebautes Haus laufen, um zu sehen, wie es später aussieht. Und der Handwerker, der so etwas nicht anbietet, werde den Auftrag nicht bekommen. So drastisch formulierte der Fachmann für Arbeitsorganisation im Branchenverband Nordmetall die „Arbeitswelt 4.0“ – so der Titel einer Veranstaltung der Arbeitsagentur Flensburg im Medienhaus des sh:z an der Fördestraße.

„Wer hat noch ein Nokia-Telefon? Wer hat in letzter Zeit eine Reise im Reisebüro gebucht? Wer war in den letzten vier Wochen am Schalter seiner Bank?“ Nach diesen Fragen von Prof. Tim Warszta, FH Westküste, an das Publikum gingen jeweils nur wenige Finger hoch (bei der Nokia-Frage nur einer). Jeder wusste natürlich, was Warszta damit zeigen wollte. Die Digitalisierung ist im Alltag längst angekommen.

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeit und was bedeutet das für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Sozialpartner – das war die Ausgangsfrage der Veranstaltung. Die Digitalisierung betrifft dabei alles: das Produkt, die Arbeitsprozesse, die Maschinen, die Arbeitsorganisation, die Kunden, die Märkte. Thomas Ebel, Chef des Husumer Unternehmens Fischer & Tausche Capacitors, erläuterte die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution auf sein Unternehmen, aber letztlich auch für viele weitere mittelständische Firmen in Schleswig-Holstein. F & T produziere intelligente Kondensatoren, die der Windkraftanlage selbstständig das Ende ihrer Lebenszeit melden, so dass sie ausgetauscht werden können. Früher knallten diese Kondensatoren einfach durch, was zu erheblichen Problemen führte. Nach seiner Einschätzung werde die Digitalisierung dazu führen, dass man in Zukunft weniger Hilfskräfte, aber mehr hoch qualifizierte Kräfte benötige. Es werde immer mehr „smart products“ geben, Roboter werden viele Arbeiten erleichtern.

Die Digitalisierung und die 4. industrielle Revolution ist nicht aufzuhalten – darin waren sich alle einig. Selbst Gewerkschafter Michael Schmidt (IG Metall) ist für Industrie 4.0, er möchte sie aber gestalten. Sie werde dazu führen, dass Mitarbeiter mehrere Dinge gleichzeitig tun müssen. Roboter können monotone und körperlich schwere Arbeiten übernehmen. Sie können in der Pflege eingesetzt werden, zum Beispiel wenn eine Person im Bett umgedreht werden müsse. Es werde aber Gruppen von Arbeitnehmern geben, die durch 4.0 ihren Arbeitsplatz verlieren; die müssten sich dann qualifizieren, so Michael Schmidt.

Weiterbildung sei der Schlüssel zur Bewältigung von 4.0, sagte Schmidt. Und: Ein Betrieb, der sich diesem Thema verweigere, sei weg vom Markt. Man müsse die Betriebsräte mitnehmen und einbinden. Man dürfe sie aber nicht für sechs Monate zur Fortbildung schicken, warnte Fabian Geyer, Chef des Arbeitgeberverbandes Schleswig, Flensburg, Eckernförde.

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