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Graf-Zeppelin-Straße in Flensburg : Widerstand gegen das Flüchtlingsdorf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bauen ohne Baugenehmigung: Ein Anwohner stellt einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beim Verwaltungsgericht.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2015 | 18:28 Uhr

Flensburg | Es geht voran. Das Flüchtlingsdorf an der Graf-Zeppelin-Straße strebt mit Riesenschritten seiner Vollendung entgegen. Teilweise sind bislang nur die Fundamente gegossen, doch einige Häuser stehen schon. 380 Menschen sollen hier bald wohnen – die ersten bereits Anfang des nächsten Jahres einziehen. Ob es dazu kommt, ist jedoch ungewiss. Denn es regt sich Widerstand. Ein Anwohner will einen Baustopp erzwingen.

Der Unternehmer, der seinen Namen nicht öffentlich machen will, ist Inhaber eines nahe gelegenen Bürokomplexes. Luftlinie 50 Meter. Am Donnerstag hat er einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beim Verwaltungsgericht Schleswig eingereicht. „Ich fordere die Verwaltung dazu auf, die Bauarbeiten endlich einzustellen“, sagt der Geschäftsmann und betont, Syrer in ihrem Heimatland als nette und gastfreundliche Menschen kennen gelernt zu haben.

Ihn stört nicht nur die Größe der Unterkunft, sondern insbesondere die Tatsache, dass keine vollständige Baugenehmigung vorliegt. Das wird von der Stadt, die gestern noch keine Kenntnis von dem Antrag auf einstweilige Anordnung hatte, auch nicht bestritten. „Es gibt nur eine Teilgenehmigung“, räumt Sprecherin Berit Erichsen ein. Man rechne im Verlauf der nächsten Woche mit einer endgültigen Genehmigung. „Im Rahmen der Prüfung des Antrages auf bauaufsichtliches Einschreiten prüfen wir natürlich auch, ob der aktuelle Baufortschritt von der vorliegenden Teilbaugenehmigung gedeckt ist.“

Genau das wird von dem Unternehmer bestritten. Seinen Informationen zufolge sei der Bauherr bislang nur befugt, die Fundamente zu errichten. „Auch wäre es schön, wenn die Stadt rausrückt, wer eigentlich Bauherr ist.“ Dazu will sich die Stadt, die lediglich als Mieterin auftritt, de facto nicht äußern. Das Grundstück sei einem privaten Immobilienunternehmen auf Erbpacht-Basis überlassen worden, heißt es.

Der Geschäftsmann, der nach eigenen Angaben mit seinen Vorbehalten in der Nachbarschaft nicht allein steht, hatte bereits im Vorwege ein Schreiben an alle Ratsfraktionen und den Oberbürgermeister verfasst. Darin fordert er auf, „mich bei der Durchsetzung meiner Rechte“ zu unterstützen. Offensichtlich hätten Politik und Planer ausgeblendet, dass in der Sackgasse über 30 Firmen tätig seien. Durch den regen Lkw-Verkehr in der Graf-Zeppelin-Straße führten schon heute „kleinste Irritationen im Wendehammer zum Verkehrsinfarkt“.

Den Wendehammer sieht der aufgebrachte Nachbar schon jetzt als Spielstraße für Flüchtlingskinder – mit erheblichem Gefährdungspotenzial. „Da kriege ich Bauchschmerzen“, sagt er. „Dazu noch Hunderte von Menschen auf einem schmalen Fuß- und einem verschlammten Wirtschaftsweg.“ Überdies stünden seiner Kenntnis nach nur drei Parkplätze für die Unterkunft zur Verfügung. In der Tat sind nur Parkplätze für das Betreuungspersonal der vorgesehen, nicht aber für die Bewohner. „Dieses Vorgehen“, erläutert Berit Erichsen, „ergibt sich aus den erleichterten Bauvorschriften, die das Land für den Bau von Flüchtlingsunterkünften erlassen hat.“

Der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet ist unlängst dahingehend geändert worden, dass soziale Anlagen dort ausnahmsweise errichtet werden dürfen. „Mit der Begründung, dass ansonsten der Kindergarten am Sophienhof schließen müsse“, führt der Unternehmer aus. Das allein diene den Planern als Sprungbrett, um Flüchtlinge in ein Gewerbegebiet abzuschieben. „Sollten es“, stellt er in den Raum, „nur finanzielle Interessen sein, dass diese Klientel auf einem schlecht zu vermarktenden Grundstück von der Größe eines Fußballfeldes eingepfercht wird?“






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