EU-Etikettierungspflicht : Wie die Flensburger Brauerei durch den Paragrafendschungel kam

Aufgestiegen aus dem Bürokratendickicht: Heike Zilm hat für die Brauerei eine schwierige Verordnung umgesetzt.
Aufgestiegen aus dem Bürokratendickicht: Heike Zilm hat für die Brauerei eine schwierige Verordnung umgesetzt.

Die neue EU-Etikettierungspflicht beschäftigt das Familienunternehmen der Flensburger Brauerei seit anderthalb Jahren.

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19. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Flensburg | Das gute Dutzend verschiedener Biere mit dem Plopp-Verschluss verlässt die Produktion der Flensburger Brauerei in Form von mehr als 90 verschiedenen Produkten. Schließlich gibt es nicht nur die komplette Produktpalette vom Frühlingsbock über das „Edle Helle“ bis zum Radler. Neben Kisten mit kleinen Flaschen und solchen mit Halben-Litern gibt es Sechser-Träger, die Zwei-Liter-Flasche oder die Riesendose. „Und für den Export gibt es noch einmal andere, leichtere Flaschen oder etwas andere Bügelverschlüsse“, berichtet Sara Sausmikat-Theilen, seit vergangenem Monat neue Pressesprecherin der Brauerei am Munketoft.

Seit vergangenem Wochenende gilt in Deutschland eine neue europaweite Verordnung, die alle Lebensmittel umfasst. Damit gilt sie zum Beispiel auch für alle Flaschen und Dosen aus der Brauerei. Und nun zahlt sich am Munketoft die anderthalbjährige Vorarbeit von Heike Zilm aus, die sich 18 Monate durch den Brüsseler Paragrafendschungel wühlte: „Am Anfang wurde ich belächelt“, erzählt die Produktmanagerin, „aber ich hab gewarnt: Wenn wir das nicht machen, bekommen wir ein Problem.“

Seit vergangenem Wochenende darf nämlich nur noch solche Ware ausgeliefert werden, die Informationen in genau definierter Schriftgröße sowie Nährwerte in festgelegter Form auf dem Etikett angeben. Wenn es dabei auch um Fragen ging, mit wie vielen Stellen hinterm Komma zum Beispiel Eiweiße deklariert werden sollen: Grundsätzlich halten Zilm und ihre Kollegen in der Brauerei die Informationsoffensive für sinnvoll. Neben der Angabe des Alkoholgehalts in genau festgelegter Form geht es zum Beispiel um die Allergene, die auch im Weizen und in der Gerste zu finden sind. Das betrifft natürlich nicht nur die Brauerei und ihre Biere: „Da geht es genauso um Milch oder Erdnüsse“, erklärt Heike Zilm.

Dabei geht es nicht ausschließlich um die gedruckten Informationen auf dem Produkt. Betroffen seien auch alle Online-Anbieter von Plattformen, bei denen man die Produkte kaufen kann, ergänzt Marketingleiter Ulrich Beuth.

Die Brauerei jedenfalls hat alle Etiketten überarbeitet. Für den Export – zum Beispiel nach Russland, China oder in die USA – musste die Zahl der Sprachen von elf oder zwölf auf acht reduziert werden. Und bei allem bleibt eine Restunsicherheit, ob der politisch-administrative EU-Prozess wirklich am Ende ist, wie Beuth erklärt: „Wir wissen nicht, ob das endgültig ist.“

Die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) regelt in der Europäischen Union  die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Sie ist am 25. Oktober 2011 als Verordnung EU Nr. 1169/2011 beschlossen worden und gilt seit 13. Dezember 2014 verbindlich in allen EU-Staaten. Damit hat sie    in Deutschland die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung abgelöst.
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