Landschaftsplanung : Wie der Lautrupsbach in sein Tal fand

Hans Herbert Tölke im Lautrupsbachtal: 'Da gab es schon Momente, in denen ich Angst hatte.' Foto: jol
Hans Herbert Tölke im Lautrupsbachtal: "Da gab es schon Momente, in denen ich Angst hatte." Foto: jol

Dass einer der lauschigsten Pfade, der Rad- und Wanderweg durch das Lautrupsbachtal,nicht am alten Bahntunnel an der Bismarckstraße endet, ist Hans Herbert Tölke zu verdanken.

shz.de von
02. Juli 2009, 11:32 Uhr

Flensburg | Wenn es um den Lautrupsbach geht, hat Hans Herbert Tölke viele Ideen - auch 20 Jahre, nachdem er 1989 damit begann, das untere Lautrupsbachtal neu zu erfinden. Die erste Idee verrät der Landschaftsplaner bereits am Hafen, wo der Bach unter der Ruine des Kailagerschuppens in die Förde mündet - noch: Denn wenn das "Klarschiff"-Projekt kommt, soll dem Bach ein kleiner Umweg nach Norden verordnet werden. Tölkes Verstellung: Der Lautrupsbach könnte durch den Neubau fließen, eine Glasplatte drauf, Beleuchtung von unten: "Das wäre großes Kino", sagt der Ingenieur. In vier Abschnitt haben Tölke & Co. den Lautrupsbach in der ersten Hälfte der 90er Jahre freigelegt und renaturiert. Den letzten Abschnitt kann man gleich am unteren Lautrupweg bestaunen, wo im Schatten einer seinerzeit in Dänemark secondhand gekauften Kaimauer heute Sumpfdotterblumen blühen. Kleine Fischerboote, Jollen ähnlich wie am Lüttfischerhafen neben der Museumswerft, wurden hier früher ans Ufer gezogen, berichtet Tölke und erzählt, wie die Tiefbauer seinerzeit versucht hätten, die Befreiung des Lautrupsbachs zu torpedieren: Angst vor Kanalratten und Hochwasser seien nur zwei ihrer Argumente gewesen.

Dass es hinter der Lautrupsmühle einen öffentlichen Durchgang ins ansteigende Tal gibt, gehört ebenfalls zu den Errungenschaften der mit Städtbaufördermitteln der frühen 90er Jahre neu erfundenen früheren Trasse der Kieler Bahn. Und dass der aufmerksame Wanderer mit Glück hier nicht nur auf die Wasseramsel, sondern auch auf den Eisvogel treffen kann, gehört ebenso zur Erfolgsgeschichte dieses verschlungenen Pfades. Wenn es hier doch mal stinkt, sei bestimmt die komplett vom Bach abgetrennte Kanalisation verantwortlich, sagt Tölke: "Die Wasserqualität des Lautrupsbachs ist erkennbar und objektiv messbar besser geworden."
Wiederauferstehung eines Bahntunnels
Die Attraktion der frühen Schaffensphase Tölkes indes wartet ein paar hundert Meter weiter bachaufwärts. Hier holte der Ingenieur den Bach nicht nur aus den Kanalrohren zurück in sein Bett, sondern auch in den vor rund 50 Jahren komplett zugeschütteten Bahntunnel unter der Bismarckstraße - nachdem Nachforschungen im Stadtarchiv ergeben hatten, dass der Tunnel unter dem Schutt komplett erhalten war. Mit Hilfe von Hamburger Statikern sowie blitzschnell härtendem Beton der Weltfirma Philip Holzmann entstand jene Ei-Form, die der Spaziergänger heute im Tunnel vorfindet. Und Landschaftsplaner Hans Herbert Tölke gesteht: "Da gab es schon Momente, in denen ich Angst hatte."

Als das Fördergeld mit der Wiedervereinigung ostwärts floss, musste ein Bachabschnitt nahe der Mühle unter der Erde bleiben. Doch die vor vier Jahren fertiggestellte Osttangente machte das Lautrupsbachtal endgültig zur lauschigsten Verbindung von Fruerlund und Engelsby zum Hafen.
3. Luftbild-Serie
Mehr ungewöhnliche Geschichten und Ansichten aus Fruerlund, Jürgensby und Engelsby sowie das dritte von sechs Panorama-Luftbildern finden Sie am Sonnabend in dieser Zeitung.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen