Ultratroc : Widerstand gegen geplante Entlassungen

23-30214760.jpg

Vor einer Woche wurde bekannt, dass Ultratroc in Flensburg 62 von 103 Mitarbeitern entlassen wird. Bei der gestrigen Betriebsversammlung waren positive Töne zu vernehmen.

Avatar_shz von
26. November 2009, 10:18 Uhr

Flensburg | Für den Betriebsrat des Drucklufttrockner-Herstellers ultratroc und die Gewerkschaft IG Metall ist die Marschrichtung klar: "So wie sich die Konzernleitung das vorstellt, läuft es nicht. Der Standort Flensburg hat Zukunft", sagte Betriebsrat Fredi Brodersen gestern nach einer Betriebsversammlung.
Am Donnerstag hatte der für Europa zuständige Personalchef des amerikanischen Donaldson-Konzerns, zu dem ultratroc gehört, die Flensburger über die geplante Entlassung von 62 der 103 Mitarbeiter in Weiche unterrichtet. Und die Manager machen Tempo: Schon am 4. Dezember soll über einen Sozialplan verhandelt werden. "Die Geschäftsleitung ist jedoch verpflichtet, ihre Pläne mit Fakten zu begründen", stellte Meinhard Geiken (IG Metall) klar. Vorher werde der Betriebsrat nicht verhandeln - und es dürften keine Kündigungen ausgesprochen werden.
Das Europa-Management begründet die Entlassungen mit der "zu erwartenden Kündigung" des größten ultratroc-Kunden - des Kompressorenherstellers Boge - , die eine Drosselung der Produktion um 24 Prozent nach sich ziehe. Dass darum die Kleintrocknersparte eingestellt und rund 60 Prozent der Kollegen entlassen werden sollen, sieht am Ochsenweg 73 niemand ein. Zumal die Produkte erfolgreich seien und von Fremdfirmen eingekauft werden sollen. "Der Donaldson-Konzern will im Dezember acht Millionen Dollar Dividende an seine Aktionäre ausschütten", empört sich Brodersen. "Er hat aber auch eine Verantwortung für uns." Ein Rechtsanwalt ist eingeschaltet, Sachverständige sollen die Argumente der Chefetage - wenn sie denn kommen - prüfen. "Dann wollen wir gemeinsam überlegen, wie der Standort etwa durch Kurzarbeit gerettet werden kann." Geiken spricht von einer "Katastrophe" für Flensburg. "Die Industrie-Arbeitsplätze werden immer weniger, und nur vom Tourismus können wir nicht leben." Er fordert von Wirtschaft und Politik ein "zukunftsfähiges Konzept."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen